Sind wir in einem postfaktischen Zeitalter angekommen? Die Briten haben fr den Brexit gestimmt, die Amerikaner whlen Donald Trump zum Prsidenten der USA und rechtspopulistische Parteien erhalten immer mehr Zulauf. Inwiefern ist jeder von uns dafr verantwortlich, den aufkommenden Trend zum Rechtspopulismus einzudmmen? Das Bndnis "Aktiv fr Demokratie" mchte sich nicht mit der Vorstellung anfreunden, passiv dabei zuzusehen, wie sich unsere offene Gesellschaft zunehmend der Intoleranz hinkehrt.

Der Dialog steht im Mittelpunkt der Initiative, die von Studierenden der Uni Bonn ausgeht. Katrin und Leonie vom Bndnis "Aktiv fr Demokratie" beweisen, dass es fr jeden eine Mglichkeit gibt, sich fr eine tolerante Gesellschaft einzusetzen.

campus-web: Hi! Danke, dass ihr gekommen seid. Mchtet ihr euch vorstellen?

Leonie: Ich bin Leonie und ich studiere im achten Bachelorsemester Asienwissenschaften und Koreanisch.

Katrin: Und ich bin Katrin, ich studiere im zweiten Mastersemester Asienwissenschaften mit dem Fokus auf Indonesien.

campus-web: Wie ist eure Initiative entstanden?

Leonie: Eigentlich war das ursprnglich Katrins Idee.

Katrin: Es hat im November letzten Jahres angefangen als Trump gewhlt worden ist. Wir haben immer wieder gesagt, "Ach irgendwas wird man doch gegen diesen Trend machen knnen." Wir wussten nur nie ganz genau, wo wir anfangen sollten. Eine politische Partei hat uns auch nicht angesprochen. Da wir schon Mitglied der Asienhaus Hochschulgruppe waren entstand der Gedanke, dass wir ja auch ein Bndnis kreieren knnten, mit vielen verschiedenen Akteuren. Wir wollten Menschen gemeinsam mobilisieren und versuchen was zu starten.

campus-web: Was sind denn die Ziele eures Bndnisses?

Leonie: Uns ist es vor allem wichtig gewesen, mit Leuten ins Gesprch zu kommen und einen Dialog zwischen verschiedenen Gruppen und verschiedenen Schichten zu frdern. Wir haben festgestellt, dass jeder in seiner Blase lebt - man denkt sich, "in meinem Umfeld sind ja alle so wie ich und denken so wie ich". Dann haben wir uns gefragt, wie es kommt, dass Teile der Bevlkerung radikal anders denken in Bezug auf politische Themen.

campus-web: Und wenn es denn wirklich so wre, dann htte die AfD nicht so hohe Werte bei den Landtagswahlen erzielt.

Leonie: Ja, genau. Wir haben uns gedacht, dass es erstmals wichtig ist, zu verstehen, warum Leute so whlen.

campus-web: Wie ist euer Bndnis organisiert?

Katrin: Bei uns gibt es eine flache Hierachie, es gibt Arbeitsgruppen fr bestimmte Projekte und einen Kreis von Leuten, die organisatorisch den berblick behalten.

Leonie: Die Arbeitsgruppen sind auch sehr offen und flexibel, eigentlich kann jeder mitmachen.

campus-web: Was gibt es fr Arbeitsgruppen? Woran arbeiten diese?

Leonie: Es gibt eine Gruppe, die nennt sich "Stadtgesprche". Diese stellt sich mit provokanten Thesen auf und mchte mit den Leuten ins Gesprch kommen zu Themen wie Migration, Sexismus, Klimawandel, soziale Ungleichheit und so weiter. Eine Demo ist auch geplant, damit soll Aufmerksamkeit geweckt werden.

Katrin: Dann wollten wir noch so eine Stickeraktion machen, mit der wir zum Whlen animieren mchten. Demokratie ist etwas. woran man sich beteiligen muss, nicht etwas das einfach da ist und dann besteht, das ist eine kollektive Aufgabe die jeder hat.

campus-web: Denkt ihr das jeder die Verantwortung dafr trgt, dass unsere Demokratie am Leben bleibt? Was genau versteht ihr unter Verantwortung?

Leonie: Ich denke nicht nur, dass es ein Recht oder Privileg ist, whlen zu gehen, sondern eine Pflicht unserer Demokratie gegenber. Selbst, wenn man denkt, dass es nicht so viel ndert oder dass keine Partei einen anspricht - ich sehe es trotzdem als meine Aufgabe an, whlen zu gehen. Man sollte dem ganzen nicht den Rcken zukehren oder aus Frust etwas whlen, nur um es den Eliten zu zeigen.

campus-web: Welche aktuellen Themen liegen euch persnlich besonders am Herzen?

Leonie: Ich finde es furchtbar, dass es im Moment so einen starken Rechtsruck gibt. Der Populismus kommt ja nicht nur in Deutschland auf, es ist ein weltweites Phnomen. Ich fand es toll, damit aufzuwachsen, dass immer alles globaler geworden ist. Ich finde es ganz schrecklich, dass das jetzt kaputt geht.

Katrin: Auch dieses andauernde Zittern bei jeder Wahl, dieses Hoffen, dass nicht Le Penn oder andere Rechtspopulisten gewinnen, ist irgendwann ermdend. Persnlich wrde ich noch sagen, dass mir Probleme wie die Bekmpfung von Sexismus, der Klimawandel und soziale Ungleichheiten am Herzen liegen. Rechtsruck ist ja auch oft darin begrndet, dass viele Menschen sich abgeschlagen fhlen und immer einen Sndenbock suchen.

campus-web: Vielen Dank fr eure Zeit!

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