Das grte Lebewesen aller Zeiten ist der Blauwal. Bis 150 Tonnen schwer und ber 30 Meter lang wird der Gigant. Das gelingt ihm deshalb, da er den ganzen Tag hauptschlich einer Ttigkeit nachgeht: Fressen. Er braucht dazu auch nicht viel zu tun. Lediglich das Maul aufsperren und schon filtriert er gewaltige Mengen an Meerwasser. Das darin enthaltene Plankton und die Kleinkrebse, die er damit aufnimmt, sind hervorragende Energielieferanten, und so hat der Meeressuger im Laufe seiner Evolution diese Ausmae erreicht.

Auf dem Land gab es frher auch solche Giganten. Dinosaurier, aus der Gruppe der "Sauropoden" wie der Argentinosaurus erreichten ein Gewicht von 70 bis 100 Tonnen. Nicht ganz so viel wie der Blauwal, allerdings reichte es bei denen auch nicht einfach, das Maul aufzusperren, damit Nahrung hineingeweht wurde. Eine Frage die Wissenschaftler schon lange beschftigt ist, wie es den Dinos gelang, in den Millionen Jahren ihrer Entwicklung diese Gre zu erreichen. Theoretisch drften Landlebewesen nicht so riesig werden. Zum Vergleich: Das heute grte Landlebewesen ist der Afrikanische Elefant. Ausgewachsene Bullen erreichen ein Gewicht von 5 bis 6 Tonnen. Das sind weniger als zehn Prozent des Gewichtes eines der Riesen-Dinos. Und Elefanten verwenden beinahe die Hlfte des Tages fr die Nahrungsaufnahme. Wenn also die Zeit, die den Dinos pro Tag zur Verfgung stand, nicht ausreichte um genug Nahrung fr ihre gewaltigen Krper aufnehmen, wie sind sie so gro geworden und wie war es ihnen mglich zu berleben?

Bonner Forscher versuchten jngst einen Teil des Rtsels zu entschlsseln. "Wir nehmen an, dass die Pflanzen fressenden Dinosaurier eine Art Grbehlter gehabt haben mssen, hnlich dem Pansen der Wiederkuer, beispielsweise bei Khen", erklrt Jrgen Hummel vom Bonner Institut fr Tierwissenschaften. Im Pansen der Tiere wird die Pflanzenmasse mit Hilfe von krpereigenen, in Symbiose lebenden, Bakterien in ihre Bestandteile aufgespaltet und fr den Organismus verwertbar. Dies wollten Hummel und sein Kollege Marcus Clauss von der Universitt Zrich fr die Dino-Verdauung simulieren.
Ziel war es, sich ein Bild davon zu machen, welchen Nhrwert die damals verbreiteten Pflanzen, Schachtelhalme, Grser und Nadelgewchse hatten und wie hoch die Energie-Ausbeute fr die Dinos gewesen sein konnte. Und tatschlich, diese "primitiven" Pflanzen schlagen sich im Vergleich zu der heutigen Flora erstaunlich gut. Am energiereichsten scheinen sogar die Schachtelhalme zu sein. Ein Pflanzen-Typ, der bereits seit 375 Millionen Jahren auf der Erde existiert.

Die Schachtelhalme haben allerdings einen groen Nachteil. Die Pflanzen sind stark mineralisch, was dazu fhrt, dass sich die Zhne der Tiere schnell abnutzen. "Schachtelhalme enthalten sehr viel Silikat", sagt Hummel. "Das wirkt wie Schmirgelpapier." Aus diesem Grund dienen sie nur wenigen heutigen Tierarten als Nahrung. Dieses Problem drften die Dinos allerdings nicht gehabt haben. Im Gegensatz zu vielen heutigen Pflanzenfressern hatten sie berhaupt keine Mahlzhne und schlangen ihre Nahrung einfach nur runter. Im Magen musste diese dann erstmal zerkleinert werden. Dazu diente eine Art "Magenmhle", die mit vorher aufgenommenen Steinen, so genannten "Gastrolithen", betrieben wurde. Diese Hypothese ist bisher aber nicht besttigt. Mglicherweise hatten die Riesen-Dinos einen langsameren Stoffwechsel als die heutigen Sugetiere und konnten so mit weniger Nahrung klarkommen. Es gibt noch viele offene Fragen: wie langen lebten diese Tiere? Wie schnell wuchsen sie und sind sie wirklich alle zeitgleich vor 65 Millionen Jahre ausgestorben? Die Bonner Forscher bleiben am Ball.

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