Na kennen Sie den kleinen Unterschied? Nein nicht den, den anderen! Den zwischen einem einen Langhaarschaf und einem Polymer. Es geht damit los, dass man Polymere nicht zur persnlichen Schlaffrderung zhlen kann. Man hat aber bestimmt schon mal gerchteweise von Studenten gehrt, die beim Brten ber einem Buch mit dem Titel "Angewandte Polymerwisschaften" unvermittelt in Morpheus Arme gesunken sind. Und Polymere geben weder Milch noch Fleisch oder Wolle.

Was das eine jetzt mit dem anderen zu schaffen hat und wofr Polymere berhaupt gut sind? Moment Man kann sich Polymere als eine endlos lange Kette aneinander geknoteter Langhaarschafe vorstellen (bitte nicht nachmachen es handelt sich lediglich um ein Gedankenexperiment). Also, Schafe zu einer langen Kette verknotet und richtig schn zottelig, dass sich einiges in der Wolle verfangen kann. So hnlich sehen auch Polymere aus. Lange Moleklketten mit vielen "rmchen" (auch freie Bindungselektronen genant), die gerne mal nach einem Atom oder Molekl "greifen" und sich dann damit verbinden.

Diese Polymere gibt es nahezu berall. Wir tanken sie beispielsweise tglich. Benzin ist ein Gemisch langkettiger Kohlenwasserstoffe. Manche verbinden sich zu Ringen (Oktan) nicht immer freiwillig, dann hilft der Petrochemiker etwas nach. Polymere gibt es aber nicht nur flssig. In nahezu jedem synthetischen Produkt kommen sie vor: in Plastikbechern fr den Kaffee, PET-Wasserflaschen, Computergehusen, Raumanzgen, der Kevlarauskleidung fr Motorradcombis - eine schier endlose Liste. Diese Werkstoffe sind sehr leicht, besonders im Vergleich zu Metallen wie Stahl, Aluminium und Titan und verfgen ber eine extrem hohe Steifigkeit und Stabilitt. Das macht sie zu idealen Grundstoffen fr den Karosseriebau. Lngst ist die Nachfrage nach Stahl auf dem Weltmarkt derart hoch, dass sie kaum noch befriedigt werden kann. Warum also zuknftig nicht auf alternative Werkstoffe setzen?

Diesen Trend haben auch die deutschen Hochschulen erkannt. Seit einigen Jahren gibt es an der FH Aachen die Mglichkeit, den Masterstudiengang Angewandte Polymerwissenschaften zu belegen. Zugangsvoraussetzung fr diesen viersemestrigen Masterstudiengang ist ein mindestens dreijhriges und mit GUT abgeschlossenes universitres Studium der Fachrichtungen Chemieingenieurwesen, Chemie, Physikalische Technik, Physik, Biotechnologie, Maschinenbau, Flugzeugbau oder Vergleichbares (Weitere Informationen). Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt fr die Absolventen dieses Studienganges sind uerst vielversprechend. Solchen Technologien gehrt eindeutig die Zukunft. Kein Flugzeugrumpf ist heute noch ohne den Einsatz so genanter "Verbundstoffe" denkbar: Schichten aus vielen unterschiedlichen Polymerlagen, die miteinander verbunden werden und Materialien mit neuen speziellen Eigenschaften entstehen lassen.

Problematisch nur, dass Polymere aus Erdl gewonnen werden, und auch dieser Rohstoff ist bekanntermaen endlich. berdies steigt bei Erdl kontinuierlich der Preis. Lsung fr dieses Dilemma knnte ein anderer interdisziplinrer Ansatz bringen. An RWTH Aachen wird derzeit mit Nachdruck an der Entwicklung von Verfahren zur Gewinnung von "Biogenen Treibstoffen der zweiten Generation" geforscht (campus-web berichtete). Das sind Bioalkohole, die nicht aus Nutzpflanzen wie Raps gewonnen werden, stattdessen aus organischer Abfallmasse stammen. Diese enthalten hohe Anteile an Kohlenstoffketten, also Polymere - wie eigentlich alle Organismen. Vergleichbar dem Prozess, bei dem aus den berresten von Lebewesen, in Jahrmillion und durch Druck und Hitze im Erdinneren Erdl und Kohle entstehen, werden hier chemotechnisch aus organischen Abfllen Bioalkohole gewonnen. Und eines Tages knnen diese mglicherweise als Grundlage fr die Erzeugung von Werkstoffen dienen, fr die man heute noch Erdl bentigt. Noch knnen wir zwar weder Langhaarschafe direkt zu Polymeren verarbeiten, noch diese "verheizen" (nicht ausprobieren! Nur eine Metapher). Vielleicht gelingt aber durch erfolgreiche Kombination solcher Disziplinen eines Tages der Durchbruch. Ein paar Probleme wren dann schon mal gelst.

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