Geprgt von Musik und dem "Spiel" der beiden Capoeiristas vereint diese Sportart Akrobatik, Kampfsport, Rhythmik, Reaktionsfhigkeit, Improvisation und Kreativitt. Im Hochschulsportangebot der Universitt Bonn ist Capoeira deswegen schon seit Jahren eine feste Gre. Faszination ben dabei vor allem die Freiheit und die Variationsfhigkeit des nonverbalen Gesprchs aus. Kein Kampf gleicht dem anderen und die oberste Regel heit "Es gibt keine Regeln". Ausnahmen gibt es aber dennoch: Gewohnheiten und Ablufe haben sich im Laufe der Zeit etabliert und bilden den losen Katalog von Vorschriften, dem die Capoeiristas verpflichtet sind und der den idealen Kampf beschreibt. So sollte man niemals versuchen, einen Mitstreiter zu verletzen, den Gegenber immer im Auge zu behalten und keinen Kampf ohne Musik zu beginnen.

Musik gibt es beim Bonner Hochschulsport genug: Brasilianische Klnge schwirren durch den Raum, wenn Carlos Brito dos Santos mit seinem anderthalbstndigen Kurs beginnt. Wie bei jeder Sportart gilt: Aufwrmen ist das A und O. Lockerungsbungen und leichtes Stretching bringen den Krper auf Hochtouren und bereiten ihn auf das anschlieende Kampfprogramm vor. Der Schwerpunkt liegt beim Erlernen spezieller Techniken und Figuren. Zwar gibt es im Kurs auch Zweikmpfe am Ende des Unterrichts, doch fallen diese eher kurz aus, denn ohne gezielte Taktik und bewusstem Einsatz von Bewegungen ist dies auf Dauer nicht erfllend. Daher staffelt dos Santos seine Kurse im Laufe des Semesters, dosiert das Ma an Lernstoff und auspowerndem Zweikampf. Die Mischung scheint aufzugehen: Capoeira erfreut sich an der Uni Bonn groer Beliebtheit.

Grundstzlich ist es wichtig, immer in Bewegung zu bleiben. Nicht umsonst hnelt der Grundschritt des Capoeira dem wachsamen Hin-und-Her-Hpfen der Boxer vor dem ersten Schlag. Tuschung und Hinterlistigkeit stehen allerdings im Vordergrund: Vorzugeben, etwas zu tun und dann in eine ganz andere Bewegung zu verfallen, steht auf der Tagesordnung. Emotionale und psychische Verletzungen sind erlaubt. Capoeira, so merkt man schnell, spielt sich sehr auf der mentalen Ebene ab. Ob der Dialog der zwei Capoeristas freundlich oder aggressiv verluft, bestimmen diese selber. Ebenso unterliegt ihnen die Entscheidung ber die Lnge des Kampfes. Doch das Gesprch beziehungsweise der Kampf gehrt den beiden Kontrahenten nicht alleine. Umstehende Capoeiristas knnen sich durchaus einmischen: Durch das Heben der Hand zwischen die agierenden Tnzer lsen sich die Kmpfer ab, ein neuer Dialog beginnt.

Capoeira Regional
Manuel dos Reis Machado, auch "Mestre Bimba" genannt, war brasilianischer Capoeirista und Begrnder der "Capoeira Regional". Seine Regeln legten den Grundstein fr das heutige Capoeira. Diese beschrnkten sich jedoch zunchst auf das berleben in gefhrlicher Umgebung und gaben einen Leitfaden fr grundstzliche Verhaltensweisen. "In geschlossenen, fremden Rumen stets mit einem offenen und einem geschlossenen Auge zu schlafen" klingt daher etwas komisch als Anleitung fr einen gelungenen Kampf, doch im Spiel wird die bertragung dieser Regel deutlich: Immer neue Situation, neue Kmpfer, neue Gefhlslagen. Auf der Hut sein heit die Devise, dem Krper allerdings gleichzeitig kurze Entspannungsphasen bieten, um stndig fit zu bleiben und auf die Aktionen des Gegenbers vorbereitet zu sein. So stellte Machado auch nchtern fest: "Es ist besser, sich in der Roda zu schlagen als auf der Strae". Er verstand Capoeira somit als einen Weg zum Aggressionsabbau sowie der nonverbalen Kommunikation zwischen zwei Menschen, mal zornig und wtend, mal freundlich.
Die Kmpfe werden ausschlielich in der "Roda" (portugiesisch fr "Kreis") ausgetragen. Dabei bilden alle Capoeristas sowie eine Gruppe von Musikern das Umfeld, jeweils zwei kmpfende Capoeristas treffen sich in der Mitte der Roda. Zuvor geben sie sich die Hand und gelangen normalerweise mit einem Radschlag in die Mitte des Kreises. Dann beginnt das Spiel: Die Musiker geben den Rhythmus vor, die Capoeristas "unterhalten" sich in einem Wechsel von offensiven und defensiven Bewegungen. Beim Unisportkurs, den Anderson Carlos Brito dos Santos leitet, kommt die Musik zwar vom Band, der Effekt wird dadurch allerdings keineswegs gemindert. Konzentration und Hochspannung liegen in der Luft, aber Spa macht es trotzdem, so anstrengend der Kampftanz auch ist. Eine bessere Schulung fr Konzentration und Ausdauer gibt es kaum, zum Auspowern und Stressabbau ist Capoeira ebenfalls bestens geeignet.

In den Kursen des Hochschulsports finden sich sowohl Frauen als auch Mnner, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Allerdings sollte man ein gewisses Balance-Gefhl besitzen, denn Sprnge und kurze Bewegungen auf einem Bein kommen im Capoeira hufiger vor. So kommt man bei dos Santos gehrig ins Schwitzen, ein Cool-Down am Ende des Unterrichts ist daher unerlsslich. Den Puls wieder auf Normalstandard bringen, Verschnaufen, den Tunnelblick aufgeben und zufrieden in den groen Wandspiegel blicken.

Das aktuelle Programm fr das Sommersemester 2008 sowie weitere Informationen gibt es unter www.sport.uni-bonn.de. Die Kursgebhr betrgt 15 Euro fr das Semester, eine Online-Buchung ist ber die Homepage des Hochschulsports mglich.

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