Der Beginn des Wintersemesters. Bald werden sie wieder kommen. In Scharen werden sie an mir hochklettern. Mit ihren dreckigen Schuhen beschmutzen sie mich. Schleifen mein Denkmal ab. Lcherliche Hte setzen sie mir auf, Halsketten werden mir verpasst. Diese Studenten. Dabei ist das erst der Anfang. An Karneval werden sie wieder kommen, am St. Patrick's Day und an Weihnachten. Ich bin doch kein Manneken Pis, verdammt! Ich bin Friedrich August Kekul von Stradonitz! Aber wer wei das schon. Einmal davon abgesehen, dass es schwarz auf wei auf meinem Sockel steht.

Ein bedeutender Chemiker von Beruf. Keine Schaufensterpuppe, die man nach Belieben einfach so schmcken darf. Ich stehe vor dem heutigen Institut fr Mikrobiologie und Geographie. Etwas irrefhrend, ich wei. Aber das ist aus dem ehemals Chemischen Institut geworden. Dem grten Institutsgebude der Welt, damals. 400 000 stolze Mark hat es gekostet. Zu jener Zeit wussten sie noch, wem Ehre gebhrt! Heute muss ich tagein tagaus zusehen, wie sich "Geographen", diese schimpfenden Stadt-Land-Fluss-Spieler, das Gebude betreten. Was fr eine Schande.

Ich wrde mich ja gerne beschweren. Aber 1829 geboren, bin ich leider nicht mehr der Jngste. So schaue ich jeden Tag dem Treiben auf der Meckenheimer Allee zu, whrend sich Tauben auf meine Glatze setzen oder ihr Geschft auf meiner Schulter verrichten und Eichhrnchen meinen rmel hochklettern. Mein Dasein als Statue hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie heroischer. Aber: wenigstens habe ich berhaupt ein Denkmal, wenn auch vor dem falschen Institut!

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