Die Zahlen der letzen Jahre sind alarmierend. Lag die Neuinfektionsrate mit der Immunschwchekrankheit AIDS in Deutschland lange Zeit stabil bei etwa 2.000 pro Jahr, stieg sie 2006 auf 2.600, fr 2007 rechnet man sogar mit knapp 3.000 Neuinfektionen. Die Todesrate liegt derzeit bei 650 Personen pro Jahr, aber auch hier ist parallel zur erhhten Infektionsrate mit einer Steigerung zu rechen. Weltweit sind bis jetzt etwa 20 Millionen Menschen an dieser Krankheit gestorben. "Die Epidemie verluft weiter ungebremst", betonte auch Professor Jrgen Rockstroh, Prsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft DAIG und Immunologe an der Universitt Bonn, anlsslich des letzten Welt-Aids-Tages.

Das die Tendenz wieder nach oben zeigt, ist wahrscheinlich mehr als purer Zufall. Das Thema ist lngst nicht mehr so medienprsent wie noch vor einigen Jahren. Und bessere Medikamente mit einer hheren Wirksamkeit, mgen zu einem falschen Sicherheitsempfinden beigetragen. HIV-Infizierte knnen heute, wenn sie gezielt behandelt werden und medikaments gut eingestellt sind, ein nahezu normales Leben fhren. Dennoch ist eine kontinuierliche Medienprsenz unabdingbar.

Als Acquired Immune Deficiency Syndrome, so die englischen Fachbezeichnung, zu Deutsch etwa, erworbenes Immunschwche-Syndrom, wurde die Krankheit erstmalig 1981 beschrieben. Zu Beginn herrschte Konfusion, Panik und spter in den 80ern Weltuntergangsstimmung. Dachte man zuerst, es wre eine Krankheit, die sich nur Homosexuelle und Prostituierte einfangen knnen, kippte alsbald die Stimmung und Menschen stiegen aus Angst vor Infektion nur noch mit Mundschutz in U-Bahnen oder trauten sich kaum einem Fremden die Hand zu geben. Wie schnell konnte man sich infizieren? Reichte bereits Hautkontakt oder Anhauchen? Ein Kuss und schon hatte man Aids?

Durch gezielte und effiziente Medienarbeit und Kampagnen wie Safer Sex und Gib Aids keine Chance nderte sich die Wahrnehmung der Krankheit und der Betroffenen in der ffentlichkeit. Heute kennt man die Infektionswege sehr genau. Ungeschtzter Sexualverkehr mit Austausch von Krperflssigkeiten und direkte Blutbertragung von infiziertem Blut sind die Hauptbertragungswege. Kssen fhrt beispielsweise, auch bei intensivem Speichelaustausch nach aktueller wissenschaftlicher Auffassung nicht zu einer Infektion. Die Virenlast, also die Menge, der im Speichel enthaltenen HI-Viren ist dazu viel zu gering. Das hchste Infektionsrisiko haben statistisch gesehen immer noch homosexuelle Mnner. Das mag an den bevorzugten Sex-Praktiken liegen diese sind hchst risikoreich, da es dabei oft zu Mikro-Verletzungen und Blutungen in der Darm-Schleimhaut kommt oder an den oft wechselnden Sex-Partnern in der Schwulen-Szene. Vielleicht ist es auch die erhhte Risikobereitschaft, die Gefahren einfach ausblenden lsst.

Doch was ist der Grund, dass dieses Thema nicht mehr auf der Tagesordnung vieler Medien steht? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass die Betroffenen sind nicht mehr auffllig genug scheinen. Die Krankheit ist nicht mehr augenscheinlich sichtbar, wie im Hollywood-Drama Philadelphia mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Zu der Zeit als dieser Film spielte, zeichnete sich noch jedes Stadium des Krankheitsverlaufs offen ab und die Betroffenen wurden schnell sozial isoliert und diskriminiert. Da wir nicht mehr oft mit solchen Bildern konfrontiert werden, vernachlssigen die Medien die Berichterstattung. Diese sind auch nur ein Spiegelbild dessen, was in unseren Kpfen vorgeht und uns tglich beschftigt.

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