Das Geographische Institut der Uni Bonn widersetzt sich mit seinem Leuchtturm-Projekt "Fernerkundung in Schulen" aktuellen literarischen Unkenrufen und frdert mit Satellitenbildern das interdisziplinre Lernen an Schulen.

Der PC zersetzt unser Gehirn. So oder so hnlich lautet die Aussage des Buches Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen von Manfred Spitzer. Ungeachtet der streitbaren Warnung des Gehirnforschers vor Internet-Sucht und der vermeintlichen Oberflchlichkeit digitaler Inhalte, arbeitet die Arbeitsgruppe "Fernerkundung in Schulen" (FIS) um Gunter Menz und Kerstin Vo daran, satellitengesttzte Daten zur Bildung von 10 bis 19-jhrigen Schlern anzuwenden.

Keine bunten Bilder, sondern geballte Information

Was aber ist Fernerkundung? Im Grunde handelt es sich um die kontaktlose Erforschung der Erde. Dies geschieht ber elektromagnetische Wellen die von luft- oder satellitengesttzten Sensoren erfasst werden aus der Ferne eben. Je nach Sensortyp und Analyse-Werkzeug reichen die so gewonnenen Informationen weit ber die der allseits bekannten und frei verfgbaren Online-Satellitenbilder hinaus. Was fr den Laien als buntes und spektakulres Bild erscheint, ist fr den Wissenschaftler eine geballte Ladung an Informationen. Sie nutzen nicht nur abgehobener Nerd-Wissenschaft in schlecht belfteten Labors: Der Gebrauch der Daten reicht dabei von der Entwicklung von Navigationssystemen bis hin zu Stadtplanung und Katastrophenschutz.

Satellitenfoto: Kalbender Gletscher in Grnland (Gletscher = blau, Landmasse = rot, Wasser = schwarz)


Fr die Anwendung in Schulen, die eigentlich schon seit den 1970er Jahren gefordert wird, liegt darin der Mehrwert: Die bunten Bilder fesseln und stecken voller Information unterschiedlichster Art. Der Einsatz dieser Daten im Unterricht ermglicht einen Lerneffekt durch eigenes Entdecken ganz im Sinne kompetenzorientierter Bildung. ber digitale Lernmodule werden Selbstorganisation, Eigenverantwortlichkeit und Bewertungskompetenz interaktiv gefrdert und gefordert. Es wird geklickt, verglichen, experimentiert und recherchiert. Dabei eignen sich digitale Medien besser als Aufnahmen im Schulbuch.

Arbeit mit digitalen Karten frdert Medienkompetenz

Fr Andreas Rienow, wissenschaftlicher Mitarbeiter des FIS-Projektes, liegen die Vorteile von Fernerkundung im Unterricht auf der Hand: Durch die Art der Daten, nmlich als elektronische Information, werde die Medienkompetenz der Kinder zwangslufig gefrdert. Zudem vereinten Fernerkundungsdaten verschiedenste Teilaspekte der Naturwissenschaft: Geographie, Klimatologie, Biologie und nicht zuletzt Physik. Die Schler kommen laut Rienow so mit den verschiedensten Aspekten ihrer Umwelt in Kontakt und knnen ein Gespr fr weitere Interessen und Strken entwickeln.

Dabei zeigen Forschungsergebnisse, dass das elektronische Medium einen besonderen Vorteil hat: Wie jngst eine Gruppe von Erziehungswissenschaftlern der Universitt Mannheim feststellte, frdern digitale Medien wie Tablet-PCs die Lernmotivation enorm. Fr viele Kinder ist der PC schlielich Arbeitsgert und Spielzeug gleichermaen, was man von Physik-Schulbchern wohl kaum behaupten kann.

Andreas Rienow ist deshalb vom Erfolg seines Projektes berzeugt. Schlielich sieht er die digitalen Informationen nicht als Ersatz sondern als Ergnzung zu klassischen Medien wie Buch oder Aufgabenblttern, ganz so wie es auerhalb der Schule schon lange Alltag ist. Es wirkt, als wollten die Verantwortlichen den Kritikern digitaler Medien wie Manfred Spitzer zurufen: "Willkommen im 21. Jahrhundert, die Jugend forscht, lernt und hat Spa dabei."

Weitere Informationen auf der Homepage der Arbeitsgruppe "Fernerkundung in Schulen" (FIS) der Universitt Bonn.


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