"Abschreiben gilt nicht!" Getreu diesem Leitsatz ermahnen Dozenten in jedem Semester ihre Studenten daran, nicht einfach Teile aus wissenschaftlichen Arbeiten zu kopieren und diese als Eigenleistung zu verkaufen. Dennoch kommen immer wieder Flle ans Licht, in denen sich ein Akademiker nicht zurckhalten kann und ausgiebig plagiiert. So jetzt in Bonn geschehen - nur dass es dort ein Professor war, der die Arbeit einer Studentin ber den russischen Schriftsteller Daniil Charms als seine eigene ausgab und sie fr eine Festschrift benutzte. Wie Dr. Andreas Archut, Pressesprecher der Uni Bonn, erklrte, htte der Slavistik-Professor lediglich ein paar Abstze umgestellt und einige einleitende Stze hinzugefgt. Eines Fehlverhaltens sei sich der Dozent in einer Anhrung nicht bewusst gewesen. "Er war der Meinung, dass die Ergebnisse der Arbeit in seinem Seminar erarbeitet worden wren und sie damit letztlich sein geistiges Eigentum seien", so Archut.

Die Universitt Bonn reagierte umgehend. Whrend andere Hochschulen in hnlichen Fllen oft nur eine rechtlich folgenlose "Missbilligung" aussprachen, entzog das Rektorat in Bonn dem Dozenten dauerhaft das Prfungsrecht. Auerdem setzte es ihn als Geschftsfhrer im Institut ab und fror die freien Mittel ein, die einem Professor fr wissenschaftliche Hilfskrfte und Mitarbeiter, Ausleihen, Dienstreisen und dergleichen von Amtswegen her zustehen. Seiner Lehrttigkeit muss der Dozent aber weiterhin nachgehen, auch wenn er die Semesterprfungen, die durch das Bachelor-Master-Studium Bestandteil einer jeden Veranstaltung sind, nicht mehr selbst durchfhren darf. Andreas Archut versicherte jedoch, dass es fr die Studenten zu keinen Einschrnkungen komme: "Die Fakultt wird sicherstellen, dass alle ntigen Prfungen auf anderem Wege durchgefhrt werden. Wir wollen ja nicht die Studenten bestrafen, die nichts falsch gemacht haben."

Die strenge Reaktion der Universittsleitung sorgt selbst im Bonner AStA fr Zustimmung. Ob es sich jedoch um eine gute Entscheidung halte, den Professor weiter Vorlesungen halten zu lassen, zweifelt Christopher Paesen, Vorsitzender des Studenten-Ausschusses, allerdings an: "Eine Neubesetzung der Stelle wre sicher der beste Weg. Wir halten es fr schwierig, wenn Studierende weiterhin im wissenschaftlichen Diskurs mit Professoren treten, denen ein Palgiat nachgewiesen wurde. Dafr fehlt dann fr Studierende das Vertrauensverhltnis, als angehende Wissenschaftler ernst genommen zu werden." Doch so einfach geht das nicht. Eine Neubesetzung bruchte Zeit - und zuerst msste der fragliche Dozent gehen. Eine Entlassung aus dem Beamtenverhltnis wre wohl kaum durchsetzbar, so Prorektor Wolfgang Lwer, Professor fr Wissenschaftsrecht, gegenber Spiegel Online. Zumal der Plagiator in drei Jahren pensioniert wird.

Falls der Dozent also nicht freiwillig geht, wird die Uni noch eine andere Lsung finden mssen. Denn alle Prfungen in der Slavistik von Fremdprfern durchfhren zu lassen, ist sicherlich keine optimale Manahme. Das eingeleitete Disziplinarverfahren drfte aber noch einige Jahre andauern, so dass auf diesem Wege auch keine Entscheidung zu erwarten ist. Aber vielleicht nimmt der Professor ja doch seinen Hut und erspart sich damit sowohl das Disziplinarverfahren als auch die Missachtung seiner Kollegen. Denn die ist sicherlich die grte Strafe.

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