campus-web: Welche Projekte wollt ihr konkret umsetzen, und wie?

Eva Nelles: Vielleicht wrde man es weniger als Projekt bezeichnen, als den weiteren Kampf fr ein selbstbestimmtes Studium. Dazu gehrt vor allem die endgltige Abschaffung der Anwesenheitspflicht durch aktives Engagement bei der Novellierung des Hochschulgesetztes. Ebenfalls sinnvoll in diesem Zusammenhang ist das Eintreten fr studienfreundliche Reformen des Bachelor/ Master- Systems. Zum einem in dem Sinne, dass mehr Master- Pltze und die damit verbundene Infrastruktur geschaffen werden, andererseits aber auch bestehende Zulassungsschranken und Bedingungen (wie z.B. Modulabhngikeiten) abgebaut werden. Dies machen wir sowohl in Verhandlungen mit der Uni als auch lngerfristig mit der Politik.

Ein konkreteres Projekt, woran wir im AStA- Vorsitz in Zusammenarbeit mit der Studierenden mit Kind- Beratung arbeiten, soll sowohl Studierende als auch Uni-/ Verwaltungs- und StudentenwerksmitarbeiterInnen fr Themen der Gleichstellung sensibilisieren. Damit ist nicht nur die Gleichstellung von Frauen und Mnnern gemeint, sondern auch die Gleichstellung fr studierende mit Behinderungen und studentische Eltern. Wir sind gerade noch dabei einen Verlaufsplan zu erstellen und werden hoffentlich bald anfangen knnen.

Wie knnte man, deiner Meinung nach, das Problem Wohnungsnot lsen?

Ob man dieses Problem komplett lsen kann, wei ich nicht. Es ist allen klar, dass Aufrufe allein nicht die Lsung sein knnen. Eine Wohnraumkampagne, wie sie derzeit in Planung ist, ist sicherlich noch ausbaufhiger. Es sollte ber den Appell an mgliche Vermieter und die bersichtliche Bndelung von Wohnungsangeboten und gesuchen hinausgehen und eine Mglichkeit sowohl fr Vermieter als aus Mieter bieten sich auszutauschen ber Erfahrungen bei der Wohnungssuche, Tipps bzw. Ratschlge, was man bei der Vermietung an Studierenden beachten sollte, aber auch welche Rechte man als MieterIn hat. Zustzlich sollte die Stadtverwaltung ber eine Kofinanzierung nachdenken, bei dem man z.B. zinsgnstigere Kredite bereitstellt um es potentiellen Vermietern einfacher zu machen vorhandenen Wohnraum so umzubauen, dass er vermietet werden kann.

Eine weitere gute Mglichkeit der Wohnungsnot entgegen zu wirken wre jedoch eine flexible Nutzung der vorhandenen Wohnflchen. D.h. man msste gucken, welche Gebude stehen zur Verfgung, die man sanieren kann um Wohnraum zu schaffen, nicht nur fr Studierende, sondern auch fr andere Menschen, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Fr das Studentenwerk hiee das beispielsweise, dass sie ein Gebude zunchst fr z.B. 10 Jahre vermietet und dann geguckt wird, ob die Studierendenzahlen weiter steigen oder doch sinken und wenn das der Fall sein sollte, die Gebude auf den freien Markt gegeben werden.

Viele fordern mehr Transparenz, ihr als Juso-Gruppe auch? Wenn ja warum, wenn nein, warum nicht?

Selbstverstndlich fordern wir Jusos auch mehr Transparenz an der Uni. In diesem Zusammenhang fordern wir die Einfhrung eines Gremien- Informations- Systems (kurz GRINS). Vielleicht eine Sache zur Erklrung vorab, warum es so wichtig ist, dass Studierende Zugang zu den Entscheidungen der universitren Gremien bekommen. Stutentische Vertreter werden gewhlt und benannt um die Interessen der Studierenden gegenber der Uni zu vertreten. Jedoch ist die Kontinuitt nicht immer gewhrleistet, d.h. dass wenn die VertreterInnen wechseln, Informationen auf der Strecke bleiben und Interessierte keine oder nur sehr schwierige Mglichkeiten haben, sich ber die Vorgnge zu informieren. Ein System knnte dies ndern, indem es allen interessierten Studierenden die Mglichkeit gibt, sich ber Termine, VertrerInnen, Inhalte und Entscheidungen in den universitren Gremien informieren knnen.

