Seit jeher hat das Weltall den Menschen fasziniert: Teleskope, Planetarien und Weltraumtourismus all dies zeugt von der ungebrochenen Faszination, welche die "unendlichen Weiten" auf uns ausben. Noch Jahrhunderte nach Kopernikus und Galileo strebt der Mensch danach, die Geheimnisse des Himmels zu erkunden. Eines der Rtsel, die uns unsere Galaxie aufgibt, haben nun Astronomen der Universitt Bonn gelst: Sie haben eine Erklrung fr die Herkunft junger Sterne nahe des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstrae gefunden.

Der Mittelpunkt unserer Galaxieist ein Ort der Extreme: Fast vier Millionen Mal so schwer wie die Sonne lsst die enorme Anziehungskraft des Schwarzen Lochs die Entstehung neuer Sterne nicht zu. Dabei umkreisen es mehr Sterne als irgendwo sonst in der Milchstrae, darunter auch eine Gruppe junger massereicher Sonnen, deren Herkunft Astronomen bislang Kopfzerbrechen bereitet hat. Diese sogenannten S-Sterne zirkeln in einer - fr astronomische Verhltnisse minimalen - Entfernung von einem zehntel Lichtjahr um das Zentrum der Galaxie, mit typischen Geschwindigkeiten von mehreren Millionen Kilometern pro Stunde.

Dem Diplom-Mathematiker Ulf Lckmann ist es erstmals gelungen, per Computersimulationen die Entstehung der S-Sterne nachzubilden. Von Bedeutung sind dabei zwei Ringe aus jungen Sternen, die etwas weiter entfernt um das Schwarze Loch kreisen und wahrscheinlich aus Gaswolken entstanden sind, die ins Zentrum der Milchstrae gefallen waren. Eine besondere Rolle spielt die Interaktion dieser beiden Ringe. Aufgrund der Schwerkraft verbiegen sie sich gegenseitig, wodurch zahlreiche Sterne auf Bahnen gebracht werden, die dem Schwarzen Loch sehr nahe kommen. Normalerweise berstehen die Himmelskrper diesen Vorgang unbeschadet. Allerdings entstehen viele Sterne nicht einzeln, sondern in Paaren. Kommt nun ein solcher Doppelstern dem Schwarzen Loch zu nahe, wirkt die Gezeitenkraft desselben auf das Zwillingspaar ein und bersteigt die Schwerkraft, die die beiden Sonnen zusammenhlt. Das Paar wird getrennt: Whrend ein Stern aus dem Zentrum der Galaxie herausgeschossen wird - teilweise mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Millionen Stundenkilometern - und nach Millionen von Jahren die Milchstrae verlsst und erlischt, bleibt der zweite Stern auf einer sehr engen Bahn um das Schwarze Loch zurck. Ein neuer S-Stern ist entstanden, der das kosmische Ungetm in wenigen Jahren umrundet.

Die Flugbahnen dieser sonderbaren Objekte hat ein Supercomputer des Argelander-Instituts der Universitt Bonn berechnet. Dazu setzte Lckmann zusammen mit dem Heisenbergstipendiaten Dr. Holger Baumgardt und Professor Pavel Kroupa auch ein Rechenprogramm fr supermassive Schwarze Lcher ein, das die Astronomen vllig neu entwickelt haben.

Eine Animation von der Entstehung eines S-Sterns kann man sich unter hwww.astro.uni-bonn.de/~uloeck/sstars.gif anschauen.

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