Sie liefen etwas planlos ber das Unigelnde. Meistens in kleinen Grppchen. Und man erkannte sie schnell: An unzhligen Zetteln, einem Kugelschreiber in der Hand und einem fragenden Blick. Hufigste Frage an den Bonner Hochschultagen: "Wo finde ich Hrsaal 17?" Tatschlich lieen Beschilderung und Information an den Bonner Hochschultagen etwas zu wnschen brig. Direkte Ansprechpartner gab es keine, kleine Zettel, fast wahllos an die Wnde geklebt, gaben nicht wirklich Aufschluss ber die Lage des zu findenden Hrsaals. Doch zum Glck laufen an der Uni Bonn ja auch in den Semesterferien ausreichend fleiige Studenten durch die Gnge, die die brenzlige Lage nur allzu gut kennen: "Sich hier zurecht zu finden ist am Anfang allerdings etwas schwierig", wird da gescherzt. Und die Erleichterung ist den verwirrten Abiturienten ins Gesicht geschrieben. Da ist man sich einig: "Die Studenten hier sind nett und helfen einem gerne weiter."

Erstmalig konnten sich angehende Studenten an fnf Tagen ein Bild ber die Uni Bonn und ihre Angebote machen. Meistens wurde neben einer umfassenden Einfhrung in den jeweiligen Studiengang eine Vorlesung zu einem prgnanten und typischen Thema gehalten. So fragten sich die Agrarwissenschaftler in spe wie aus Gras Milch wird, in der Romanistik wurde es mit franzsischen Chansons und Raimusik kulturell und die Psychologie hinterfragte kritisch, ob ihr Themenbereich sich tatschlich nur auf "die mit der Couch" bezieht. Doch das Interesse war rar gest. Dabei hatten sich die Veranstalter einiges einfallen lassen, gingen mit ihrem Angebot auch ber die Grenzen der Uni hinaus. So sollte es am Mittwoch eine Fhrung durch das Arithmeum geben, doch durch die Glaswand des Gebudes sah man nur ein paar einsame Gestalten in der Faszination der Zahlen und Formeln schwelgen. Publikumsmagnet waren hingegen wieder einmal die Geisteswissenschaften: In Anglistik und Germanistik wurden die Hrsle recht voll, auch die Medienwissenschaften erfreuten sich groem Zulauf. Die Begeisterung wurde jedoch teilweise schnell wieder gebremst: "Ich fhle mich von den Bonner Hochschultagen nicht sehr gut informiert", schildert Rima Tebourbi, 19 Jahre, ihre Erfahrungen. Sie kommt aus Bonn und hatte die naheliegende Uni deshalb als Studienplatz in Erwgung gezogen. Medienwissenschaften mchte sie studieren, doch nach der Veranstaltung ist die Universitt Bonn in ihrer Rangliste nach unten gerutscht: "Im Januar war ich bereits auf der Hochschulmesse in der Beethovenhalle. Da hat mir die Uni Bonn eigentlich ganz gut gefallen", erzhlt sie. "Mein Favorit ist nach dem heutigen Tag allerdings klar die Uni Aachen. Schon allein wegen den Studiengebhren." Studiengebhren waren ein heikles Thema an den Hochschultagen. Fr 500 Euro wollen die angehenden Studenten auch ein ordentliches Studium geboten bekommen. "Ich wrde sehr gerne Architektur oder etwas in diese Richtung studieren", erzhlt Rana Shannag, 19 Jahre. "An der Uni Bonn wird dieser Studiengang jedoch nicht angeboten. berhaupt ist diese Uni im Bezug auf technische und handwerkliche Studiengnge sehr schlecht ausgestattet", bedauert sie. Ihre Freundin Sana Buhri nickt zustimmend. Die beiden Bonnerinnen favorisieren ebenfalls die Universitt Aachen.

Eindeutiger "Renner" an den Hochschultagen war klar die Anglistik. Auch wenn besagter Hrsaal 17 nicht immer auf Anhieb zu finden war. Lena Lcke, Rebecca Klein und Susanne van Eldik mussten auch erstmal suchen. Sie gingen eher vorsichtig an die Uni Bonn heran, hatten Respekt vor dem Gebude, das vielleicht bald ihre neue Lernsttte sein soll und hatten sich erstmal nur fr die anglistischen Vorlesungen angemeldet: "Wir sind alle englisch-orientiert und haben deshalb erstmal dieses Studienangebot in Angriff genommen. Mal schauen, was uns noch interessiert, wir gucken erstmal", grinst Rebecca Klein. Das Unigebude gefllt den Abiturientinnen aus Bonn schon mal ganz gut, es habe Charme. Nur leider lsst sich mit Charme allein kein Studium bestreiten. Doch die drei angehenden Studenten sind zuversichtlich: "Wir sind mit dem Angebot zufrieden. Die Hochschultage sind eine gute Chance, den Unibetrieb kennen zu lernen."

Schade nur, dass es an den Bonner Hochschultagen keinerlei Informationsstnde, hnlich dem Dies Academicus gab. Die Uni wirkte etwas trostlos ohne die studentischen Gruppen, die sich zu solch einer Gelegenheit gut htten vorstellen und prsentieren knnen. Die Universitt Bonn verkaufte sich an diesen Tagen unter Wert. Ein sichtlich schlechter Zeitpunkt. Das htte nicht sein mssen und htte mit etwas "liebevollem Drumherum" wie Informationsstnden, einem Angebot von Kaffee und Kuchen sowie Vorlesungen von Studenten fr Studenten leicht gendert werden knnen. Schade. Sicherlich wre den Besuchern die Orientierung dann leichter gefallen; die Prsenz von gleichgesinnten Studenten htte dem allgemeinen Klima, das an diesen Tagen trotz der vielseitigen Angebote eher khl war, bestimmt geholfen.

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