"Alles war neu, ich hatte noch keinen berblick ber Stadt, Studentenwerk und Asta", erinnert sich Katharina S., "zunchst konnte ich bei einer Freundin bernachten, dann war ich fr drei Nchte in einem Hostel und schlielich auf Erstsemesterfahrt, bis ich in meine jetzige WG zog." Als die Psychologiestudentin aus Sddeutschland vor einem Jahr in Bonn mit dem Studium anfing, ging es ihr hnlich wie vielen anderen Kommilitonen. Die prekre Wohnsituation hat sich auch in diesem Jahr nicht verbessert. Ganz im Gegenteil, zeigt das neue Wohnungsranking der Gesellschaft fr Beteiligungen und Immobilienentwicklungen (GBI) aus Berlin. Die Organisation bewertete die 81 deutschen Stdte mit ber 5000 Studierenden nach insgesamt 22 Faktoren, darunter auch die Hhe der Mieten, Leerstandsquoten (Anteil der leer stehenden Gebude am Gesamtbestand) und durchschnittliche Einnahmen der Studierenden.

Verschlechterung in der Beethovenstadt

Trauriger Spitzenreiter bei der Wohnsituation ist wie im Vorjahr Mnchen (79 Punkte). Die Stadt Bonn ist im Vergleich zum Vorjahr einen Platz nach vorne gerckt und befindet sich nun mit 47,5 (+4) Punkten auf Platz 17. "Im Bereich von 35 bis 50 Punkten muss die Situation auf dem Wohnungsmarkt genau im Auge behalten werden", sagen die Verfasser der Studie. Vor allem die deutliche Vernderung zum Vorjahr scheint bedenklich. Der Anstieg der Punktzahl, der deutlich ber dem durchschnittlichen Zuwachs liegt, ist neben der Steigerung des Mietpreisniveaus auch mit der grundstzlichen Attraktivitt der Stadt zu erklren. Diese ist wiederum auf eine positive demographische Entwicklung zurckzufhren. Trotz der Anziehungskraft der UNO-Stadt sind die Analysten besorgt. So msse man in Bonn immer wachsam sein, da "kurzfristig mgliche Entwicklungen dafr sorgen knnten, dass der Anspannungsfaktor schnell in den kritischen Bereich steigt."

Groe Probleme beim greren Nachbarn

Der kritische Bereich wurde in Kln schon seit Langem erreicht. "Seit letztem Jahr reagieren wir auf den Ansturm der Neuankmmlinge mit einer Notschlafstelle, die Studierenden von weiter weg die Chance geben soll, mit weniger Druck im Nacken eine Wohnung zu suchen.", wei Paula Risius, Leiterin des Sozialreferats des Allgemeinen Studierendenausschusses (AstA) der Universitt zu Kln zu berichten. Die Domstadt hat sogar noch grere Probleme als die ehemalige Bundeshauptstadt. Kln kommt im diesjhrigen Ranking auf Platz vier (70 Punkte) nur noch bertroffen von Mnchen (79), Hamburg (73) und Frankfurt (70,5). Laut Chefanalyst Stefan Brauckmann sei die Lage daher "besonders kritisch". Vor allem der Anstieg um fnf Punkte gegenber dem Vorjahr ist besorgniserregend. Das liegt hauptschlich daran, dass das bereits hohe Mietniveau noch einmal gestiegen ist: Waren es 2013 schon 9,10 pro Quadratmeter, muss ein Mieter heute durchschnittlich 9,40 aufbringen. Dennoch bewerten die Autoren das hohe Mietniveau nicht als Ursache Nummer eins fr die schwierige Wohnungssituation. Vielmehr sei der Zuzug von im Durchschnitt ber 10 000 jungen Menschen pro Jahr entscheidend.
Die Vertreterin des Sozialreferates sagt: "Wo die Nachfrage nach Wohnraum hoch ist und das Angebot bersteigt, da knnen die Anbietenden hohe Preise fr Zimmer und Wohnungen nehmen. Das Problem daran ist, dass Studierende ein begrenztes Budget haben." Auch die Psychologiestudentin Katharina, die vor einem Jahr in Bonn lange suchen musste, sieht im Budget ein groes Problem: "Immer hher werdende Mieten grenzen das Angebot fr Studenten auf dem Wohnungsmarkt sehr ein." Whrend die GBI die Hauptursache fr die angespannte Situation berwiegend in der Masse der Studierenden sieht, empfinden die Wohnungssuchenden vor allem die Preise als Hindernis.
Auch die Prognose fr die Zukunft stimmt wenig zuversichtlich: "Ich rechne nicht damit, dass sich die Lage entspannen wird."

Geduld ist gefragt

Angesichts dieser Einschtzung mag mancher Student resigniert mit den Schultern zucken. Lange Wohnungssuchen und groe Ungewissheit knnen die bergangszeit von der Schule zum Studium sehr schwierig machen. In Kln rt man daher Leuten aus der Umgebung zu pendeln. Wer dies aber nicht kann, sollte zunchst per "Couchsurfing" unterkommen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, das fr eine Nacht kostenlose private bernachtungsmglichkeiten vermittelt. "Ansonsten ist die Gefahr sehr gro, dass man aus der Not heraus eine Wohnung akzeptiert, die eigentlich das Budget bersteigt", benennt Paula Risius das Problem.
Auch in Bonn ist dieses Problem allgegenwrtig. Dort gibt es eine kreative Methode, vorlufig ein Dach ber dem Kopf zu haben. Studenten auf Wohnungssuche knnen fr 70 in der Woche im "BaseCamp" in umgebauten Wohnwagen und VW-Bussen bernachten. Sollte auch danach immer noch keine Wohnung in Aussicht stehen, empfiehlt es sich, in den umliegenden Stdten nach Wohnmglichkeiten zu suchen.
Mittlerweile fhlt sich Katharina in Bonn sehr wohl. Studierenden, die in Zukunft eine Wohnung suchen mssen, rt sie: "Nicht verzweifeln! Irgendwann kommt schon etwas Passendes."

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