"Sich an eine neue Kultur anzupassen, braucht Zeit", sagt Paul. "Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich mich sehr unwohl gefhlt, doch ich habe von meiner Familie viel Untersttzung erfahren." Der 21-jhrige Politikstudent ist einer von 105 Studierenden aus der Ukraine, die zu diesem Wintersemester an der Universitt Bonn eingeschrieben waren. Mittlerweile sei er wirklich in der ehemaligen Bundeshauptstadt angekommen, versichert er.

Deutschland ist beliebt

Vor allem fr Menschen aus nicht EU-Lndern ist Deutschland, insbesondere Bonn, ein beliebter Studienort. Im Wintersemester waren zwei Drittel aller auslndischen Studierenden keine EU-Brger. Insgesamt studieren etwa 4300 junge Menschen aus dem Ausland in der Beethovenstadt, das sind etwa 12,6 % aller Bonner Studierenden und mehr als der Bundesdurchschnitt. Das belegen die offiziellen Zahlen des International Office der Universitt Bonn.
Im Moment sind an deutschen Hochschulen insgesamt rund 300 000 auslndische Studierende eingeschrieben. "Damit ist Deutschland zum zweitbeliebtesten Einwanderungsland nach den USA und vor Kanada und Australien aufgestiegen", berichtet Margret Wintermantel, Prsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). In einer Studie aus dem Wintersemester 2013/14 hat der DAAD 11 000 von den 300 000 jungen Menschen zu ihrem Studienaufenthalt in Deutschland befragt. Darin ging es hauptschlich um die Grnde, weshalb junge Menschen aus dem Ausland gerade in Deutschland ihr Studium aufnehmen. "Auslndische Studierende kommen vor allem wegen der hohen Qualitt der deutschen Hochschulen", so Wintermantel. Auch wenn die Prsidentin des DAAD dieses Argument und die gelebte 'Willkommenskultur' an den hiesigen Universitten und Fachhochschulen anfhrt, wird deutlich: Die geringen Lebenshaltungskosten sind ein sehr wichtiger Grund fr das Studium in Deutschland. Immerhin 67 % gaben dies bei ihrer Begrndung an.

Es gibt noch viel zu tun

Auch wenn Deutschland als attraktiver Studienort erscheint, stellt ein Auslandsstudium junge Menschen immer vor groe Herausforderungen. Das kann auch Margret Wintermantel besttigen: "Die Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme zu Einheimischen und die hohen Studienabbrecherquoten zeigen, dass weitere Anstrengungen notwendig sind. Willkommenskultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe." Das schlgt sich auch in der Studie nieder: Der Erhalt eines Visums und Behrdengnge seien fr auslndische Studierende am schwierigsten. Doch das grte Problem stelle die Wohnungssuche dar, das gaben 53% an.
Dies knnen die Mitarbeiter des International Office der Universitt Bonn nur bekrftigen: "Im Bereich studentisches Wohnen ist die Lage angespannt, da die Stdte und Studentenwerke meist nicht ber gengend Wohnraum verfgen." Hufig sind auch die sprachlichen Hrden fr auslndische Studierende schwer zu berwinden. Die Folge: Vielen jungen Menschen aus dem Ausland fehlt der Anschluss an die deutschsprachigen Kommilitonen. Paul hat das direkt nach seiner Ankunft aus der Ukraine erfahren: "Ich habe mich sehr unwohl gefhlt, da ich sehr schlecht deutsch gesprochen habe. Das war schon nicht leicht." Margret Wintermantel behlt also Recht, wenn sie noch Nachholbedarf sieht.

Vielzahl der Angebote

Dabei ist es freilich nicht so, dass es zu wenig Angebote fr auslndische Studierende gbe. "Das Auswrtige Amt frdert mit rund 7,5 Mio. Euro pro Jahr das Stipendien- und Betreuungsprogramm 'STIBET' des DAAD", sagt Wintermantel. Auch das International Office der Universitt Bonn wendet sich mit einer Vielzahl von Angeboten an auslndische Studierende. Darunter zum Beispiel ein umfangreiches Deutschkursangebot und so genannte interkulturelle Trainings, bei denen sich auslndische Studierende ber ihre Erfahrungen austauschen knnen.
Das Problem liegt im persnlichen Zuschnitt der Hilfsangebote. "Eine umfassende Studienverlaufsanalyse wrde dabei helfen, bedarfsgerecht auf die Bedrfnisse der internationalen Studierenden in der akademischen und soziokulturellen Betreuung einzugehen", meint Sandra Groeger, stellvertretende Abteilungsleiterin im International Office der Universitt Bonn. Trotzdem sieht sie die Universitt Bonn fr auslndische Studierende gut gerstet: "Die Universitt Bonn ist eine international operierende Forschungsuniversitt und deshalb daran interessiert internationale Studierende zu gewinnen und zu halten."
Paul hat damals von familirer Seite Hilfe bekommen. "Mein Cousin war schon in Deutschland, er hat mir mit den Behrdengngen und den Dokumenten fr die Botschaft geholfen", erzhlt er, "ohne seine Untersttzung wre ich jetzt vielleicht gar nicht hier."

Artikel drucken