Deutschland ist derzeit nicht in der Lage, Ingenieure, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, durch junge Absolventen zu ersetzen." Mit diesen drastischen Worten beginnt die Pressemitteilung zum neuesten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der heute in Berlin vorgestellt wurde. Bei Pädagogen sei das Ergebnis sogar noch erschreckender. Insgesamt kommen auf 100 Akademiker im Alter von 55 bis 64 Jahren heute nur 120 Jungakademiker, während im OECD-Mittel das Verhältnis 100 zu 230 beträgt. Im weltweiten Vergleich sackte Deutschland von Platz 10 auf Platz 22 ab.

„Eine leistungsfähige tertiäre Ausbildung ist ein strategischer Faktor für wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt. In diesem Bereich gibt die internationale Position Deutschlands einigen Anlass zur Sorge“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie. Zwar hat sich in Deutschland die Zahl der Studenten in den letzten zehn Jahren um fünf Prozent erhöht, doch im Vergleich zu den anderen großen Industrienationen, die im selben Zeitraum Wachstumsraten von durchschnittlich 41 Prozent verzeichnen konnten, hinkt die Bundesrepublik stark hinterher. Auch in anderen Bereichen gibt es schlechte Noten: eine niedrige Abiturientenquote und ein hoher Anteil bei Studienabbrechern gehört in der jährlichen Bildungsanalyse ebenfalls zu den Kritikpunkten. Nur zweimal erhält Deutschland ein Lob. Bei den Promotionen liegt es ebenso in der Spitzengruppe wie bei der Beliebtheit unter ausländischen Studenten.

Ein wichtiger Punkt des OECD-Berichts ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem Erreichen eines Hochschulabschlusses. Mit Ausnahme von Irland und Spanien hat keines der OECD-Länder es geschafft, diese Aspekte weitgehend zu entkoppeln. Deutschland nimmt auch hier einen eher schlechten Platz ein und bestätigt damit sowohl die kürzlich erfolgte Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks wie auch die immer wieder erhobene Kritik des freien Zusammenschlusses der StudentInnenschaften (fzs). „Kinder werden hierzulande bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familien kommt, wird dabei eher auf einen Bildungsweg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt. Dies spiegelt sich auch im vergleichsweise schlechten Abschneiden von Schülern mit Migrationshintergrund wider", so der OECD-Generalsekretär zu diesen Missständen.

Gleichzeitig kündigte das Innovationsministerium von NRW heute an, im gesamten Bundesland bis 2013 26.000 neue Studienplätze schaffen zu wollen. "Jeder, der in Nordrhein-Westfalen studieren möchte, erhält einen Studienplatz und eine qualitativ hochwertige Ausbildung", sagte Innovationsminister Andreas Pinkwart heute in Düsseldorf. Die Universitäten sollen nach den vorliegenden Plänen für jeden Studenten, den sie trotz einer vollen Auslastung aufnehmen, eine Prämie von 12.000 Euro erhalten. Bei den Natur- und Ingenieurswissenschaften stehen sogar 20.000 Euro bereit.

Um die Auslastung zu kompensieren und den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten, dürfen ab nächstem Jahr insgesamt 540 Professuren für fünf Jahre doppelt besetzt werden. Das heißt, wenn eine Professorin oder ein Professor 2013 emeritiert wird, kann die Nachfolgerin oder der Nachfolger bereits 2008 berufen werden. Ob dies auch an den Universitäten Köln und Bonn zum Tragen kommt, war bislang nicht zu erfahren. Aus einer Tabelle, die das Innovationsministerium vorlegte, geht jedoch hervor, dass Bonn 1.020 zusätzliche Studienanfänger bis 2010 einplant, die Universität Köln 711 und die Fachhochschule Aachen 840. Auch die Deutsche Sporthochschule in Köln (204 zusätzliche Anfänger) sowie die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg (763 Anfänger) beteiligen sich an dem Programm. Ob dies auf den nächsten OECD-Bericht Bericht positive Auswirkungen haben wird, bleibt aber abzuwarten.

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