Umberto Eco
   
 

Umberto Eco und Burkhart Kroeber
   
Diese Aula sei ein wunderbarer Ort fr ffentliche Veranstaltungen dieser Art, meint mein Banknachbar kurz vor 18 Uhr, nur msse man sie eben erst mal voll kriegen. Doch das bleibt an diesem Abend das kleinste Problem. Der Orden pour le mrite hat fr Samstag, den 13.9., zur ffentlichen Sitzung seiner 47. Herbsttagung in die Bonner Uni eingeladen und nichts geringeres als eine Lesung mit Ordensmitglied Umberto Eco aufs Programm gesetzt.

Den Orden pour le mrite stiftete Wilhelm IV. 1842 als ziviles Pendant zum Militrorden Friedrichs des Groen. Seit seiner Wiederbegrndung nach dem zweiten Weltkrieg, 1952 durch Theodor Heuss, steht der Orden unter Schirmherrschaft des Bundesprsidenten. Mit der Ordensaufnahme sollen herausragende Leistungstrger aus Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Kunst geehrt und ins Gesprch gebracht werden. Dazu zhlen z.B. Namen wie Hans-Georg Gadamer, Carl Friedrich v. Weizscker oder der Liedsnger Dietrich Fischer-Dieskau. Die Mitgliederzahl ist dabei auf max. 40 Deutsche und ebenso viele Auslnder begrenzt.

Einleitende Gruworte sprechen zu dieser Veranstaltung u.a. Prof. Dr. Matthias Winiger, Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universitt Bonn und Andreas Pinkwart, Minister fr Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie in NRW. Winiger betont, wie notwendig sich heute Wissenschaft, Kultur und Kunst befruchten mssten und hebt hervor, dass sich der Orden pour la mrite zu einer betrchtlichen Zahl aus derzeitigen bzw. ehemaligen Mitgliedern der Bonner Universitt zusammensetze. Pinkwart sieht dagegen schon konkreter in die Zukunft, in der das Land NRW Innovationsland Nr. 1 werden und sich zum engagierten Anwalt der Wissenschaften machen wolle. In ausdrcklicher Anlehnung an Schillers Diktum Kunst ist die Tochter der Freiheit fordert der FDP-Politiker dabei den Rckzug der Politik aus dem Hochschulwesen und eine auskmmliche Finanzierung fr Wissenschaft und Forschung. In der Grundlegung des Forschungsclusters Mathematik und der Graduiertenschulen, sowie den 450 Millionen Euro, die aus Exzellenzwettbewerb und Studiengebhren zur Verfgung stnden, sieht er vielversprechende Anfnge.

Ob all die angesprochene Exzellenz jugendlicher Forscher sich mit der von Umberto Eco messen kann, ist freilich schwer zu sagen. Mit 33 Ehrendoktorwrden im Schlepptau bewegt sich der kulturelle Stargast des Abends, der dem Orden nunmehr seit zehn Jahren angehrt, gemchlich bers Parkett. Von seinen viel beachteten Verffentlichungen zur sthetik (Das offene Kunstwerk, dt. 1973), seinem Klassikerstatus als Professor fr Semiotik in Bologna oder auch nur seinem umfangreichen journalistisch-politischen Engagement ist heute aber kaum die Rede. Stattdessen steht ganz der Romancier im Vordergrund: Gemeinsam mit seinem deutschen bersetzer Burkhart Kroeber trgt er einen Text ber seine piemontesische Heimatstadt Alessandria vor, eine Stadt, dazu beschaffen, im Dmmerlicht gesehen zu werden.. Viel autobiographisches findet sich bereits in seinem Werk, z.B. im Schelmenroman Baudolino, der sich spielerisch mit der legendren Grndung Alessandrias beschftigt, oder auch in Das Focaultsche Pendel, in der Figur des Verlagslektors Jacopo Belbo, der von Herzen lieber ein Autor wre und sich bestndig den piemontesischen Partisanenkrieg 1944/45 vergegenwrtigt.

Heute zeichnet der 76jhrige anhand seelenvoller Landschaftsbeschreibung und vielsagender Kurzerlebnisse ein Stilleben der Kindheit. Immer schrfere Konturen gewinnt die Einsicht, wie weit entfernt uns die eigene Vergangenheit liegt und dass sie uns doch so unmittelbar angehrt wie nichts anderes. Seinen Vortrag belebt er musikalisch in breit-italienischem parlando und smorzando, mit dem er es versteht, das Auditorium zu faszinieren. Abschlieend steht Eco fr einige Fragen zur Verfgung, spricht ber die italienische Derrick-Rezeption und empfiehlt den Bildungswert des Fernsehens halb im Ernst und halb im Scherz, denn wie anregend sich ein Abend ohne TV gestalten kann, hat er soeben bewiesen.

Die Universitt Bonn bietet zu dieser Veranstaltung einen Podcast an.

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