"Bachelor und Master, wir kommen" - so schrien vor wenigen Jahren noch die deutschen Hochschulen, nachdem sie lange die Umsetzung des Bologna-Vertrags verschlafen hatten. Innerhalb weniger Semester wollte man alles umstellen und begann frhlich mit den Exekutionen der Magister- und Diplom-Studiengnge, sehr zum Leidwesen der Studenten. Dass dabei, wie in Deutschland leider blich, das Dach des Hauses vor dem Fundament gebaut wird und die Universitten zu riesigen Baustellen verkommen (von den echten baulichen Mngeln gar nicht zu reden), ist den Politikern bis heute nicht aufgefallen. Immerhin luten jetzt endlich bei den Professoren die Alarmglocken. Der Deutsche Hochschulverband (DHV) ist mit der Reform der Studiengnge berhaupt nicht zufrieden und fordert krftige Nachbesserungen. "Der Bologna-Prozess in Deutschland ist nur noch zu retten, wenn massiv gegengesteuert wird. Mit einem bloen Nachsteuern ist es nicht getan", erklrt der Prsident des DHV, Professor Bernhard Kempen.

Das Ziel des Bologna-Prozesses ist es, das Studium praxisnher, effizienter und schneller zu machen sowie durch eine bessere Vergleichbarkeit der Bachelor-Studeingnge die internationale Mobilitt zu frdern. Diese Ziele werden in Deutschland bislang weitestgehend konterkariert. Die Wirtschaft kann mit dem als Schnellstudium verschrieenen Bachelor noch nicht viel anfangen, schon gar nicht in den Bereichen, in denen bislang der Diplom-Abschluss als Qualittszeichen galt. Werdende Juristen, Mediziner, Ingenieure haben Angst, mit einem Bachelor-Abschluss auf der Strae zu landen und gegenber ihren Diplom-Kollegen im Nachteil zu sein. Das knnte sogar stimmen, zumal die Durchfallquote in den Natur,- Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften durch den zustzlich komprimierten Stoff drastisch in die Hhe geschossen sind. Der DHV fordert daher unter anderem, die Finger vom Diplom zu lassen. In den anderen Fchern soll der Master statt wie bisher der Bachelor zum Regelabschluss werden.

Besonders wichtig ist dem DHV zudem eine berarbeitung des Mobilittsgedankens. Die neu entstandenen Studiengnge seien so spezialisiert, dass ein Studienortwechsel whrend des Bachelor-Studiums im In- wie Ausland nahezu unmglich sei. Bei der Mobilitt haben wir kein Plus, sondern ein Minus", so Kempen. Auerdem sei man von einem suggerierten Automatismus bei der Anerkennung von Studienleistungen weiter entfernt als vor der Reform, da Leistungen kaum noch vergleichbar seien. "So wie bisher kann es nicht weitergehen", betont Kempen.

Es ist bedauerlich, dass diese Forderungen so spt kommen. Ein Grund mag sein, dass die Universitten selbst fr Anerkennungen von Studienleistungen im Ausland verantwortlich sind, ebenso wie fr ordentliche Lehrplne. Bislang schwieg man aber leiber ber steigende Abbrecherzahlen und hob ausnahmsweise einmal die Geisteswissenschaften ins Rampenlicht, die durch den strker verschulten Bachelor tatschlich einen Gewinn erzielen konnten. Doch so langsam lassen sich die Mngel nicht mehr verstecken. Die Politiker interessiert das wie blich nicht - eine Abkehr von der Umstellung auf Master und Bachelor ist fr sie keine Option.


Schlechte Noten fr Deutschland. (Bildautor: Gert Altmann, www.pixelio.de; Bearbeitung tk)
Als wre die Diskussion um den Bologna-Prozess noch nicht genug, kommt auch noch die Organisation fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einem neuen Bericht angetrabt, der der Bundesrepublik schlechte Noten in Bezug auf das Bildungssystem ausstellt. Vor allem im den Natur- und Ingenieurwissenschaften knne Deutschland seinen Bedarf an Hochqualifizierten kaum decken, heit es in der Studie "Bildung auf einen Blick". Damit besttigt sie den Trend des letzten Jahres (campus-web berichtete). So ist der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen je Jahrgang in Deutschland von 2000 bis 2006 von 18 auf 21 Prozent gestiegen. Im OECD-Schnitt wuchs der Graduiertenanteil je Jahrgang im gleichen Zeitraum dagegen von 28 auf 37 Prozent.

Auch das Interesse an einem Studium scheint in Deutschland nicht so ausgeprgt zu sein - oder vielleicht ist es auch nur die Angst vor dem Bachelor. Im OECD-Mittel hat sich der Anteil der Studienanfnger an Hoch- und Fachhochschulen von 2003 bis 2006 auf jeden Fall von 53 auf 56 Prozent eines Jahrgangs erhht, in Deutschland stagniert er dagegen zwischen 35 und 37 Prozent. Nur bei den Studienabbrechern ist Deutschland vorne mit dabei.

