Uni-Veranstaltungen knnen gefhrlich sein. Der Dozent kann einen vom Reden oder Schlafen abhalten (in einigen Fllen sogar vom Lernen) und ein gelangweilter Kommilitone einen mit kleinen Papierkgelchen bewerfen. Damit muss Schluss sein, fordert die "Students for Concealed Carry on Campus" (SCCC) in den USA. So ein Verhalten kann jeden mal zur Weisglut treiben, und damit man seine Wut gleich auch ordentlich demonstrieren kann, fordert die Organisation das Recht ein, in den Hrslen Waffen tragen zu drfen. Immerhin muss man sich ja gegen Angriffe schtzen knnen.

Spa beiseite der Grund fr die Forderung der SCCC ist die gestiegene Zahl an Amoklufern an Hochschulen in den letzten Jahren. Vor allem in den USA haben bewaffnete junge Menschen immer wieder Tod und Verwstung hinterlassen. Mit eigenen Waffen, so die SCCC, knne man diese Amoklufer frhzeitig ausschalten. Evening the Odds nennt Sprecher Scott Lewis dies. Immerhin gehe es nicht darum, jeden Studenten zu bewaffnen, sondern nur jenen auch auf dem Campus das Tragen von Waffen zu erlauben, die schon einen gltigen Waffenschein haben. Denn die drfen ihre Automatik schlielich auch in Supermrkten, Kinos und Kirchen bei sich behalten.

Amoklauf leicht gemacht und die SCCC hat enormen Zulauf. Anscheinend haben die legendren exzessiven Partys in den Verbindungshusern endgltig ihre Schuldigkeit erfllt und das letzte bisschen Bedachtsamkeit aus den Gehirnen der Anhnger verbannt. Sonst wre diesen schon lngst aufgefallen, dass es letztlich keine Kontrollmglichkeit gibt, wer berhaupt eine Waffe mit sich herumfhren darf, auer mittels einer Ausweiskontrolle am Eingang zum Campus. Und selbst wenn einige Bundesstaaten haben schlichtweg lachhafte Regelungen. In Arizona gengen acht Trainingsstunden, ein Fingerabdruck und 60 Dollar fr das Recht, eine Waffe zu tragen. Das schafft ja jeder, der es drauf anlegt, ob Hitzkopf oder nicht.

Ich versuche es mir gerade vorzustellen: ein Dozent rgt einen seiner Studenten, der zieht aus Wut eine Waffe, alle anderen fhlen sich entweder bedroht oder folgen dem Gruppenzwang und ziehen nach, und im besten Fall sieht das ganze wie eine Szene aus einem Mafia-Film aus. Im schlimmsten Fall entsteht Panik und damit ein Blutbad. Zugegeben, das muss nicht unbedingt an der Uni passieren sondern wre auch in einem Einkaufszentrum denkbar. Aber muss man es denn unbedingt drauf anlegen?

Aber warum nun dennoch diese Forderungen? Die SCCC-Sympathisanten fhlen sich bedroht, so einfach ist das. Sie vertrauen nicht auf den Staat, sondern lieber auf sich selbst. Einsame Cowboys mit einem Pferd unterm Hintern und einer Knarre in der Hand. So wie Prsident Bush, der mit einer hnlichen Einstellung schon mehr als genug Unheil angerichtet hat. Setzt die SCCC ihre Plne durch, knnte es bald an den amerikanischen Hochschulen nur so von Mini-Bushs wimmeln, mit dem Finger auf einer Mini-Atombombe. Sicher, es mag dann auch genug bewaffnete Clintons und Obamas geben, die den bsen Bush-Bullies auf die Finger klopfen, bevor diese den Knopf fr den groen Bums drcken, und vielleicht knnen sie auch den ein oder anderen Amoklufer auf diese Weise stoppen. Doch auf der anderen Seite kann die ganze Situation ein Pulverfass sein, und ein einziger Funke knnte gengen.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich nicht in den USA studiere. Zwar sind die Lehrbedingungen in der Regel deutlich besser als hier in Deutschland, wo ein Hauptseminar mindestens 60 Leute umfasst, aber lieber sitze ich in einem Raum voller halb schlafender Studenten als in einem mit 15 Waffentrgern, die vielleicht bei der kleinsten Gelegenheit ihre Aggressionen ausleben wollen. Einer reicht da schon, um eine Krise auszulsen. Mir wrde wohl nichts anderes brig bleiben, als mich in mglichst viel Kevlar zu hllen. So aber reicht ein ausreichender Papiervorrat als Gegenmanahme. Wenn jetzt noch mal einer mit Papierkgelchen auf mich schiet, dann schie ich zurck. Klingt kindisch aber dafr unblutig.

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