Geht nicht gibts nicht! Ob Journalismus, BWL, Kommunikationsdesign, eine Ausbildung bei Aldi oder Douglas: kein Programmpunkt oder Studiengang war den Rechnern des Info Points der diesjhrigen EINSTIEG Abi Messe in Kln unbekannt. Und so spuckten sie im Akkord ellenlange Listen aus, die die Jugendlichen, Eltern und Lehrer ber die spezifischen Angebote informierten. Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert.

Auf einem groen selbst gebastelten Plakat streichen die Schler des Amos-Comenius-Gymnasiums die Tage ab, die ihnen in der Schule noch verbleiben. Viele sind es nicht mehr. So wie ihnen geht es momentan dem Groteil der Abiturienten in Deutschland. Die Frage, was nach bestandenem Abitur folgen soll, wird fr manche zu einem unbequemen Zusatzproblem. Da hilft nur eins: Der Sprung ins kalte Wasser. Mitten rein in die Menschenmasse, die sich in am Freitag und Samstag ber das Klner Messegelnde wlzte, auf dem sich die verschiedenen Aussteller prsentierten. Mit den unterschiedlichsten Strategien warben sie um Deutschlands zuknftige Hoffnungstrger.

Sowohl fr die Traumjob-Suchenden als auch fr die Bietenden war die Auswahl gro. Rund 27 000 junge Menschen nutzten das Angebot, um sich bei zahlreichen Vortrgen, Talkrunden und Workshops fit fr die Zukunft zu machen. Um ihnen die Qual der Wahl etwas zu erleichtern, begleiteten zahlreiche Experten das Geschehen, die Auskunft ber Karrierechancen und die neusten Entwicklungen an den Universitten gaben. Ganz weit vorne an der Front kmpften die Mitarbeiter Aldis. Mit netten Ttchen voller Informationen und kleiner Prsente nahmen sie die Ankmmlinge in Empfang, um ihnen dann den Blick auf ihre Hochburg mitten im Zentrum der Messe zu gewhren. Von Kistenschleppen und an der Kasse sitzen war dort wenig zu spren, wobei Abkassieren wohl dennoch im weitesten Sinne das richtige Wort ist. Laut dem Fachpersonal winken im Anschluss an ein duales Studium im Management -und Wirtschaftsbereich sofort Fhrungspositionen im Aldi-Konzern, die auf der praxisorientierten Ausbildung aufbauen.
Nebenan tummeln sich Unternehmen wie Douglas und Christ, nicht weit von den auslndischen Hochschulen. Und alle haben sie das Erfolgsprinzip offensichtlich gut verstanden: Der Kunde, sprich der Abiturient, ist Knig. Denn nur zufrieden ist er auch ein guter Kunde beziehungsweise Anwrter auf eine baldige Ausbildung. Diese wird ihm mit sen Dften, Freischminken, praktischen Utensilien und ganz viel energiereicher Verpflegung schmackhaft gemacht.

Aber denjenigen, die noch gar nicht wissen, in welche Richtung ihr Leben in der post-abituriellen Zeit gehen soll, wurde die Entscheidung trotz 343 toller Kulis nicht weiter erleichtert. Die Gmnder Ersatzkasse packte daher eben dieses Problem an seinen Wurzeln und ermittelte aufgrund einer Handschrift-Analyse die individuellen Eigenschaften und Qualifikationen eines jeden Interessenten. Knstlerisch kreativ. Spricht fr eine Orientierung in Richtung Kunst, Musik und Schauspiel. Zuverlssig in der Liebe. Und nun? Hat ein Bewerber bessere Chancen seinen Traujob zu finden, wenn er seit Sandkastenalter mit seiner Kindergartenliebe zusammen ist? Wer sich nicht auf derartige Spekulationen einlassen wollte, der ging lieber auf Nummer sicher und meldete sich im Beratungscenter, wo er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen konnte.

Weiter ging es durch den Ausstellerdschungel. Vorbei an der Dresdner Bank, der Deutschen Bank und Siemens. Und whrend sich die Schler bei den Banken knubbelten, herrschte bei Siemens zeitweilig ghnende Leere. Ein Phnomen, das vielleicht damit zusammenhing, dass die Attraktivitt eines Unternehmens an Wert verliert, wenn gerade wieder 1350 Stellen am Standort Deutschland abgebaut werden. Bei Siemens scheint man sich ber den Reiz einer sicheren Arbeitsstelle offensichtlich weniger Gedanken gemacht zu haben. Ganz anders ist das bei der Bahn. 90 Prozent der Absolventen eines dualen Studiengangs werden bernommen, erzhlte das Fachpersonal. Viel schner noch als diese beeindruckenden Zahlen war allerdings das wirklich einschlagende Argument eines Studenten der Deutschen Bahn, warum man ihr Studienangebot whlen sollte: Die Bahn kommt immer zu spt, ihr knnt daran etwas ndern. Recht hat er. An diesem Samstag brach die Bahnverbindung zwischen Bonn und Kln fr den gesamten Tag zusammen, was allerdings ausnahmsweise nicht am Unternehmen, sondern an Sturmtief Emma lag.

Natrlich prsentierten sich auch die deutschen Hochschulen wie Dortmund, Frankfurt, Kln, die Elite-Uni Aachen und viele andere auf der Messe. Die Auswahl an Studiengngen ist gigantisch, aber mit einigen gezielten Fragen konnte man sich ganz gut einen Weg durch das Sammelsurium an Fachrichtungen bahnen und sich einen berblick ber das Angebot der jeweiligen Uni schaffen. Nach der x-ten Runde ber das Messegelnde wurden dennoch langsam, trotz kulinarischer Hochgensse zwischen Mathematik und Germanistik, die Fe schlapp. Das Hirn brummte vor lauter Informationen und allmhlich wurde es unangenehm voll in dem groen Ausstellungsraum. Also Zeit nach Hause zu gehen. Was bleibt ist die Gewissheit, dass jede einzelne Stunde Sesamstrae der Kindertage sich gelohnt hat. Denn nur wer sich mit offenen Augen und viel Neugier auf die Suche machte hatte Aussicht auf Erfolg. Und wer nicht fragt, bleibt eben dumm.

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