Wer Harry Potter kennt, wei, dass Hogwarts irgendwo in Schottland sein soll. Hat man allerdings die Mglichkeit an der University of Aberdeen zu studieren, gert die Suche nach fiktionalen Zauberschulen schnell in Vergessenheit. Eindrucksvolle Gemuer mit langer Geschichte gibt es auch in Aberdeen. Anstelle des groen Sees gibt es das Meer. Ich muss gestehen, bei diesen Aussichten fiel es mir nicht allzu schwer Kln zu verlassen, um mich fr ein Semester unter die Schotten zu mischen.

Goodbye Deutschland

Da ich in Kln Englisch studiere, hatte ich schon recht frh beschlossen, mich fr ein ERASMUS-Semester zu bewerben. Meine Wahl fiel auf Aberdeen. Schottland versprach wunderschne Landschaften, Menschen mit amsantem Akzent und Universitten mit sehr gutem Ruf. Von der Bewerbung fr den Studienplatz bis zur Anmeldung an der auslndischen Uni gab es viel Untersttzung vom ERASMUS-Bro des Englischen Seminars in Kln.

Die Zeit zwischen Bewerbung und Abreise betrug bei mir etwa acht Monate, die wie im Fluge vergingen.

Schon fand ich mich am Bahnhof in Aberdeen wieder, wo alle Neulinge mit Bussen abgeholt und kostenlos ins Studentendorf gebracht wurden. Luxus? Nein, es ist nur etwas ungewohnt, wenn man gerade aus der Service-Wste Deutschland kommt. Jeder Erstsemester und Austauschstudent bekommt einen Wohnheimplatz im Studentendorf garantiert. Es gibt eine ganze Einfhrungswoche, die Freshers Week, mit unzhligen Veranstaltungen zum Einleben und Kontakteknpfen. Die Universitt und vor allem das Studentenwerk setzen sich sehr dafr ein, dass sich jeder neue Student sofort willkommen und wie zu Hause fhlt.

Die etwas andere Uni

Das lteste Gebude der Universitt, Kings College, stammt noch aus einer Zeit kurz nach der versehentlichen Wiederentdeckung Amerikas durch Columbus. Andere Teile der Uni sind sehr modern. Vor allem die neue, sndhaft teure Bibliothek, die mit ihrer einzigartigen Architektur beeindruckt. Man muss nicht einmal mit dem Aufzug in den siebten Stock fahren, um das Meer zu sehen. Das geht auch von weiter unten, denn der Campus ist nicht weit vom Strand entfernt. Einen Neuling kann das leicht vom Lernen abhalten.

Diesem Problem bin ich jeden Donnerstag ausgesetzt. Auch wenn der Kurs ber die amerikanische Literatur des 19. Jahrhunderts einer der interessantesten meiner Studentenlaufbahn ist fr die Aufmerksamkeit ist ein Seminarraum mit Nordseeblick nicht gerade frderlich und erst recht nicht, wenn es gerade um Moby-Dick und das Meer geht.

Der Unterricht ist etwas anders aufgebaut als in Kln. Man verbringt wesentlich weniger Zeit in der Uni als in Kln, muss aber dafr mehr zu Hause leisten und einige Essays schreiben.

An der University of Aberdeen gibt es viele Deutsche und nicht alle sind Austauschstudenten. Andere Europer mssen hier nmlich im Gegensatz zu den benachbarten Englndern keine Studiengebhren zahlen. Damit bietet Schottland eine gute Alternative zu den zurzeit berlaufenen deutschen Universitten.

Welcome to Ginger Land

Leben in Schottland ist vergleichsweise teuer, aber das Land hat viel zu bieten. Die Schotten sind ein sehr nettes, hfliches und hilfsbereites Vlkchen. Es ist keine Seltenheit, dass jemand unaufgefordert seine Hilfe anbietet, wenn man etwas orientierungslos mit einem Stadtplan herumluft. Auerdem bedankt und entschuldigt man sich fr alles Mgliche.

Die Schotten sind stolz auf ihr Land, Traditionen werden in allen Ehren gehalten. Mnner in Schottenrcken gibt es hier wirklich, wenn auch nur zu besonderen Anlssen wie zum Beispiel Hochzeiten: Der Brutigam trgt meistens einen Kilt! Bemerkenswert ist die Tatsache, dass 13 Prozent der Bevlkerung rothaarig sind nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Menschen mit ginger hair.

Macht man ein Auslandssemester, ist es lohnend, so viel wie mglich herumzureisen. Gerade die student societies, Interessengruppen von Studenten, bieten in Aberdeen interessante Ausflge an. Edinburgh, Glasgow, St. Andrews und die Highlands sind immer eine Reise wert. Schon nach den Erlebnissen des ersten Monats bin ich mir sicher, dass dieses Semester unvergesslich bleiben wird!


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