Schneller sollte das neue System den Abschluss der Studenten herbeifhren. Einfacher sollte man ein Auslandssemester machen knnen. Besser sollten die jungen Studenten schon nach dem Bachelor in die Berufswelt finden. Alles Illusionen, behaupten Kritiker des neuen Systems. Die Bilanz zeige, dass diese Reform gescheitert sei. Die Leidtragenden sind die Studenten.

Nach drei Jahren Studium, reif fr die Wirtschaft?

Eva Nelles, die stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der Universitt Bonn, kritisiert vor allem den Leistungsdruck. Man msse stndig Leistung erbringen, sei zu sehr eingespannt, da man in sechs Semestern das Studium beenden msse, uert sich die Studentin gegenber dem General Anzeiger. Folglich bleibe so weniger Zeit fr Anderes: Arbeit oder Auslandsstudium, die zur Persnlichkeitsbildung viel mehr zutragen als stupides Auswendiglernen.

Sechs Semester Zeit hat jeder Student. Sechs Semester in denen Basis- und Vertiefungsmodule belegt werden mssen. Diese sollen das komplette theoretische Wissen abdecken, das man fr den Einstieg in die Berufswelt braucht - So die Theorie.

Die Praxis jedoch zeigt, dass Vielen diese Verschulung der Universittslehre missfllt. Auch die Unternehmen beklagen das. Die jungen Menschen bekommen einen extremen Praxisschock, beklagt Arbeitsmarktforscher Hilmar Schneider im General Anzeiger. Man knne zwar auf jngeres Personal zurckgreifen, aber Erfahrung in der Arbeitswelt haben die jungen Bachelor-Absolventen kaum. Ein Praktikum hier, mal eine Hospitanz da, mehr aber auch nicht. Es ist zwar oft ein Praktikum in den Studiengngen integriert, aber was bringen vier oder acht Wochen Kaffeekochen?

Bachelor-Abschluss, und dann?

Hat man den ungeliebten Abschluss dann endlich in der Tasche, ist voller Tatendrang die Universitt zu verlassen, scheitern viele Studenten dann doch: "Wir stellen fest, dass hier der Master immer mehr zur Voraussetzung fr einen Berufseinstieg wird", behauptet Jrgen Hindenberg, Personal- und Bildungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg.

Anfangs hie es: wer den Master in Betracht zieht, wird sich eher in der Wissenschaft wiederfinden. Masterpltze seien auerdem gengend vorhanden. Auch hier sitzen Theorie und Praxis nicht im selben Boot. Vielen Bachelor-Absolventen ist es nicht vergnnt, den Wunsch-Master zu machen. Utopische Notendurchschnitte werden verlangt, Motivationsschreiben ber 10 Seiten auf zwei Sprachen sollen belegen, dass man genau fr diesen Masterplatz geeignet ist.

Was uns noch brig bleibt

Was bleibt dem Student also brig? Die Politik will nicht erkennen, dass ihr gro umjubelndes System gescheitert ist. Zur Folge hat das: desastrse Lernverhltnisse, berforderte und unzufriedene Studenten. Es gibt zusehend mehr Studenten, die sich nicht in einer Universitt, sondern in einer Schule wiederfinden. Studenten wollen ins Ausland, scheitern indes an Zeit und Brokratie.

Dass das System gescheitert sei, zeigen die Abbruchzahlen resmiert Erik Marquardt, Vor-standsmitglied des fzs (freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften), dem Dachverband der Studierendenschaften. Fr die Studenten bleibt nur der Biss in den sauren Apfel.

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