Dass geisteswissenschaftliche Studiengnge nicht zu denen gehren, die besondere finanzielle Frderung erfahren, ist wohl hinreichend bekannt. Krzungen sind unausweichlich, ganze Fcher werden wie etwa in Bonn zusammengestrichen (campus-web berichtete), selbst Proteste und Aktionen der Studierenden helfen nicht. Umso erstaunlicher, dass gerade hier an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitt einige geisteswissenschaftliche Fcher zwar vom Stellenabbau ebenso betroffen sind wie andere, von fehlender Innovation jedoch keine Rede sein kann. In der Germanistik und Romanistik bestehen seit einigen Jahren bereits sogenannte bi- und trinationale Promotionskollegs in Zusammenarbeit der Universitten Bonn, Paris Sorbonne und Florenz, die an die Doppeldiplomstudiengnge "Deutsch-Italienische Studien/Deutsch-Franzsische Studien" im Exzellenzbereich anknpfen. Diese Promotionspltze sind mit Stipendien dotiert und beschrnken sich auf die Fachbereiche Germanistik oder Romanistik.

"Das trinationale Promotionskolleg Grndungsmythen Europas in Literatur, Kunst und Musik nimmt zum 1. Oktober 2008 seine Arbeit auf und stellt die nchste Entwicklungsstufe dieser Zusammenarbeit dar, die damit auf viele Fcher ausgeweitet wird", betont Professor Michael Bernsen, Initiator des Kollegs und Dozent am Lehrstuhl "Vergleichende Romanische Philologie" an der Universitt Bonn. Themen zur Rahmenfrage des Kollegs der philosophischen Fakultt betrfen Literatur- und Sprachwissenschaft, aber auch Historiographie, Kunstgeschichte, Politikwissenschaften, Soziologie und andere Fcher gleichermaen. Der Kreis der beteiligten Professoren und Fachrichtungen sei dabei noch in der Erweiterungsphase. "Natrlich ist es fr die Teilnahme unabdingbar, neben der Muttersprache einer der drei Universitten auch die beiden anderen Sprachen gut zu beherrschen", erklrt Bernsen, "dabei muss eine der beiden Fremdsprachen bereits auf hohem Niveau gesprochen werden, die dritte muss sptestens in den ersten beiden Jahren der Promotion erworben werden".

Die Promotionsstudenten fhren whrend des Promotionsstudiums zwar den Groteil Ihrer Forschungen an der Heimatuniversitt durch, absolvieren jedoch jeweils ein Semester an den beiden Partneruniversitten, wo ihnen jeweils ein Betreuer und eine Vertrauensperson zur Verfgung stehen. "Die Doktoranden knnen Antrge auf Stipendien stellen, bei denen ihnen die Kollegsleitung behilflich sein wird." Und die Wahrscheinlichkeit, eines zu bekommen ist extrem hoch. Erste Stipendien und Frderangebote von Stiftungen konnten Studenten dafr bereits einwerben. Dissertationen zu Francesco Petrarca, Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Friedrich Schiller werden zum Beispiel von der Richard-Montag-Stiftung mit 1200 Euro im Monat und einer zustzlichen Reisekostenpauschale gefrdert.

Klingt nach Exzellenzprogramm? Ist es auch. Der seit Kurzem ausliegende Flyer zum Graduierendenkolleg verrt, dass durch die internationale Ausschreibung der Promotionspltze die besten Studenten gewonnen werden sollen. Ein Hochschulgremium der drei Universitten bert dann ber die Annahme des Doktoranden. Man knne sich an einer der drei Universitten bewerben, jedes Jahr stnden insgesamt neun Pltze zur Verfgung. "Wir wollen, dass unsere Promovenden Forschungsleistungen erbringen, die international Beachtung finden", sagt Professor Bernsen. Der am Ende des dreijhrigen Kollegs verliehene Doktortitel der drei renommierten Universitten Florenz, Paris Sorbonne und Bonn werde die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sprbar erhhen. "Die Teilnehmer sollen spter vor allem als Kulturschaffende und im Kultur- und Wissenschaftsmanagement auf europischer Ebene ttig werden knnen." Das neue Promotionskolleg trgt dabei zur Globalisierung der Forschung bei die Bewerbung auslndischer Studierender ist laut Ausschreibung ausdrcklich erwnscht und erffnet engagierten Geisteswissenschaftlern besondere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Infos zu Zulassungsvoraussetzungen, Ausschreibung, Themen, Stipendien unter: www.gruendungsmythen-europas.uni-bonn.de.

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