Seit August bekommen BAfG -Empfnger in Deutschland mehr Geld. Dies hatte der Bundestag im November vergangenen Jahres beschlossen und nun umgesetzt. Der Hchstsatz stieg von 585 auf nun 643 Euro, also um gut zehn Prozent. Auch die Elternfreibetrge wurden um acht Prozent angehoben. Durch diese Erhhung kann der Bund etwa 100.000 mehr jungen Menschen zustzlich Untersttzung gewhren. "Mit der Aufstockung des BAfG erleichtern wir die Entscheidung fr ein Studium - denn wir haben damit deutliche finanzielle und strukturelle Verbesserungen geschaffen", freut sich Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Dass gerade sie es war, die zu Beginn ihrer Ministerttigkeit das BAfG noch als "Auslaufmodell" bezeichnete und jahrelang einer Erhhung im Weg stand, darf hierbei nicht vergessen werden.

Auch wenn Frau Schavan von Verbesserungen spricht, stellt sich die Frage, ob es sich um sprbare Verbesserungen handelt. Die letzte Aufstockung stammt immerhin aus dem Jahr 2001. Nun wird das BAfG um zehn bzw. acht Prozent erhht. Fakt ist aber, dass seit Januar 2001 die Verbraucherpreise in Deutschland um 15,2 Prozent anstiegen. Damit bleibt die BAfG-Erhhung, wie viele Kritiker bemngeln, weit hinter den deutschen Finanzentwicklungen zurck. Cornelia Hirsch, bildungspolitische Sprecherin der Linken, sprach von einer "Reparaturmanahme", die "groe Lcken" aufweise und zu spt komme. Zudem kritisierten die Deutschen Studentenwerke (DSW), dass die Anhebung der Bedarfstze und Freibetrge "erkennbar zu kurz" greife, "weil sie die Preis- und Einkommensentwicklungen der Jahre 2007 und 2008 nicht bercksichtigt."

Mit der aktuellen BAfG-Novelle will der Bund explizit studierende Eltern mehrerer Kinder frdern. Bisher erhielten diese unabhngig von der Kinderzahl einen Pauschalzuschlag. Jetzt werden zustzlich zum ersten weitere Kinder mit je bis zu 85 Euro bercksichtigt. Doch diese Bedarfserhhung hebt die Benachteiligung durch die Einfhrung des Elterngelds 2006 nicht auf: Damals krzte der Staat Untersttzung fr Eltern von vierundzwanzig auf zwlf Monate. Die jetzige Angleichung des BAfG-Satzes bleibt deutlich hinter den finanziellen Einschnitten von damals zurck. Auerdem bleibt oft unausgesprochen, dass der Kinderbetreuungszuschlag einkommensabhngig ist. "Wer Pech hat, kriegt statt 113 nur 1,13 Euro", so kritisiert Kai Gehring, der hochschulpolitische Sprecher von Bndnis 90/Die Grnen.
WANN KRIEGE ICH BAFG UND WELCHE VORRAUSSETZUNGEN GIBT ES?

BAfG- Empfnger sind in der Regel deutsche Studierende, Auszubildende oder Praktikanten, unter bestimmten Vorraussetzungen auch Schler und auslndische Auszubildende. Eine Frderung wird gewhrt, sofern finanzielle Mittel der Eltern zur Finanzierung einer Ausbildung nicht ausreichen. Weitere Vorraussetzungen sind zum Beispiel, dass zu Beginn der Ausbildung das 30. Lebensjahr nicht vollendet sein sollte. Unter diesen Umstnden gilt eine erste Ausbildung generell als "frderungsfhig", doch auch der zweite Bildungsweg wird untersttzt. Derzeit knnten viel mehr Studierende und Auszubildende durch BAfG gefrdert werden. Deshalb wird empfohlen, dass Jeder, der in Deutschland eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, einen Bewilligungs-Antrag stellt. An einem persnlichen Beratungsgesprch fhrt jedoch kein Weg vorbei. Beratungsmglichkeiten gibt es im Studentenwerk vor Ort. ber Frderungsmglichkeiten informiert das Deutsche Studentenwerk unter www.studentenwerke.de. Eine Liste der zustndigen mter fr Ausbildungsfrderung (AfA) in Deutschland findet ihr ebenfalls auf den Seiten des Studentenwerks.


Insgesamt soll mit der aktuellen BAfG-Erhhung wachsenden internationalen Ansprchen des Studiums und wohl auch Deutschlands schlechtem Abschneiden im europischen Hochschul-Vergleich Rechnung getragen werden. Seit Beginn des Jahres knnen Studierende schon im ersten Semester BAfG fr ein Studium im EU-Ausland und der Schweiz beantragen. Darber hinaus knnen seither Auslnder mit einer "langfristigen Bleibeperspektive" die Ausbildungsfrderung erhalten.

Kritiker der 22. BAfG-nderung fordern trotzdem weiter eine jhrliche Aufstockung des Bedarfsatzes. Martin Menacher, Vorstandsmitglied des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs), zeigte sich zwar erfreut ber den gelungenen Einsatz seiner Mitstreiter: "Wir begren den Beschluss der Koalition deutlich. Die Studierenden haben gegen starken Widerstand lange und hart fr eine Erhhung und Ausweitung des BAfG gekmpft." Er bemngelte jedoch, dass "der jetzige BAfG-Hchstsatz von 643 Euro immer noch weit entfernt ist von dem tatschlichen Durchschnittsbedarf der Studierenden." Diesen ermittelte die aktuelle Sozialerhebung des DSW mit knapp siebenhundert Euro. Der fzs fordert deshalb eine gesetzliche Regelung fr eine dauerhafte jhrliche Anpassung der Ausbildungsfrderung.

Entgegen ursprnglicher Planungen wurde der nchste BAfG -Bericht nun auch noch auf 2010 anstatt 2009 verschoben. DSW-Prsident Rolf Dobischat bte an dieser Entscheidung massive Kritik. Die Verschiebung des Berichts auf 2010 drfe nicht als "Freibrief fr vier Jahre Ruhe beim BAfG" verstanden werden. "Das politische Signal darf nicht sein, dass sich erst eine neue Bundesregierung wieder um eine Erhhung kmmern solle."

Die zweite Runde der Exzellenzinitiative ist hingegen beschlossene Sache. Die nchste Nullrunde beim BAfG auch - und die Verbraucherpreise steigen trotzdem weiter. Die jetzige BAfG-Erhhung war eine notwendige Manahme; doch sie reicht leider nicht aus.

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