Es ist ein groer Erfolg fr die Studenten und zugleich ein politisches Wunder: SPD, Grne und Linke haben in Hessen tatschlich einmal ein Wahlversprechen gehalten und geschlossen fr ein gebhrenfreies Studium gestimmt. Ab dem kommenden Wintersemester haben Studenten also wieder 500 Euro mehr in der Tasche, unabhngig davon, ob sie im ersten oder im zwanzigsten Semester sind.

Herzlichen Glckwunsch, ihr Glcklichen: ihr habt es geschafft und das Recht auf freie Bildung verteidigt. Im Gegensatz zu anderen Bundeslndern, in denen die Proteste meist nur halbherzig blieben, habt ihr richtig was erreicht. Zugegeben, ihr hattet den Vorteil, dass laut der Landesverfassung die Gebhren anscheinend unzulssig waren. Aber trotzdem, ein stolzer Sieg. Oder nicht?

Die Auswirkungen des Beschlusses drften fr die Universitten gewaltig sein und in vielen Fllen mehr schaden als ntzen. Denn fr zuknftige Studenten aus allen Bundeslndern ist Hessen auf einmal zum kostenfreien Bildungshafen geworden, und so ist es sehr wahrscheinlich, dass es zu einem enormen Ansturm auf die dortigen Universitten kommen wird. Diese mssen die Massen entweder beschrnken oder in den Fluten ertrinken. Also kommt auf jedes Fach ein Numerus Clausus, und nur die Elite darf nach Hessen. Fr den Rest bleibt nur die Abschiebung in die Gebhrenfalle. Soziale Gleichberechtigung? Na ja

Aber dabei wird es nicht bleiben. Denn die Unis haben mit den Einnahmen aus den Studiengebhren fest gerechnet und sie in ihre Haushaltsplanungen aufgenommen. Ja, natrlich durften diese Gelder eh nur fr die Verbesserung der Lehre eingesetzt werden, aber wie man zuletzt in NRW gesehen hat, finden die Hochschulen immer Mittel und Wege, um diese Verpflichtung zu umgehen. Also hapert es jetzt an den Finanzen. Und zwar ordentlich. Von 96 Millionen Euro ist die Rede und die Hochschulen sehen nicht ein, auf diese Summen zu verzichten. Sie fordern Ausgleichszahlungen vom Land. Aber das muss, wie ganz Deutschland, krftig sparen. Und immerhin sind fr die nchsten Jahre schon drei Milliarden Euro fr den Ausbau der hessischen Hochschulen verplant. Woher also mehr nehmen, wenn nicht stehlen?

In NRW mssen die Hochschulen jetzt trotz Studiengebhren jede Menge Einsparungen vornehmen, besonders die Geisteswissenschaften sind betroffen. "Die braucht man ja doch nicht", scheint ein herrschender Tenor auf Regierungsebene zu sein. Diese Situation knnte sich in Hessen durch den Wegfall der Studiengebhren sogar noch verschrfen. Und was dann? Muss die altehrwrdige Philosophie in Frankfurt schlieen, damit die Chemie in Marburg erhalten bleibt? Der Aufschrei unter den Schlern Adornos und Horckheimers wre sicherlich gro, aber wenn es um den schnden Mammon geht, haben Sozialphilosophen leider wenig zu melden. Dann htte selbst Pyrrhus den Sieg gegen die Studiengebhren nicht bitterer gestalten knnen.

Zugegeben, es handelt sich hier um ein Horrorszenario (zumindest fr Philosophen), und mit etwas Glck wird es nicht zur Streichung eines bedeutenden Lehrstuhls kommen (und ja, auch die Chemie in Marburg muss erhalten bleiben). Doch Fakt ist, dass ohne Moos nichts los ist und dass sich dieses zwar auf manchen Lehrbchern, nicht jedoch in den Kassen der Hochschulen befindet. Schon gar nicht in Bezug auf die Lehre. Oh ja, fr Elite-Unis und Exzellenzinitiativen lsst sich auch bei Bund und Lndern noch so einiges zusammenkratzen. Immerhin geht es um international anerkannten akademischen Ruhm. Aber in den gemeinen Studenten investiert man heutzutage nicht mehr.

Machen wir uns nichts vor Studieren ist zu einem Privileg geworden, daran ndert auch der Beschluss in Hessen nichts. Irgendwie wird das Land die verlorenen Millionen wieder reinholen mssen oder aber auf die geplanten Umbaumanahmen verzichten. Im letzteren Fall sind Krzungen fast schon vorprogrammiert. Also entweder einigermaen ordentliche Lehre in schlechten Gebuden oder schlechte Lehre in neuen Gebuden. Keine schne Wahl. Na ja, noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Vielleicht findet Hessen ja doch eine vertrgliche Lsung. Schn wrs. Aber noch ist der Kampf nicht ausgestanden. SPD, Grne und Linke haben zwar eines ihrer Wahlversprechen gehalten (und sind darauf stolz wie Oskar), doch jetzt sind sie auch in der Pflicht, die daraus resultierenden Finanzprobleme nicht auf die Schultern der Hochschulen abzuwlzen. Also mssen sie sich nun gegen Karlheinz Weimar durchsetzen. Der ist zurzeit Finanzminister in Hessen. Und in der CDU. Und schon seit Monaten skeptisch, wenn es um die Refinanzierungsmodelle der Opposition geht. Das kann noch heiter werden

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