Im Rahmen des siebten EU-Forschungsprogramms investieren die europische Union und die Wirtschaft insgesamt zehn Millionen Euro in das CONET-Projekt. Dort entwickeln elf Universitten aus zehn europischen Staaten und namhafte Vertreter der Wirtschaft (SAP, Boeing, Schneider Electric, Selex, sowie Telecom Italia) unter der Leitung der Universitt Bonn die Intelligente Vernetzung alltglicher Gegenstnde weiter.

Die RFID-Technologie (Radio-Frequency-Identification) sorgt schon lnger fr viel Hoffnung in Wirtschaft und Forschung. Sie ermglicht durch Verwendung einfacher Sender als Chips in Gegenstnden, Daten an ein berwachendes System zu schicken. Als Beispiel: die Bio-Milch, die der Kasse die Information sendet, was sie ist, oder das kontaktlose Auslesen biometrischer Daten auf Chip-Reisepssen. Diese Systeme, "Backends" genannt, verwalten und organisieren wiederum die registrierten Dinge (RFID-Tags). So rechnet es etwa die Bio-Milch ab. Das Problem solcher Backend-Systeme ist jedoch, dass sie schnell an ihre Grenzen gelangen, wenn viele Aufgaben gleichzeitig bearbeitet werden mssen.

Und genau hier geht das CONET-Projekt einen entscheidenden Schritt weiter. Es will die Gegenstnde mit einem eigenen intelligenten Computer versehen, der selbstorganisierend arbeitet und entsprechende Anweisungen an das bergeordnete System geben kann. Intelligente Etiketten, zum Beispiel auf Fluggepck, knnten selbst Daten auswerten: So wrden die cleveren Koffer eine zu spte Check-In-Zeit registrieren und dem System mitteilen, dass es mit dem Weitertransport noch warten soll. Dies kann zugleich garantieren, dass die Gepckstcke zum richtigen Flugzeug gelangen. "Das Thema ist extrem hei, gerade fr die Logistikbranche", besttigt der leitende Informatiker Professor Pedro Jos Marrn von der Universitt Bonn. Die Vorteile fr die Wirtschaft liegen auf der Hand: Optimierung und Automatisierung sowie bessere Kontrolle der Prozessablufe. Insbesondere die Logistik drfte sich ber neue Anwendungen freuen, werden doch ihre Waren "intelligent". Die ffentlichen Institutionen dagegen hoffen auf bessere Sicherheits- und berwachungsmethoden.

Genau hier liegt aber auch das Gefahrenpotenzial. Denn wer kann in einer immer rascher zusammen wachsenden Informationsgesellschaft mit dem Jahrhundertmedium Internet garantieren, dass die gesammelten Daten nicht missbraucht werden? Selbst ohne diese Technologie, die ein nchstes Level der Vernetzung einleitet, wird es immer schwieriger, den Datenschutz und die Persnlichkeitsrechte zu wahren. Diese neuen Aufgaben annehmend arbeitet die Rechtswissenschaft ein eigens fr die Telemedien geltendes neues Recht aus, indem es genau diese Felder, die Gewhrleistung ber die Verfgung eigener personenbezogener Informationen definiert und reguliert. Was gebe ich von mir preis und wie kann ich es selbst bestimmen? Wie kann ich garantieren, dass ich nicht unwillentlich immer transparenter und berechenbarer fr Staat und Wirtschaft werde? "Mit der Sicherheit der Technologie steht und fllt ihre Akzeptanz", so Professor Marrn.

Trotz aller Bedenken ist die Entwicklung nicht aufzuhalten und das aufschimmernde Potenzial dieser Technik sehr faszinierend. So veranschaulicht ein "All-In-One-Network-Projekt" in Sdkorea, wie die Zukunft aussehen kann. In New Songdo City, einer Stadt nahe Seoul, sollen die Einwohner schon in wenigen Jahren vollstndig vernetzt sein: Sofern die entsprechenden Genehmigungen eintreffen, sollen die kompletten Daten der Stadt, ihrer Behrden, Schulen und Unternehmen jederzeit zugnglich sein.

Intelligente Wohnungen mit Bewegungssensoren, die tageszeitabhngige Lichtszenarien schaffen, und Khlschrnke, die die ntigen Bestellungen selbst aufgeben, erinnern an eine entfernte Science-Fictionwelt, die jedoch nach Meinung der Wissenschaftler mit dieser Technologie schnell Realitt werden kann.

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