Was fr alle Wissenschaften gilt, gilt vielleicht fr die Politische Wissenschaft im besonderen Mae: Leidenschaft und Begeisterung haben gerade dann eine Chance, wenn es ein( Hochschul-)Lehrer versteht, aus seinem Erfahrungsschatz der Praxis zu berichten und so in die berlegungen seiner Studentinnen und Studenten hineinwirkt: Es ist die Kunst, der Theorie ein Gesicht zu geben.

Gerd Langguth, der letzten Sonntag im Alter von 66 Jahren verstarb, war mit Sicherheit jemand, der diese Kunst beherrschte. Nicht nur vermittelte er sein Wissen, das er in der praktischen Ttigkeit als Abgeordneter und Staatssekretr sammeln konnte, mit groem Sachverstand und Witz an seine Studentinnen und Studenten, auch lie er es sich bis zum Schluss nicht nehmen, in Biographien ber Politiker, in Artikeln und Kolumnen fr zahlreiche Zeitungen und in Interviews seine Analysen auszuarbeiten. Selbst ein Konservativer, lie er dabei jedoch nie den kritischen Blick auf die eigene Partei vermissen. Auch wenn Gerd Langguth in den letzten Jahren bereits gesundheitlich angeschlagen war, wirkte er immer nach Krften. Er war wohl einer dieser Menschen, die sich ein Leben ohne Politik nicht vorstellen konnten.

Gerd Langguth wird uns aber auch besonders als engagierter und begeisternder Professor in Erinnerung bleiben. Als ich im Sommer 2011 meine Magisterprfung bei ihm absolvierte, erholte er sich gerade von einer Erkrankung. Im Geiste scharfsinnig und die politische Landschaft analysierend, war es ihm jedoch leider aufgrund seiner krperlichen Verfassung nicht mglich, an die Uni zu kommen. Doch er lie es sich nicht nehmen, meine Prfung abzunehmen. Mit meinem Einverstndnis verlegten wir daher die Prfung zu ihm nach Hause. Und wie es sich gehrt, brachten der Beisitzer und ich ihm etwas vom Becker mit. So konnte die Prfung schlielich doch noch durchgefhrt werden. Ich denke, dies ist ein anschauliches Beispiel dafr, dass Professor Langguth immer sehr um seine Studierenden bemht war.

Es ging Gerd Langguth immer darum, seine Studierenden gut vorzubereiten, mit Wissen auszustatten und die Universitt zu einem Ort des intensiven Lernens zu machen. Meinen oft politisch links stehenden Argumentationen hat Gerd Langguth in seinen Seminaren immer respektvoll und wrdigend zugehrt. Er war ein Konservativer, aber in erster Linie war er auch ein Demokrat in der Wissenschaft, der andere Meinungen respektierte, immer aber eine gute Begrndung einforderte.

Meine aufrichtige Anteilnahme gilt besonders seiner Frau sowie seinen Mitarbeitern. Mit Prof. Langguth verliert die Bonner Politikwissenschaft einen scharfsinnigen Beobachter der deutschen Politik und einen engagierten Wissenschaftler und tollen Kollegen.

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