Besonders problematisch ist die finanzielle Situation. Anders als in den meisten anderen OECD-Lndern sind die Bildungsausgaben in Deutschland in den vergangenen Jahren langsamer gewachsen als die ffentlichen Ausgaben insgesamt. Nur 9,7 Prozent der Gesamtausgaben der ffentlichen Hand fliet in die Bildung, der Mittelwert liegt bei 13,2 Prozent. "Weder die ffentlichen noch die privaten Mittel zu erhhen, darf angesichts des zustzlichen Bedarfs an Hochqualifizierten nicht lnger die Alternative sein", erklrte in diesem Zusammenhang Barbara Ischinger, die fr Bildung zustndige OECD-Direktorin. Auch der freie Zusammenschluss der Studierendenschaften (fzs) sieht Verbesserungsbedarf. Zudem griff Vorstandsmitglied Anja Gadow erneut die Studiengebhren an. "Die im Befragungszeitraum bevorstehenden Studiengebhren und
Auswahlverfahren haben in den letzten Semestern die befrchtete Wirkung entfaltet - sie sind sozial selektiv. Wir sehen eine weitere Verschlechterung der Situation angesichts aktueller Debatten, wenn beispielsweise die Universitt Karlsruhe wegen der von den Hochschulen selbstverschuldeten Bewerbungsflut ber weitere Gebhren nachdenkt", erklrte sie.

Die OECD empfiehlt dagegen ein Stipendiensystem, statt an den ach so schnen Gebhren zu rtteln, und schlgt damit in die selbe Kerbe wie NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart. Dieser fordert schon seit Monaten eine derartige Zusatzfinanzierung - sehr zum Unwillen seiner Ministerkollegen. Denn gerade in den Bundeslndern, in denen das Studium noch kostenfrei ist, will man kein Geld in die Taschen fremder Studenten stecken, das ein anderes Land dann wieder abschpft. Am Grundproblem ndert das allerdings nichts. ob nun doch noch irgendwie eine Lsung zustande kommt? Bei den momentan verfahrenen Diskussionen zwischen den beiden groen Parteien CDU und SPD scheint dies eher unwahrscheinlich.


An anderer Stelle hapert es nicht an schnden Moneten. Die Universitt Kln hat jetzt einen Kooperationsvertrag mit RWE, E.ON und der Gesellschaft zur Frderung des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universitt zu Kln unterschrieben. Insgesamt zwlf Millionen Euro flieen in den kommenden fnf Jahren in das EWI, um neue Mitarbeiter anzuwerben und die Internationalisierung voranzutreiben. "Damit wir weder in Deutschland noch in Europa umwelt- und energiepolitisch in eine Sackgasse geraten, brauchen wir einen europischen Think Tank fr Energiekonomik, wie er jetzt mit dem EWI aufgebaut wird", erklrte RWE-Vorstand Berthold Bonekamp. Dabei hat das Institut bereits jetzt eine herausragende Stellung. "Das energiewirtschaftliche Institut der Universitt zu Kln ist eine der renommiertesten Einrichtungen auf diesem Gebiet in Deutschland", sagte RheinEnergie-Vorstandsvorsitzender Schmitz fr die "Gesellschaft zur Frderung des Energiewirtschaftlichen Instituts" bei der Vertragsunterzeichnung. Es untersttzt beratend, indem es Unternehmen und Mrkte analysiert und Entscheidungsgrundlagen liefert. Leider scheint dies bis jetzt jedoch keinen Einfluss auf die stndig steigenden l- und Gaspreise in Deutschland zu haben (obwohl der Rohl-Preis in den letzten Monaten um mehr als 30 Prozent gefallen ist) - und ob dies berhaupt jemals mglich ist, wenn zwei der grten Energie-Unternehmen der Bundesrepublik ihre Gelder in ein derartiges Institut pumpen, sei dahingestellt.


Schlielich noch was Ses: Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universitt Wrzburg haben herausgefunden, dass es bgei Bienenvlkern spezielle "Tankwarte" gibt, die nichts anderes tun, als die hart arbeitenden Drohnen mit Honig zu versorgen. Aber nicht irgendwelche Drohnen - sondern "Heizerbienen". Denn in einem Bienenstock muss immer eine bestimmte Temperatur herrschen, damit der Nachwuchs sich entwickeln kann. Die Heizerbienen erzeugen mit Hilfe ihrer Flugmuskulatur genug Wrme, um die ntigen 35 Grad Celsius aufrecht zu erhalten. Das Problem ist: diese ganze Anstrengung verbrennt Unmengen an Zucker. Nach maximal 30 Minuten sind die Heizerbienen vllig am Ende - und wrden noch nicht einmal den Weg zu den Kraft spendenden Honigvorrten schaffen. Hier kommen die "Tankbienen" ins Spiel: Sie pendeln zwischen der Kinderstube und den Honigvorrten hin und her. Treffen sie auf eine erschpfte Heizerbiene, geben sie ihnen einen sen Kuss, fttern die lebenden Wrmespender mit frischem Zucker und lassen diese wieder aufleben. Die Heizerbienen setzen nach diesem kurzen Liebesakt ihre Arbeit fort, whrend die Tankerbienen, nach mehreren solcher Ftterungen, neuen Honig vom Lager holen und sich erneut auf den Weg machen. In nur 20 Minuten schaffen sie bis zu sechs Versorgungslufe, bei denen sie bis zu 30 Heizerbienen nachtanken knnen.

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