Spiegelverkehrt ist die neue Kolumne ber die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universitt zu Bonn. Unsere Redakteure werden auf spezielle Art und Weise all das Schne und Schlechte, das Gute und Bse, das Warme und Kalte der Uni Bonn betrachten.


Ein wunderschner Morgen. Die Sonnenstrahlen wrmen mich, lassen den Tau auf meinen Spitzen in sanften Nebel verdunsten. Noch ist alles ruhig, noch klappert kein Fahrrad ber die Kopfsteinpflaster, noch hrt man keine Worte durch die Luft schwirren, noch schweigen Politikstudenten, noch schnattern keine Germanistinnen, noch philosophiert der Philosoph trumend, noch ist alles ruhig.

Doch dann: In weiter Ferne, es kommt immer nher, eine Masse voller Menschen. Sie laufen ber mich, rcksichtslos, zerstren, was eigentlich schon zerstrt ist. Pltzlich, ohne Vorwarnung. Ich komme nicht weg, kann mich nicht wehren. Ich ergebe mich meinem Schicksal. Die Ruhe ist dahin, der Alltag beginnt.

Die Sonne, so schn sie mich wrmt, mich zum Erblhen bringt, so grausam ist sie zu mir. Die Sonne, sie lockt sie aus den Hrslen, aus den dunklen Bibliotheksrumen, aus dem Schloss auf mich. Dann sitzen sie auf mir, essen, trinken, lachen, rauchen, jonglieren und lieben sich. Und ich? Ich lebe einfach nur.

Das Deutschlandfest, oh, was hat es mich zerstrt. Mhsam, Tag fr Tag muss ich mich davon erholen. Verletzt bin ich. Im Herzen und am Krper, so verletzt. Ich wurde missbraucht, ausgenutzt und zerissen. Anstatt mich zu pflegen oder zu schonen, werde ich weiterhin nur benutzt. Ein Objekt bin ich, ein Lustobjekt.

So neigt sich der Tag dem Ende. Die letzten Menschen sitzen auf mir. Sie hren zum tausendsten Mal die U-Bahn unter mir durch die dunklen Gnge rattern. Ich versuche die Flecken zu kompensieren, mich zu rehabilitieren, das Hssliche wegradieren. Jedoch bleibt es, wie es ist. Ich werde geliebt, ganz gleich wie hsslich ich bin. Ich, der Hofgarten.

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