Auch wir im AStA und im SP arbeiten stndig daran, unsere Arbeit so transparent wie mglich zu machen. Dafr werden Protokolle, Rechenschaftsberichte und Haushaltsplne ffentlich gemacht und auf die Homepage geladen. Dafr sind alle Sitzungen ffentlich und jeder ist herzlich eingeladen aktiv oder passiv daran teilzunehmen. Dafr laden wir jede Studentin und jeden Student ein, sich zu engagieren und z.B. in einem Referat mitzuarbeiten. Gerade auch bei unserer Arbeit ist es wichtig, dass alle Studierende die Mglichkeit haben, nachzuvollziehen wofr ihre Gelder eingesetzt und verwendet werden.

Der fzs wird von Seiten des RCDS und der LHG kritisiert was bringt der fzs fr uns Studenten?

Zur Verstndnis vorweg, der fzs ist der freie Zusammenschluss StudentInnenschaften und vertritt berparteiisch die Interessen der Studierenden berall dort, wo es mehr als um eine Hochschule geht. D.h. der fzs ist unsere Vertretung gerade auf Bundesebene. Wenn es also um z.B. Reformen zu Bologna, Studienfinanzierungsmglichkeiten oder auch um die Schaffung eines Bundeshochschulgesetzes geht, ist der fzs unsere Vertretung gegenber der Politik, Studentenwerken und der ffentlichkeit. Natrlich ist es bei oberflchlicher Betrachtung auf den ersten Blick schwierig zu sehen, wo der fzs beteiligt ist. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der fzs und die ihn tragenden Studierendenschaften weniger daran interessiert sind sich selbst zu profellieren, sondern darauf bedacht sind die ASten in ihrer Arbeit zur Verbesserung der Studienbedingungen effektiv zu verbessern zu untersttzen.

Neben dem politischen Gewicht auf Bundesebene, stehen den Bonner Studierenden dank des fzs zahlreiche Informationsmaterialien (wie z.B. der Mietrechtsbroschre) zur Verfgung und die Mglichkeit an Seminaren des fzs zu (hochschul-)politischen Themen teilzunehmen. Des Weiteren gibt es in jedem Jahr deutschlandweit an verschieden Hochschulen das festival contre le racisme, bei dem es in Ausstellungen, Diskussionen und Konzerten um Themen wie Rassismus, Xenophobie und Migration geht und dieses Jahr aller Wahrscheinlichkeit auch wieder direkt in Bonn stattfinden wird.

Wie wollt ihr in Zukunft Wahlbeteiligung und hochschulpolitisches Interesse steigern?

Ich glaube, dass Stichwort dabei ist Prsenz. Wir mssen mehr Prsenz den Studierenden gegenber zeigen, um ihnen deutlich zu machen, was wir machen, wo wir als AStA, SP und Hochschulgruppen aktiv sind und wo wir mitreden. Es ist wichtig allen Studierenden zu zeigen, was Hochschulpolitik eigentlich ist und wie sie selbst davon betroffen sind. Viele interessieren sich nicht fr Hochschulpolitik und/ oder gehen nicht whlen, weil sie gar nicht wissen, was wir machen und ber welche Dinge wir entscheiden, von denen sie essenziell betroffen sind (z.B. das Semesterticket um nur ein Beispiel zu nennen).

Als Hochschulgruppe arbeiten wir selbstverstndlich auch daran mehr Studierende fr die Hochschulpolitik zu begeistern. Das beginnt bei Kneipentouren, bei denen man unsere Arbeit in der Hochschulpolitik in einer eher informelleren Atmosphre kennenlernen kann und geht weiter mit Informationsabenden zum Thema Hochschulpolitik fr EinsteigerInnen. Ein weiteres Hindernis bei vielen Studierenden ist der Faktor Zeit, d.h. abgesehen von der normalen Arbeit, sollte man auch noch berlegen, wie sich das auercurriculare Engagement besser in das Studium integrieren lsst.

Juso-Hochschulgruppe

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