Plagiat erwiesen: Margarita Mathiopoulos darf sich nicht mehr "Doktor" nennen. Die Universitt Bonn entzieht den Titel und wirft ihr vorstzliche Tuschung vor. Der Rat der Philosophischen Fakultt besttigte damit am 18. April einstimmig einen Beschluss des Promotionsausschusses. Gegen die Entscheidung kndigten die Anwlte der Unternehmerin Klage an, wie verschiedene Medien berichteten. Mathiopoulos arbeitet auch als auen- und sicherheitspolitische Beraterin der FDP, sowie Honorarprofessorin an der TU Braunschweig und Universitt Potsdam. Dort wird nun geprft, ob die ehrenamtliche Lehrverpflichtung aufrechterhalten wird.

Vorstzlich getuscht und verschleiert

ber 320 nicht ordnungsgeme Zitate fanden die Prfer laut Pressemitteilung der Universitt. Die Vielzahl rechtfertigt den Vorwurf, es handele sich um Vorsatz. An einigen Stellen habe Mathiopoulos ungekennzeichnet abgeschrieben, an anderen Stellen Plagiate verschleiert so das Ergebnis. Gleiches findet sich schon im Bericht des Portals VroniPlag vom 27. Juni 2011. Dort ist gar die Rede von ber 380 Textbernahmen, wovon 77% kopiert oder verschleiert seien. Diese Recherchen im Internet hatten den Fall wieder auf die Tagesordnung der Universitt Bonn gebracht.

Dabei glaubte man ihn eigentlich erledigt. Bereits in Ausgabe 37 vom 11. September 1989 bemerkte der Spiegel zum Werk von Mathiopoulos: "Sie schrieb an etlichen Stellen aus deren Arbeiten beinahe wrtlich ab, ohne die Passagen, wie es sich bei einer Dissertation ziemt, als Zitate auszuweisen." Drei Beispielstellen sttzten den Vorwurf. Als Anfang der 90er Jahre weitere Verdachtsmomente aufkamen, deckte eine berprfung seitens der Universitt gravierende Mngel auf. Trotzdem entschloss man sich gegen die Aberkennung des Titels. Diese Entscheidung revidierten die Bonner nun auf Basis der neuen Erkenntnisse. Ob dies berhaupt mglich ist, mssen wohl die Gerichte klren. Die Anwlte der Unternehmerin zweifeln es an und kndigten laut Medienberichten eine Klage an.

Vorwrfe bereits in den 80er Jahren

Die angegriffene Doktorarbeit der jetzigen FDP-Beraterin war 1986 beim angesehenen Bonner Politikwissenschaftler Karl Dietrich Bracher eingereicht und mit der zweitbesten Note ("magna cum laude") bewertet worden. Am 9. Mai wird der Fakulttsrat in Potsdam entscheiden, ob Mathiopoulos dort Honorarprofessorin bleibt, wie die Universitt in einer Pressemitteilung verlautbaren lie. Wird die Aberkennung des Doktorgrades rechtskrftig, droht auch das Ende der Honorarprofessur in Braunschweig.

Auf jeden Fall scheint nun der politikwissenschaftliche Vergleich zwischen Europa und den USA vermintes Gelnde: Erst bernahm sich Ex-Verteidigungsminister Guttenberg am Vergleich der "konstitutionellen Entwicklungsstufen", dann Mathiopoulos am Vergleich des politischen Denkens. Oder um ihren Titel zu zitieren: "Das Experiment des Fortschritts" ist (vorerst) gescheitert.

Artikel drucken