Es ist mal wieder typisch: berall in Deutschland sitzen Studenten in maroden Hrslen, doch statt einer Sanierung finanzieren die Lnder lieber Elite-Unis und bauen neue Forschungszentren. Ob anderenorts der Putz von den Wnden brckelt oder herabfallende Brocken wie etwa in Regensburg fast den Rektor niederschmettern, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Ein aktueller Fall regt derzeit Baden-Wrtemberg auf. Die Universitt Hohenheim hat wie so viele Hochschulen enormen Renovierungsbedarf. Vor allem braucht sie dringend einen neuen Hrsaal, um die zugelassenen 842 Erstsemester im Wirtschaftsbereich sinnvoll unterbringen zu knnen. Denn der grte existierende Raum fasst nur 450 Studenten. Auch die letzte Auswertung der Hrsaal-Auslastung hat ergeben, dass ein Neubau unabdingbar sei. Rektor Professor Hans-Peter Liebig sieht nur wenig Spielraum fr weitere Umstrukturierungen. Man msse jetzt mit dem Neubau anfangen.

Was aber macht das Land? Es bezuschusst die Sanierung des sogenannten Speisemeistereiflgels des altehrwrdigen Barockschlosses. Darin befinden sich das Uni-Archiv - und die Rume eines Luxusrestaurants, in dem man unter "gnstig" ein Men fr etwa 75 Euro versteht. Von den insgesamt 700.000 Euro werden "nur" 245.000 fr den Innenbereich verwendet, der Rest ist fr Fenster, Dach und Fassade bestimmt. Nach den Rennovierungsarbeiten soll das Restaurant dann an einen neuen Pchter gehen, der den bisherigen hohen Standard beibehalten wird. Das Finanzministerium des Landes findet dies gut. Es sei angemessen, dass in den Rumen des Schlosses illustre Gste speisen knnten, sagte dessen Sprecher Lothar Knaus gegenber Spiegel Online. Gleichzeitig erteilt er dem Wunsch nach einem neuen Hrsaal eine klare Absage. "Der Hrsaalbau wird nicht kommen, auch das Wissenschaftsministerium hlt das nicht fr ntig." Stattdessen solle man die Nutzungszeiten der bestehenden Hrsle ausweiten und Veranstaltungen zu teilen. Ein fast schon unverschmter Schlag in das studentische Gesicht.


Es ist endlich amtlich: Der Weltuntergang kann kommen. Der Europische Gerichtshof fr Menschenrechte hat einen Antrag abgewiesen, der als letzte Hoffnung zur Verhinderung der grtmglichen Katastrophe galt. Somit werden am 10. September berhebliche und unbedachte Physiker in Genf Schwarze Lcher, seltsame Materie oder Magnetische Monopole erschaffen (oder alles zusammen) und damit die Welt in den Abgrund trieben. Weh euch, ihr Menschen, die Apokalypse ist nah.
Wie gefhrlich ist das CERN-Experiment? (Autor: PM-Magazin)

Werkzeug der ultimativen Vernichtung ist nach Ansicht von Walter Wagner, dem Tbinger Chaosforscher Otto Rssler und dem Wiener Philosophen Markus Goritschnig der "Large Hadron Collider" (LHC), der das komplexeste Experiment der Menschheitsgeschichte durchfhren soll. In dem gigantischen Teilchenbeschleuniger sollen Bedingungen erzeugt werden, die denen des Urknalls hneln. Die mglichen Erkenntnisse sind fr die Wissenschaftler des Europischen Teilchenforschungslabors CERN von immanenter Bedeutung. Nach Ansicht der LHC-Gegner bestehe jedoch groes Risikopotenzial, weil niemand genau wissen knne, was passieren wird. Was ja der Grund ist, weshalb man etwas Neues ausprobiert. Angeblich sollen sogar Nobelpreistrger skeptisch sein, doch haben diese sich bislang nicht direkt zu Wort gemeldet. Laut Goritschnig seien da Gruppenzwnge am Werk, die anscheinend strker sind als mgliche Bedenken gegen ein Apokalypse-Experiment.

Die Wissenschaftswelt sieht auf jeden Fall in den Bedenken der LHC-Gegner nichts, was auch nur ansatzweise ernst zu nehmen ist. Eine Expertenkommission des CERN hat die Anlage intensiv berprft und als sicher bewertet, ebenso wie die deutsche Kommission fr Elementarteilchenphysik. Ein CERN-Mitarbeiter sagte zuletzt: "The way to stop all these arguments about whether the LHC is going to destroy the planet, is to get the LHC working." Nchste Woche werden wir mehr wissen.


Ein Opfer fr Forschung und Lehre. (Bildautor: Jrg Klemme, www.pixelio.de)
Es ist einfach schaurig: Um den Beerdigungskosten noch im Tod zu entgehen, stellen viele Menschen ihren Krper nach entsprechender Nutzung der Forschung zur Verfgung. So viele, dass die Universittskliniken kaum noch wissen, wohin mit den ganzen Leichen. Verschiedene Hochschulen haben schon Aufnahmestopps verhngen mssen, da sie nur begrenzten Lagerplatz haben und mit hundert aufschneidbaren Krpern pro Jahr auch nichts anfangen knnen. So viele Anatomiestudenten gibt es nicht, Schwarze Messen feiert (hoffentlich) keiner im Klinikum (und wer will schon eine Zombie-Armee?), und eine Krperwelten-Ausstellung reicht vollkommen.

