Der Maya-Kalender ist ein interessanter Aspekt der Altamerikanistik. Stndig werden neue Entdeckungen gemacht, die die Erforschung der neuen Welt voran bringen. campus-web nutzte eine Pause zwischen zwei Mexiko-Aufenthalten, um mit einem der bedeutendsten Forscher Mesoamerikas zu sprechen. Professor Dr. Nikolai Grube, Dozent an der Universitt Bonn, klrt auf, was es mit dem 21. Dezember auf sich hat.


campus-web: Herr Grube, es gibt Menschen, die fest daran glauben, dass die Welt am 21. Dezember diesen Jahres untergeht. Haben Sie schon einen Flug gebucht, weil die Sdhalbkugel verschont bleiben soll?

Grube: Schmunzelt Ich habe zwar schon viele Flge gebucht, aber die fhren mich auch weiterhin in die Nordhalbkugel, da ich weder etwas vom Weltuntergang erfahren habe, noch von einer Teilung der Welt. Dass die Sdhalbkugel verschont bleiben soll geht aus Maya-Quellen, beziehungsweise authentischen Quellen, nicht hervor. Solche Prophezeiungen kenne ich nicht.

campus-web: Was sagt der Maya-Kalender dann aus?

Grube: Im Maya-Kalender steht drin, dass am 21. Dezember 2012 ein Kalender-Zyklus zu Ende gehen wird. Und zwar ist das der 13. Zyklus von ca. 400-Jahres Zyklen, seit der Grndung des Universums. In der Vorstellung der Maya war das im Jahr 3140 vor Christus. Das htten die Maya sicherlich mit einem groen Fest begangen.

campus-web: Manche sprechen von einem neuen Zeitalter. Was darf man darunter verstehen?

Grube: Auch das sind neue Erfindungen von Esoterikern und Anhngern von New Age-Bewegungen. Die Maya sehen jedenfalls kein neues Zeitalter. Das ist eine Vorstellung die erst seit etwa 20 Jahren verbreitet ist und ins Gesprch gebracht worden ist von Leuten, die tatschlich glauben, dass sich am 21. Dezember eine groe Transformation ereignet. Das versuchen sie zu rechtfertigen mit Pseudo-Astronomie.

campus-web: Es ist die Rede von Sternen die in einer Reihe mit der Milchstrae stehen

Grube: Aber auch dafr gibt es keine Hinweise. Diese Konstellationen treten regelmig auf und machen berhaupt nichts aus.

campus-web: Und von Naturkatastrophen ist berhaupt keine Rede?

Grube: Nein. Es ist zwar von Naturkatastrophen die Rede, aber nicht im Jahr 2012. Naturkatastrophen ereignen sich im Maya-Gebiet regelmig. Dadurch, dass es in den Tropen liegt und von tropischen Wirbelstrmen und Hurrikans heimgesucht wird, waren die Maya sehr erfahren, was den Umgang mit Katastrophen betrifft und erwarteten auch stndig groe Fluten.

campus-web: Heute gibt es immer noch Maya-Gruppen. Wie wichtig ist fr diese der 21. Dezember?

Grube: Der war ihnen eigentlich berhaupt nicht wichtig und hat auch in den oralen Traditionen berhaupt keine Rolle gespielt. Mittlerweile ist das Interesse in Nordamerika und Europa an alten Religionen und indianischen Naturvorstellungen jedoch gro. Die Leute reisen nach Mexiko und Guatemala, um die indianische Weisheit kennenzulernen. So bringen sie ihre Vorstellungen vom 21. Dezember mit. Die Maya und andere Vlker merken, dass sie damit Geschfte machen knnen und lassen sich auf diesen Diskurs ein. Sie nutzen dies aus, um den Leuten erfundene Traditionen anzubieten.

campus-web: Das heit, zu diesen Fehldeutungen kommt es aus ihrer Sicht nur aus wirtschaftlichen Grnden oder durch einen Medien-Hype?

Grube: Medien-Hype! Absoluter Medien-Hype. Das spielt sich in Medien und im Internet ab und hat mit Lateinamerika gar nichts zu tun.

campus-web: Sehen Sie den Hype um den Maya-Kalender und Weltuntergangstheorien als Vor- oder eher als Nachteil fr die Altamerikanistik? Kann das Fach davon profitieren?

Grube: Man kann eigentlich sagen: Beides. Auf der einen Seite rgert mich, wie selbstverstndlich mit den Vorstellungen und dem Kalender umgegangen wird. Der Maya-Kalender, ihre Kosmologie, ihr geistiges Eigentum und ihre Vorstellungen werden von uns in unsere kapitalistische Gesellschaft eingebaut, umgedeutet und genutzt, ohne dass wir uns fr die Maya wirklich interessieren. Auf der anderen Seite ist das Interesse natrlich da und nimmt zu. Vielleicht ist das fr uns auch ein Vehikel, um die Altamerikanistik und die Beschftigung mit den indianischen Gesellschaften Amerikas in das Licht der ffentlichkeit zu rcken. So kann man zeigen, wie spannend es ist, wenn man sich wirklich tiefgrndig und intensiv mit den religisen Vorstellungen, der Kosmologie und dem Wissen dieser Vlker befasst.

campus-web: In Amerika gab es vor der europischen Invasion zahlreiche ethnische Gruppen. Welche Entdeckungen erwarten Sie in den nchsten Jahren?

Grube: Es werden immer wieder neue Sprachen gefunden. Ethnologische Theorien erweitern unsere Vorstellungen davon, wie Menschen miteinander umgehen und wie menschliche Gesellschaften aufgebaut sind. Also in allen Bereichen ist Neues zu erwarten. Unser Fach ist noch so jung und klein ist. Es entwickelt sich bei uns alles sehr schnell und das Wissen ist nicht festgefahren. Es kommt immer wieder zu Quantensprngen unseres Wissens. Daran sind auch junge Leute beteiligt und das macht unser Fach gerade so interessant.

campus-web: Zum Schluss noch eine kurze Frage: Was machen Sie eigentlich am 21. Dezember dieses Jahres?

Grube: Das habe ich noch nicht geplant. Ich werde ganz sicher mit meiner Familie zusammen sein und irgendwas schnes tun. Ich wei gar nicht, welcher Wochentag das ist. Aber ich gehe mal davon aus, dass ich den Tag relativ normal verbringen werde und am Abend mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen sein werde.

campus-web: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

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