Bis zum bitteren Ende mssen sie ausharren. 29 Wahlurnen stehen ber die ganze Woche vom 15.-19. Dezember am Eingang von Uni-Gebuden, in der Bibliothek, in der Mensa und berhaupt all den Orten, an denen Otto-Normalstudent mehrmals am Tag vorbeikommt. bersehen kann man sie schlecht: Hier knnen alle Studierenden whlen, titeln sie im Grodruck. Und zu whlen gibt es allerhand: das 54. Studierendenparlament (SP), Fakulttsvertretungen, Fachschaftsrte, Engere Fakultten und nicht zuletzt der Senat wollen mit studentischen Vertretern bestckt sein. Gegen Ende der Wahlwoche wirken die Wahltische aber wie stille Inseln der Einsamkeit in der geschftigen Brandung des Uni-Betriebs.

Schlappe 16% der Studierenden machten 2007 den Gang zur Wahlurne. Auch fr dieses Jahr ist ein hnliches Ergebnis zu erwarten. Als absolut enttuschend bezeichnet Christian Schmitt, ffentlichkeitsreferent des AStA, dieses Ergebnis. Es ist ein unfassbarer Kampf. Man muss die Leute fast zur Wahlurne tragen. Aber warum wohl?

Beim Wahlgang jedenfalls sieht sich der studentische Whler einem Din-A2 Bogen voll kleingedruckter Namen und Hochschulgruppen gegenber wen soll man also mit seiner Stimme beglcken? Und was ist denn das berhaupt: engere Fakultt? Fachschaftsrat? In der allgemeinen Unwissenheit sieht auch Christian Schmitt den Grund fr das Desinteresse der Studierenden, von ihrem einzigen Mitbestimmungsrecht Gebrauch zu machen: Viele wissen nicht, was sie hier whlen. Das Studierendenparlament vergibt z.B. Gelder aus dem Sozialbeitrag. Aber das wollen sie einfach nicht hren.

Dabei sollte es eigentlich genug Gelegenheiten geben, sich Klarheit zu verschaffen. Alle Hochschulgruppen informieren im Internet ber ihre Programme wenn auch in sehr unterschiedlicher Qualitt und Differenziertheit. Und eine Woche vor der Wahl gibt der Wahlausschuss eine Wahlzeitung heraus, in der jede politische Hochschulgruppe sich und ihre Ziele auf einer Seite darstellt. Doch auf dem alltglichen Mensa-Desktop ist das Magazin wohl inzwischen zum Hintergrundbild degradiert. Knapp hinter der Resignation der Wahlkmpfer lauert die skurrile Realitt: ins 42. SP konnte man mit makabren 18 Stimmen aus ca. 40.000 Studierenden als gewhlter Vertreter einziehen. Falls die Bundestagswahlen hnlich ausfielen, wre das ein geeigneter Zeitpunkt, sich bei Goodbye, Deutschland anzumelden.

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