Es ist Dienstag Abend, der 3. Juni, und es tummeln sich auffllig viele Leute im Speisesaal der Bonner Nasse-Mensa. Anlass ist das ZEIT-Campus-Gesprch mit Ex-Tagesthemenmoderator und Autor Ulrich Wickert. Nach einer mit Werbung fr das eigene Studentenwerk gespickten Ansprache von Geschftsfhrer Manfred Losen erhlt ein sichtlich berraschter Ulrich Wickert und sein Gesprchspartner, ZEIT-Campus-Redakteur Philipp Schwenke, das Mensa-Tagesgericht Nr. 2: Rindergulasch mit Salat. Whrend Schwenke Wickerts Kurzvita prsentiert, langt dieser erstmal herzhaft zu.

Zum Einstieg erzhlt Wickert von seinem aktuellen Projekt, seinem mittlerweile dritten Krimi. Man sieht ihm frmlich an, wie er dieses neue "Handwerk" des Schreibens statt des Sprechens geniet, da er immer wieder mit vor Bewunderung glitzernden Augen von seinen Vorbildern und James Bond schwrmt. Zuviel mchte er jedoch nicht ber sein neuestes Werk verraten, um keine potenziellen Leser zu verrgern.Daher kommt er schnell auf seine beeindruckende Karriere zu sprechen und erzhlt sehr offen ber seine journalistischen Anfnge im zarten Alter von 14 Jahren, ber seine Sockenauswahl (am heutigen Abend trgt Mann pink), aber auch ber Tricks, Tipps und Erfahrungen whrend seiner Zeit als ARD-Nachrichtenmann.

Die obligatorische Befragung zu seiner Studienzeit lsst in Wickert eindeutig den frheren 68er aufblitzen. Ungeschnt spricht er ber seine ersten drei Semester, die er "hauptschlich im Schwimmbad" verbracht habe. Die groe Wende in ihm bescherte ihm sein einjhriger Studienaufenthalt in den USA. Geprgt durch das groe soziale und politische Engagement der Amerikaner kehrte er, so betont er, gelutert nach Deutschland zurck und lie sich mit dem Slogan "Besseres Mensa-Essen" ins Studentenparlament whlen. Er berichtet von seiner Ttigkeit als Vorsitzender der Humanistischen Studentenunion, seiner Beteiligung an Demonstrationen, daraus folgenden Polizeikonfrontationen und vom Zustandekommen seines legendren Fotos mit Rudi Dutschke. Fast stolz erwhnt er ein Gesuch des damaligen Universittssenats, in dem abgestimmt werden sollte, ob Ulrich Wickert fr die Universitt Bonn noch tragbar sei oder nicht. All das erzhlt er mit voller berzeugung und klingt fast ein wenig melancholisch, so dass niemand auch nur eine Sekunde daran zweifelt, dass er genau das gleiche jederzeit wieder tun wrde. Sofern dies heutzutage noch mglich wre. Denn obschon Wickert keineswegs die Visionen und Aktivitten der 68er unreflektiert idealisiert, kritisiert er doch die Entpolitisierung der heutigen Studierenden.

Natrlich spricht ZEIT-Redakteur Schwenke auch Wickerts Drogenbeichte von 2001 an. Seine Erwiederung "Ich habe einmal Hasch im Tee getrunken, weil ich ja nicht rauche!" kommt dabei beim Publikum gut an. Wickerts Vorstellungsgesprch beim WDR am darauf folgenden Tag scheint sein Ausrutscher keinen Abbruch getan zu haben, denn nach Kurzzeit-Jobs als Feature-Texter bei Hessischen Rundfunk und beim WDR begann so seine Karriere als Fernsehjournalist.

Am Ende des Gesprchs steht Ulrich Wickert natrlich auch noch dem Publikum Rede und Antwort. Auf die Nachfrage nach seinen ersten journalistischen Erfahrungen mit hochrangigen Persnlichkeiten erinnert sich Wickert an zu "Ekelpaket" Edward Teller und weiteren Fauxpas. Mit einer Pointe gegenber Altkanzler Schmidt, der whrend eines Interviews Tabak schnupfte und sich dann die Frage "Schnupfen Sie nur oder spritzen Sie auch?" gefallen lassen musste, erntet Wickert weitere Sympathiepunkte. Zu den Kriterien fr serisen Journalismus, die einer der anwesenden Wickerts in spe vom Meister erlernen wollte, konnte dieser keine allgemeingltige Antwort geben. Stattdessen entschliet er sich fr den aufklrenden Charakter von Journalismus. Da die Unterhaltung dabei natrlich nicht zu kurz kommen drfe, soll diese das Transportmittel fr die Aufklrung darstellen.

Nicht ganz berraschend interessieren sich die Anwesenden auch fr Wickerts Einstellung zur Einfhrung der Studiengebhren. Wickert begrndet seine Befrwortung derselben mit dem Argument, dass es sinnvoller sei, kostenlose Kindergrten einzurichten statt die Studiengebhren wieder abzuschaffen immerhin habe er whrend seiner Studienzeit auch nur 250 Mark monatlich von seinen Eltern bekommen und daher einen Nebenjob gehabt.

Abschlieend lie es sich ZEIT-Redakteur Schwenke nicht nehmen, Wickert das Schlusswort zu berlassen, der dann das Gesprch charismatisch mit seiner Tagesthemen-Paradeverabschiedung schliet: "Ich wnsche Ihnen einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht."

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