Es ist Anfang Juni 2012. In Eisenach findet der Deutsche Burschentag statt. Dort finden Burschenschaftler aus ganz Deutschland zusammen, um unter anderem mit einem Fackelmarsch an die gefallenen Soldaten im Krieg zu gedenken. Abschlieend wird das vollstndige "Deutschlandlied" gesungen. So ist die Tradition.

Tradition ist auch, dass die deutschen Burschenschaften in der ffentlichkeit einen sehr schlechten Ruf haben. In einer sensibilisierten Gesellschaft kommen Fackelmrsche nicht gut an. Gerade weil mit diesen Mrschen die hufige Benutzung von Wrtern wie "national" und "Volk", sowie das Singen des vollstndigen "Deutschlandliedes" einhergehen.

Interne Meinungsverschiedenheiten

Der patriotische Ansatz der Burschenschaften ist aber nicht neu. Doch nun sorgt die Aussage des Chefredakteurs der Verbandszeitschrift Burschenschaftliche Bltter, Norbert Weidner, fr eine hitzige Debatte. Dieser bezeichnete den Theologen Dietrich Bonhoeffer als "Landesverrter" und dessen Hinrichtung als "rein juristisch fr gerechtfertigt". Das ergaben Recherchen von Spiegel Online.

Campus Web sprach mit Jrg Haverkamp, Vorsitzender des Altherrenverbandes der Freiburger Burschenschaft Saxo Silesia. Diese Burschenschaft ist Mitglied der "Initiative Burschenschaftliche Zukunft" (IBZ). Die "widerspricht der geuerten Auffassung" von Weidner. Sie betont zudem gleichzeitig das hohe Gut der Meinungsfreiheit.

Liberale Burschenschaftler wollten Norbert Weidner abwhlen und stellten mehrere Kandidaten auf. Zu denen gehrte unter anderem Kai Ming Au, ein Mitglied mit asiatischen Wurzeln. Dieser Versuch misslang. Haverkamp erklrt, dass "viele Delegierte inhaltlich trennen". Weidners Arbeit als Schriftleiter sei allgemein anerkannt. Zur Grndung eines neuen Dachverbands soll es daher "zumindest bis zu einem in den nchsten Monaten angesetzten auerordentlichen Burschentag" nicht kommen.

Schweigen ist auch eine Antwort

Norbert Weidner ist Mitglied der alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn. Auf ihrer Internetseite distanziert sie sich von Extremismus. Es sei der Eindruck entstanden, dass die "Burschenschaft oder einzelne Mitglieder das Andenken der historischen Person Dietrich Bonhoeffer herabsetzen. Dies entspricht nicht den Tatsachen".

Fast 200 Jahre habe man sich fr die Pressefreiheit eingesetzt. Daher stt es bei Haverkamp auf Unverstndnis, dass sich einige Burschenschaften bei negativer Berichterstattung gleich in eine "Wagenburg des Schweigens" zurckziehen. Man msse sich "legitimer Kritik offen stellen" und den Kontakt zur ffentlichkeit offensiv suchen.

Dies tat der Sprecher des Dachverbandes, Christoph Basedow: Eine juristische oder historische Neubewertung der Person Dietrich Bonhoeffers als Widerstandskmpfer gegen die NS-Diktatur steht tagespolitisch sicher nicht auf der Agenda des Verbandes.

Die Burschenschaft der Raczeks und Herr Weidner reagierten derweil nicht auf eine Anfrage von campus-web.

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