Diesen Monat gab es ein Jubiläum: Die Studiengebühren gibt es seit einem Jahr, nämlich seit dem 1. Juni 2006. Kein Grund zum Feiern vor allem für ausländische Studenten: Sie müssen 150 Euro mehr als ihre deutschen Kommilitonen zahlen, um an der Uni Bonn studieren zu dürfen. Der AStA prangert diese Praktik schon länger an, bei der Universitätsleitung stößt man damit aber auf taube Ohren. Jetzt ist ein neuer Streit entbrannt: Es geht um die Frage, wie viele ausländische Studenten aufgrund der finanziellen Belastung ihr Studium abgebrochen haben.

Es geht um Studenten aus Nicht-EU-Staaten. Sie müssen neben den Studiengebühren und dem Semesterbeitrag einen so genannte „Betreuungsbeitrag“ in Höhe von 150 Euro berappen. Pro Semester kommen damit rund 800 Euro zusammen. Das der AStA diese Regelung als unsozial brandmarkt, kann man nachvollziehen. Schwer verständlich ist der Zahlen-Streit, den der AStA gerade mit der Uni Bonn führt. Um 60 Prozent sei der Anteil der Studenten aus Nicht-EU-Staaten gesunken, meldete der AStA am 13. Juni und sprach von einem „alarmierenden Rückgang“. Die Universität Bonn reagierte sofort: Nur einen Tag später verkündete sie, man habe die Zahlen des AStA „mit Kopfschütteln“ aufgenommen: „Offenbar sind den Studenten bei ihrer Kalkulation einige Denk- und Rechenfehler unterlaufen“ sagte Marco Schwake, der an der Uni Bonn für die Studierendenstatistik verantwortlich ist. Von einem dramatischen Rückgang von Studenten aus Nicht-EU Saaten könne keine Rede sein: Nur rund 15 Prozent von ihnen habe ihr Studium abgebrochen, genauso hoch liege die Abbruchquote bei allen anderen ausländischen Studierenden auch. Diese Ohrfeige wollte sich der AStA nicht gefallen lassen und wies die Vorwürfe zurück, ohne aber seine Rechnung noch einmal detailliert aufzuführen.

Wenn zwei sich streiten, freut sich kein Dritter: Den ausländischen Studenten, die von den Betreuungsbeiträgen betroffen sind, wird wohl in naher Zukunft nicht geholfen werden. Egal welche Seite mit ihren Zahlen richtig liegt, der Rücklauf ausländischer Studenten ist unbestreitbar. Den „internationalen Uni-Standort“ auf den die Universität Bonn so gern verweist, wird es mit dieser Gebührenpolitik nicht mehr lange geben.

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