Dabei sehen die Hochschulen einen Grund in der Zunahme der Spendewilligen im Wegfall des Krankenkassen-Sterbegeldes im Jahr 2003. Immer wieder kommt es zu Anrufen mit der Frage, ob die Universitt nach der Verwendung der Leiche die Bestattungskosten bernehme. In manchen Fllen ist dies tatschlich so, vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz. Andere Institute verlangen inzwischen aber sogar noch einen Obolus - denn auch sie erhalten kein Sterbegeld mehr und knnen in Zeiten klammer Kassen nicht einfach 4000 Euro fr das Begrbnis eines Experiments bezahlen. Doch im Vergleich zu diesen Preisen sind die Hochschulen immer noch ein gnstiger Weg, verlangen sie doch hchstens 1200 Euro fr die "Entsorgung".

Dafr sind die Institute whlerisch geworden. Unfalltote, Selbstmrder und HIV- oder Hepatitis-Infizierte mssen sich selbst um ein Grab kmmern, da sie fr Forschungszwecke in der Regel nicht zu gebrauchen sind. Zudem gibt es bei einigen Universitten noch zustzliche Ausschlusskriterien. Fettleibigkeit, Metastasen oder einfach die falsche Region - in all diesen Fllen mssen die Leichen manchmal drauen bleiben. Schon aus finanziellen Grnden ist diese Art der Selektion ntig geworden, und solange das Angebot da ist, whlen die Pathologen natrlich nur die schnsten Krper aus. Dennoch freuen sich die Hochschulen ber jeden willigen Spender. Vor allem dann, wenn diese es nicht des Geldes wegen machen, sondern aus berzeugung fr Forschung und Lehre. Davon knnte die Politik noch viel lernen.


Es ist eigentlich einfach: weie Wolken reflektieren mehr Sonnenstrahlen, was ber den Ozeanen zu einer geringeneren Erwrmung der Meeresoberflche fhrt. Wenn man also die Wolken putzt, stoppt man zugleich den Klimawandel. Ein Forschertrio um Professor Stephen Salter von der Universitt in Endinburgh hat dazu eine simple Methode entwickelt. Die Wissenschaftler wollen hunderte von Roboterschiffen ber die Weltmeere schicken, die rund um die Uhr feine Salzwassertrpfchen versprhen. Diese sollen keine neuen Wolken schaffen sondern vielmehr in bestehende Wolken eindringen und die Brechungsdichte erhhen. So erscheinen die Wolken heller.

Die Energie sollen die Schiffe dabei zu einem groen Teil aus dem sogenannten Flettner-Rotor erhalten. Wenn ein senkrecht stehender Zylinder rotiert und zugleich einer Windstrmung ausgesetzt ist, dann entsteht eine Kraft quer zur Strmung. Damit knnten dann 30 Kilogramm Meerwasser pro Sekunde in die Luft gejagt werden. Bislang konnte sich der Flettner-Rotor nicht durchsetzen, doch fr Salters Vision spielen sie eine wichtige Rolle. Immerhin sollen die Schiffe automatisch kreuzen, und dafr ist die Maschine, die die Magnus-Kraft ausnutzt, ideal - Segelstellungen spielen keine Rolle, nur Drehgeschwindigkeit und Ruderstellung. Und verhltnismig gnstig sei das Konzept auch. Gerade einmal hundert Millionen Euro pro Jahr sollten ausreichen - allein die USA geben pro Jahr mehr als 500 Milliarden Euro fr ihren Verteidigungshaushalt aus, da sind solche Betrge doch Peanuts. Sofern nicht die Republikaner an die Macht kommen, die den Klimawandel eh fr einen Schwindel halten.

Auf jeden Fall ist der Ansatz Salters sehr interessant, auch wenn es noch einige Fragen zu klren gibt. So knnte diese Form des Geo-Engineerings zu weniger Regen fhren. Laut Salter sei es daher eine wichtige wissenschaftliche Herausforderung herauszufinden, wo man wie sprhen msse, um den erwnschten Effekt zu erzielen. Er pldiert daher fr eine ausgiebige Forschung in diesem Bereich. Zugleich warnt er aber davor, dass seine Methode kein Ersatz fr eine Reduzierung des Schadstoffausstoes sei. Doch er glaubt auch nicht, dass die Industrienationen in den nchsten Jahren endlich mal anfangen, das Kyoto-Protokoll umzusetzen. Wahrscheinlich msse erst ein Wirbelsturm New York in Schutt und Asche legen, damit irgendwas passiert, so Salter. Falls am 10. September die Welt nicht untergeht, bleibt zumindest diese Mglichkeit bestehen.

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