Training ist nicht alles auch oder gerade bei der geistigen Fitness. Wir mssen das Gedchtnis vor allem richtig nutzen, meint Oliver Geisselhart. Er empfiehlt in Bildern zu denken, da sie besser im Gedchtnis verblieben als Worte. Die kindliche berlegenheit im Memoryspielen zeige etwa, dass es sich dabei um die natrliche Art zu denken handle.

Damit Bilder mglichst gut hngen bleiben, knnen sie dem Gedchtnistrainer zufolge gar nicht ungewhnlich genug sein. Das ist darauf zurckzufhren, dass das Gehirn berprfen muss, ob eine Situation gut fr uns ist oder davon eine Gefahr ausgeht, erklrt der Mentalcoach Geisselhart. Entspreche etwas der Norm, beschftige sich das Gehirn nicht lange damit, da es sofort die Harmlosigkeit erkenne. Handele es sich aber um etwas komplett Neues, msse es lnger dabei verweilen, um eine mgliche Bedrohung zu identifizieren. Ein wahrer Merkturbo entsteht laut Geisselhart insbesondere dann, wenn Gefhle mit ins Spiel kommen. Es gibt beispielsweise Kinder, die merken sich alle Fuballergebnisse, aber im Geschichtsunterricht haben sie eine Fnf.

Der Gedchtnisjongleur rumt zudem mit einem weit verbreiteter Trugschluss auf: Auch wenn Dinge im Langzeitgedchtnis gespeichert seien, knnten wir sie nicht unbedingt abrufen. Das Problem: Wir kommen nicht an die Information heran, weil wir nicht wissen, wo genau im Langzeitgedchtnis sie liegt, so Geisselhart. Deshalb sei der richtige Zugriff wichtig. Um sich etwas zu merken, muss man sich nicht nur ein Bild ausdenken, sondern am besten noch ein zweites, mit dem das Ganze verknpft ist, fhrt Geissehart aus und nennt ein Beispiel: Wer auf dem Sofa sitzt und in die Kche geht, um eine Flasche Wein zu holen, erinnert sich dort nicht immer an sein Vorhaben. Denn der Gedanke an den Wein ist nur mit dem Sofa verknpft. Im Endeffekt komme es aber auf diese zweite Verknpfung an, auf das Bild, das den Wein mit der Kche kombiniert.

Angst, dass seine Methode im digitalen Zeitalter nicht mehr gefragt sein knnte, hat Geisselhart nicht. Schlielich gebe es noch nicht fr alle Denkvorgnge technischen Ersatz. Ein Handy etwa mit einer Scannfunktion fr Personen, deren Name auf 15 Meter Entfernung auf dem Display erscheine, msse erst noch erfunden werden. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet: Wenn jemand beruflich oder privat einen Vortrag hlt, dann wirkt er wesentlich souverner, wenn er ihn im Kopf hat. Zudem beuge Gedchtnistraining der digitalen Demenz vor. Viele Dinge, wie Geburtstage, Telefonnummern oder Fahrtstrecken, mssten die Menschen heute nicht mehr im Kopf haben und drohten deshalb leistungsschwcher zu werden. Dagegen setzt Geisselhart sein Motto: Use it or loose it.

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