Man wandelte wieder in Mitten unentdeckter Abenteuer, ungeahnter Mythen und ungesehener Lnder, Kontinente, oder gar Welten. Die Leipziger Buchmesse ffnete am 12. 03. 2009 zum wiederholten Male ihre Tore, um Fans des Kopfkinos die Vorschau auf allerlei literarische Leckerbissen zu gestatten.

Rund 147.000 lesebegeisterte Menschen aus aller Welt whlten sich dieser Tage durch das 65.000 m groe Messe-Mrchenreich. 2100 Aussteller aus 38 Lndern stellten hier ihre Neuerungen zur Schau und 1500 Autoren lieen es sich nicht nehmen, aus ihren Werken vorzutragen. Unter ihnen T. C. Boyle, der 1984 mit einem Roman ber Marihuana-Pflanzer die mden Augen manches Kiffers auf Buchseiten heftete. Wem das allerdings zu unseris gewirkt haben sollte, schritt ein paar Meter weiter und lauschte Altmeister Gnther Grass bei seiner Vorlesung, oder Newcomer Uwe St, der ein Buch ber seinen Knastaufenthalt verfasste.

Bei diesem Andrang, dem die Messe an jenem Wochenende ausgesetzt war, ist es schwer zu glauben, dass jeder vierte in Deutschland selten bis nie ein Buch in die Hand zu nehmen angab. 14 % mehr Besucher als im Vorjahr durfte Leipzig frohlockend verzeichnen, davon viele Kinder und Jugendliche. Gut ein Drittel des gesamten Messeplatzes war nmlich fr diese reserviert und die kleinsten durften am Sonntag vor 10:00 Uhr sogar umsonst in die heiligen Hallen des Wissens; vorausgesetzt, sie hatten ihr Lieblingsbuch mitgebracht. Dort konnten sie dann ungemein interessante Dinge entdecken, unter anderem eine kleine Presse zum selber -Drucken.

Allerdings gaben sich nicht nur Freunde des rein Geschriebenen die Klinke in die Hand, denn auch die aufblhende Fangemeinschaft japanischer Zeichenkunst bekam ein Forum. Hunderte engagierte Cosplayer stellten ihre grtenteils selbstgemachten Kostme von Figuren aus Manga und Anime der Welt vor, bewegten sich als Rollenspielcharaktere durch Leipzig und lieen sich den schmucken fernstlichen Zeichenstil in Workshops beibringen.

Ein Highlight jedoch beschrnkte sich auf leichte 160 Gramm, was in etwa einem kleinen Fruchtjoghurt entspricht. Der schon gro im Voraus angekndigte Reader von Sony feierte am elften dieses Monats den Einzug in Deutschland und stellte sich in Leipzig vor. Ein handliches Notepad, in Stile von Star Trek soll in Zukunft die klobige Bcherwand im Wohnzimmer ersetzen, 192 MB Lesestoff speichern knnen und mit entsprechenden Upgrades bis zu 13.000 Romane zu jeder Zeit an jedem Ort abrufbar machen. 300 Euro wird das Gert voraussichtlich kosten, doch die Frage, ob sich etwas Derartiges langfristig durchzusetzen wei, steht schwankend im Raum. Wird ein Pad in der Hand das Gefhl eines schweren Buches auf dem Scho ablsen knnen; der sterile Geruch einer Plastikplatte den mysterisen Duft von Druckerschwrze und altem Papier?

Wenn es soweit kommen sollte, muss man sich darauf gefasst machen, gemtliche Schmkerstunden im Buchladen an der Ecke vergessen zu mssen, denn die aufspielbaren E-Books wird es im ganz und gar nicht staubigen Internet geben. Das sollte man sich vor dem Kauf eines Readers vor Augen fhren: Wissen muss riechen!
Wem es also schon Leid tut, diese paar Auszge aus dem schier unermesslichen Messeangebot verpasst zu haben, darf sich auf den Zeitraum vom 18. bis 21. Mrz im Jahre 2010 freuen, denn dann werden die Pforten in andere Welten erneut aufgetan.

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