Der vom Land Nordrhein-Westfalen aufgestellte Globalhaushalt zeigt erste negative Wirkung; Mit Volkskunde ist ein beliebtes Studienfach an der Universitt Bonn konkret in seiner Existenz gefhrdet. Die Krzungen der Finanzmittel wird von der Bonner Universittsleitung zu einem beachtlichen Teil auf die Philosophische Fakultt abgewlzt. Das Institut fr Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, zu dem auch die Volkskunde gehrt, muss insgesamt vier Stellen streichen. Auf der internen Vorschlagsliste, mit dem die Fakultt quasi den Auftrag bekommen hat, sich selbst zu kannibalisieren, steht auch der Lehrstuhl Volkskunde als Streichungsvorschlag. Bei einer ohnehin recht dnnen Personaldecke ist jeder Verlust einer Stelle schmerzlich. Hier ist die Situation aber in einer ganz anderen Weise dramatisch, da mit diesem Wegfall der einzige Lehrstuhl des Faches verschwinden wrde.

Die Krzung trifft besonders die Bachelor-Studenten. Das Profil Volkskunde erfreut sich groer Resonanz, erklrte Tom Oelschlger, Vertreter der Bachlorstudierenden. Viele haben in Bonn das Studium in der Hoffnung begonnen, spter mit einem Volkskunde-Master abzuschlieen. Die Studierenden fhlen sich nun betrogen. Die Magisterstudierenden knnen unter erschwerten Bedingungen mit einem Mini-Angebot an Seminaren und Vorlesungen noch zu Ende studieren. Sptestens 2011 ist aber auch fr sie Schluss.

Der Lehrstuhl ist bereits seit dem Wintersemester 2000/2001 vakant und wird seitdem durch Privatdozent Dr. Gunther Hirschfelder vertreten, der zusammen mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin und einer wissenschaftlichen Hilfskraft ein komplettes Studienangebot bietet. Durch eine hohe Praxisorientierung haben unsere Absolventen sehr hohe Chancen auf dem Arbeitsmarkt, erklrt Gunther Hirschfelder; zudem sei die Volkskunde im deutschsprachigen Raum seit einigen Jahren ein regelrechtes Boomfach. In Bonn sei die Volkskunde traditionell stark nachgefragt und habe sich auch als Modul Kulturanthropologie im neuen Bachelorstudiengang wachsender Beliebtheit erfreut. In einer Zeit, in der Universitten entdecken, dass zahlende Studierende ja auch Kunden sind, die ein Produkt nachfragen, haben viele Hochschulen mit dem Ausbau der Volkskunde auf die wachsende Nachfrage reagiert, womit durch Studiengebhren die Unis ja auch Geld einnehmen knnen, meint Hirschfelder. Somit scheint es schon betriebswirtschaftlich mehr als fraglich, ob sich die Universitt mit einer Einfrierung des Faches Volkskunde einen Gefallen tun wrde.

Zudem scheint die Volkskunde alle Anforderungen zu erfllen, die heute an ein Studium gestellt werden: Praxisnhe, eine hohe Qualitt der Lehre und einen starken gesellschaftlichen Bezug. Die Volkskunde in Bonn ist abgesehen von Mnster die einzige Universitt in Nordrhein-Westfalen mit einem solchen Fachangebot und in einer Kulturlandschaft wie dem Rheinland mit seinen zahlreichen Museen kaum wegzudenken. Wie praxisnah die in mancher Wahrnehmung etwas angestaubte Wissenschaft sein kann, stellt sie zum Beispiel regelmig als Ansprechpartner fr Journalisten unter Beweis; denn auf manche so einfach scheinende Frage knnen nur Volkskundler Antwort geben: Was hat der Osterhase mit Ostern zutun? Warum ist Halloween in Deutschland populr geworden? Welche Ursprnge hat der rheinische Karneval? Zudem hat die Volkskunde in Bonn als Standort des Atlas der deutschen Volkskunde (ADV) auch eine lange Tradition in klassischen Forschungsbereichen.

Um auf die Situation des Fachs aufmerksam zu machen, haben die Studierenden eine Homepage eingerichtet und mit viel Liebe ein Video (siehe unten) zur Erklrung der schwierigen Situation gedreht. Auf www.rettet-die-volkskunde.de kann eine Petition heruntergeladen und zur Untersttzung an die Entscheidungstrger der Universitt Bonn geschickt werden. Bislang haben sich neben zahlreichen Bonner Studierenden auch Volkskundler und Ethnologen weltweit, unter anderem aus Los Angeles, Brasilien und Gteborg, fr die Erhaltung des Bonner Instituts eingesetzt. So sind bislang rund 800 Petitionen zum Erhalt des Faches zusammengekommen mit stark steigender Tendenz.

Am 7. Mai 2008 entscheidet der Rat der Philosophischen Fakultt ber die Besetzung der Volkskunde-Professur und damit ber die Zukunft des Instituts. Die Studierenden wollen da sein, um sich fr ihr Fach einzusetzen.


Video der Fachschaft zum Erhalt der Volkskunde in Bonn


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