Niemand ist angstfrei. Vor einer Prfung oder einem Zahnarztbesuch bleiben die wenigsten Menschen ruhig, und obwohl die Reaktionen verschieden sind, berkommt doch jeden dann und wann ein mulmiges Gefhl. Bei einigen Menschen bleibt es aber nicht nur dabei. Alltgliches wie etwa Einkaufen, das Wahrnehmen einer Spinne im Zimmer oder der Aufbau neuer Bekanntschaften werden zur Tortur. Schwindel, Schwei, Herzrasen, belkeit und andere Symptome lhmen den Krper und lassen den Mensch nicht mehr richtig funktionieren.

Ist es fr Angstpatienten schon schwer genug, den Alltag zu bewltigen, haben Bonner Mediziner nun eine weitere Zahl herausgefunden, die ihren Patienten Kopfzerbrechen bereiten kann: Menschen mit einer ausgeprgten Angststrung haben ein bis zu viermal greres Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben. Denn Angst und Panik knnen das Blut zum Gerinnen bringen und erhhen so das Risiko einer schweren Krankheit.

Auch schon in frheren Studien beobachteten Wissenschaftler, dass Stress die Gerinnung beeinflussen kann. In der Bonner Untersuchung haben sie aber zum ersten Mal die Werte von Angstpatienten analysiert. Um ein mglichst genaues Ergebnis zu bekommen, whlte das Team von Dr. Franziska Geisler fr jeden Angstpatienten eine entsprechend gesunde Person mit gleichen Grundvorrausetzungen aus. Dann verglich es zwei Blutabnahmen, eine vor und eine nach einigen Testaufgaben am Computer. Das Ergebnis: Die Blutgerinnung von Angstpatienten war strker als die der Gesunden.

Das Gerinnungssystem ist eigentlich ein Schutzmechanismus des Krpers. In bestimmten Situationen, zum Beispiel bei einem Schnitt, verdickt sich das Blut und lsst einen Pfropfen entstehen, der die Verletzung abdichten kann. Die neue Studie zeigt nun, dass bei den Angstpatienten die Testaufgaben dazu gefhrt haben, dass sich das Blut verdickte, obwohl keine Verletzung vorlag. Gleichzeitig hemmte der Krper die Verflssigung, die den Blutpfropfen nach Beendigung seiner Aufgabe wieder auflsen soll. Im schlimmsten Fall kann so ein entstehender Pfropfen die Arterien am Herzen verstopfen, was wiederum einen Infarkt als Folge haben kann.

Dennoch muss sich nicht jeder Mensch, der unter einer Phobie leidet, Sorgen ber einen Herzinfarkt machen. Eine Gefahr stellt das strker aktivierte Gerinnungssystem erst dann dar, wenn Betroffene durch zustzliche Risikofaktoren belastet sind. Darunter fallen unter anderem Rauchen und bergewicht. Aber selbst wenn alle Risikofaktoren auf jemanden zutreffen, kann eine erfolgreiche Therapie der Angststrung die verstrkte Blutgerinnung wieder auf normale Werte bringen. Eine derartige Behandlung sollten natrlich alle an ngsten Leidenden in Betracht ziehen. Denn auch ohne erhhte Krankheitsrisiken mag es wohl niemand, wenn das Blut in den Adern gefriert.

Artikel drucken