Groes Erschrecken ber Die Entwicklung der Studienabbruchquote an den deutschen Hochschulen: als im Februar diesen Jahres das HIS (Hochschul-Informations-System) seine neueste Studie verffentlichte und mit drastischen Zahlen aufwartete, strzten sich die Medien mit Begeisterung darauf. Die Abbruchquote in den neuen Bachelorstudiengngen fiel unerwartet hoch aus und auch an den Fachhochschulen brachen etwa in den ingenieurwissenschaftlichen Fchern weitaus mehr Studenten ab als zuvor. Eine vermeintliche Schreckensmeldung, die mit Bedenken auf das gerade gestartete Semester blicken lsst. Doch was steckt hinter dem Projektbericht?

Bei der Studie wurden einem bzw. mehreren Absolventen- alle relevanten Studienanfngerjahrgnge gegenbergestellt. Dabei werden Studiengang-, Fach- und Hochschulwechsel nicht als Abbruch gezhlt. Bei den Bachelorstudiengngen, die die Initiatoren der Studie gesondert betrachteten, waren etwa die Studienanfnger aus den Jahren 2000 bis 2004 relevant.

Laut der letzten HIS-Studie lag die Quote der Abbrche bei den Studienanfngern von 1997 bis 1999 an den Universitten noch bei 22% und an den Fachhochschulen bei 17%. Whrend sich in der aktuellen Studie die Verhltnisse an den Unis etwas verbesserten (20% Abbrecherquote), mussten die FHs im gleichen Zeitraum einen deutlichen Zuwachs hinnehmen (22% Abbrecherquote). Die Verfasser der Studie begrnden dies insbesondere in den Ingenieurwissenschaften mit der Einfhrung der Bachelor-Studiengnge. Mit der Umstellung auf Bachelor-Studiengnge und der damit einhergehenden Reduzierung der Studienzeit scheint es weniger zu einer Entschlackung des Studiums als zu einer Verdichtung gekommen zu sein, vermuten sie. Das wre an sich schon bedenklich, aber der grte Schock kam bei der Gesamtbetrachtung der BA-Studiengnge: Von den Studienanfngern aus den Jahren 2000 bis 2004 haben 30% der Bachelor-Studenten ihr Studium ohne Abschluss abgebrochen. Schuld seien dabei aber Umsetzungsprobleme, so der Tenor der Studie. Eine Aussage, die der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) in seiner kontinuierlichen Kritik an den BA-Studiengngen sofort aufgriff. "Prfungsdichte und unflexible Studienorganisation sind die grten Probleme der Studierenden. Die Bachelorstudiengnge sind voll von Anwesenheitspflicht und vielerorts vllig verschult" kommentierte FZS-Vorstandsmitglied Regina Weber die Situation.

Doch wen betreffen die Ergebnisse denn nun? Mssen wir befrchten, dass an allen Hochschulen immer mehr Studenten ohne Examen aufhren, weil die Bedingungen durch die verkrzte Studiendauer und den fast gleich bleibenden Stoffumfang zu hart geworden sind, oder gibt es regionale Unterschiede? Vor allem aber: wo muss auf welche Weise nachgebessert werden? Darauf gibt die Studie keine konkrete Antwort. Sie prsentiert keine Zahlen von den einzelnen Hochschulen, so dass die Frage aufkommt, mit welchen Daten das HIS berhaupt gearbeitet hat. Mit Informationen aus dem Rheinland sicherlich nicht. Auf Nachfrage von campus-web teilte Frank Luerweg, stellvertretender Pressesprecher der Universitt Bonn, mit, dass es vor allem in Hinsicht auf die Bachelor-Studiengnge noch keine verwertbaren Daten gebe. Zudem wissen wir ja gar nicht, aus welchen Grnden die einzelnen Studenten abbrechen. An der RWTH Aachen bot sich ein hnliches Bild: Lucia Vennarini vom Planungsdezernat der Hochschule erklrte, dass Abbrecherzahlen zu den Bachelor-Studiengngen noch nicht vorliegen knnten, da ihre Einfhrung eben erst abgeschlossen worden sei und die ersten Absolventen noch erwartet wrden.

Tatsache ist, dass man die Ergebnisse der HIS-Studie nur mit groer Vorsicht interpretieren sollte, denn wie Frank Luerweg schon sagte, kennt man die Beweggrnde der einzelnen Studienabbrecher nicht. Immerhin ist es mglich, dass jemand nur wegen des PNV-Tickets einen Studentenausweis besa oder das Studium abbrach, weil er schon jetzt voll in den Beruf einsteigen kann. Auerdem muss man sich fragen, wie aussagekrftig ein Bericht ber die Abbruchquote bei den Bachelor-Studenten momentan sein kann, wenn einige Universitten selbst noch keine verlsslichen Zahlen hierzu erheben knnen. Grundstzlich sollte aber eine erhhte Abbruchquote nicht berraschen, denn die Bedingungen sind durch vollere Stundenplne und die Notwendigkeit, neben dem Studium her zu Geld zu verdienen, sicher nicht leichter geworden.

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