berall ist von Schulreform und der Umstellung aller Studiengnge auf das Bachelor/Master-System die Rede. Die Bildungsreform in Deutschland ist in vollem Gange und dehnt sich inzwischen auf fast alle Studiengnge aus, darunter auch die Lehramtsstudiengnge. Wie wird die Ausbildung unserer zuknftigen Pdagogen aussehen?

Der Hauptkritikpunkt an der Lehrerausbildung ist schon lange die mangelnde praktische und pdagogische Seite des Studiums. Didaktische Fhigkeiten werden meist nur in der Theorie gelehrt - Schulpraxis knnen die Studierenden nur in den wenigen Wochen ihres Praktikums schnuppern, sagt Imke Bu vom Vorstand des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs) vor kurzem in einer Pressemitteilung und fordert: Es mssen gerade Praxisphasen frh und begleitend zur Theorie eingefhrt werden. Die Trennung von Praxis und Pdagogik (z.B. in Bachelor/Master) bringt viele Probleme mit sich. Absolventen wrden sich nach dem Studium im Referendariat oft ungengend vorbereitet und berfordert fhlen. Der Umgang mit Klassen von dreiig unterschiedlichsten Schlern werde im Studium erst sehr spt vermittelt, ein Fachwechsel sei dann nur noch sehr schwer mglich.

Referendare werden oft ins kalte Wasser geworfen. Eine Studie der Universitt Potsdam von 2007 beleuchtet diesen Aspekt genauer: Schon unter den Lehramtsstudenten finden sich viele, die den psychischen Anforderungen ihres zuknftigen Berufs nicht gewachsen sind. Rund 30 Prozent der angehenden Lehrer sind der Studie zufolge in der Kategorie S (Schonung) eingeordnet; charakteristisch dafr sei ein geringes Engagement. Die Reform kann hier eine Chance sein, da die Studierenden sich noch whrend des BA fr oder gegen den Beruf Lehrer entscheiden knnen und so die Mglichkeit haben, in die Fachwissenschaften zu wechseln. Hierzu muss natrlich die Durchlssigkeit zu anderen Studiengngen deutlich erhht werden. Beim Lehramt ist der erste berufsqualifizierende Abschluss klar der Master, so der fzs.

Viele Studenten versprechen sich von der Umstellung auf das Bachelor/Master-System mehr Praxisbezogenheit. Angehende Lehrmtler sollen nun bereits vor Aufnahme ihres Bachelorstudiums ein berufsbezogenes Praktikum nachweisen und innerhalb des Studiums dann weitere Pflichtpraktika absolvieren. Dafr wird aber der zweite Ausbildungsabschnitt, das Referendariat, von zwei auf ein Jahr gekrzt. Doch nicht jeder sieht diese Manahmen als perfekte Lsung an. Michael Schulte von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen (GEW-NRW) ist der Meinung, bei Diskussionen ber den Bologna-Prozess und seine Auswirkungen auf die Reform der Lehramtsstudiengnge bewege man sich auf sehr dnnem Eis. Denn bis jetzt gibt es keine einheitlichen, festen Regelungen zur konkreten Umsetzung. Die Chance auf mehr Praxisbezogenheit durch das BA/MA-System besteht grundstzlich zwar, aber die Krzung des Referendariats fhrt sicherlich nicht dazu, dass angehende Lehrer besser auf den beruflichen Alltag vorbereitet sind, so Schulte.

Zudem seien das schnellere Studieren und die internationale Vergleichbarkeit im Lehramtsstudium im Moment schlichtweg unmglich zu erreichen, da nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern bereits innerhalb einer Region Unterschiede an den Hochschulen bestehen, die einen Wechsel fast unmglich machen. Darber hinaus sei durch das frhzeitige Praktikum der Grundsatz anderer Bachelorstudiengnge, einen berblick ber verschiedene Fachgebiete zu vermitteln, um dann eines dieser Gebiete im Master zu vertiefen, weder im Sinne der angehenden Pdagogen, noch im Sinne der Schulen. Lehrer sollten nicht nur einen berblick in ihren Fchern bekommen, sondern gezielt studieren und ein mglichst komplettes theoretische Wissen in die berufliche Praxis mitnehmen, fordert Schulte.

Ein weiteres Problem der Lehrerausbildung sieht Schulte darin, dass an Hochschulen inhaltlich und strukturell wenig Fachdidaktik fr Lehramtsstudenten geboten wird: Pdagogische Hochschulen bekommen so Fakulttsstatus, es entstehen Zentren fr Lehrerbildung Eine Ausbildung aus einem Guss kann so nicht ermglicht werden meint er. Mangelnde finanzielle Mittel wrden hier ebenfalls eine groe Rolle spielen.

Sowohl der fzs als auch die GEW sprechen sich gegen Eignungstest fr Bachelor- und Masterstudiengnge aus. Imke Bu vom fzs meint: Das Ziel hinter diesen Tests wre voraussichtlich, die schlechten Lehrer von den guten zu unterscheiden und auszusieben. Doch es muss den Studierenden mglich sein, die Fhigkeiten und Kompetenzen, die man fr den Lehrberuf bentigt im Studium zu erwerben. Die Entscheidung fr oder gegen den Schuldienst mssen die Studierenden aufgrund ihrer Erfahrungen selbst treffen. Die Forderungen gehen ganz klar dahin, zunchst einmal zu diskutieren und zu definieren, welche Kompetenzen und Fhigkeiten ein Lehrer berhaupt braucht, um diese dann im Studium vermitteln zu knnen. Mehr Pdagogik und Schulpsychologie, verbunden mit frhzeitiger praktischer Erfahrung und dass, ohne die Theorie im Studium zu vernachlssigen das sind die Ziele die erreicht werden sollten. Dafr reicht eine Aufspaltung des bisherigen Studiums auf Bachelor und Master nicht aus. Eine strukturelle und vor allem inhaltliche Reform der Lehramtsstudiengnge wird dabei unumgnglich sein.

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