Susanna Mathes fhrte ein Interview zum Stand des Mensaumbaus und die neue Komponentenwahl. Mit Frau Grnberg, Abteilungsleiterin der Gastronomie und Frau von der Mark, Abteilungsleiterin des Marketings


Die Komponentenwahl wurde am 2. Mai eingefhrt. Wie kam es eigentlich zu dieser Entscheidung?

Frau Grnberg: Wir haben schon seit Jahren berlegt, wie wir den Gsten gerechter werden knnen. Die Geschmcker sind nun mal unterschiedlich und eine freie Wahl ist da zeitgemer.Wir haben immer wieder festgestellt, dass die Gste hufig unzufrieden waren und bestimmte Beilagen tauschen wollten. Das umzustellen ist aber ein grerer Akt. Die Idee war es die Komponentenwahl in dem Moment einzufhren, in dem sowieso eine kleine Preiserhhung ntig war. Deshalb haben wir dem Verwaltungsrat gesagt, dass wir eine minimale Preiserhhung machen mchten. Dem wurde statt gegeben und im Zuge dessen haben wir berlegt die Komponentenwahl einzufhren. Die Komponentenwahl ist das, was der Gast heute mchte. So ist es mglich sich alles so zusammenzustellen, wie man gerne htte. Auerdem sind auch die Unterschiede der Essgewohnheiten zwischen weiblichen und mnnlichen Studierenden erhoben worden. Unser Dachverband, das Deutsche Studentenwerk, bringt regelmig Studien raus. Da wurde festgestellt, dass mnnliche Studierende mehr Fleisch essen und sich die weiblichen Studierenden, zumindest von der Zusammensetzung her, einen Tick gesnder ernhren. Mit der Komponentenwahl kommt man auch dem entgegen.

Frau von der Mark: Auerdem frdert die Komponentenwahl die Nachhaltigkeit. Allein wenn man sieht, was jeden Tag in der Kche brig bleibt- wir mssen fast 50% der Lebensmittel wegschmeien Wir sind seit fast einem Jahr Partner von


Was bringt die Komponentenwahl zustzlich fr Vorteile?

Frau Grnberg: Der Preis! Sicherlich haben wir eine preisliche Erhhung bezglich der Mens, aber wenn man es genau betrachtet hat die Komponentenwahl auch einen Preisvorteil. Jeder kann nach seinem Geschmack und auch nach seinem Geldbeutel whlen. Als Beispiel: beim alten Speiseplan gab es zu dem vegetarischen Essen 1 -2 Beilagen. Wir haben festgestellt, dass im Schnitt 40% nur eine Beilage war und das hat dann 2 gekostet. Wir haben das Men zwar um 0,10 erhht, will man sich aber eine vegetarische Komponente, die 90 Cent kostet und nur eine Beilage fr 0,60 nehmen, kann man fr 1,50 ein Essen haben, das vorher im ganzen Men 2 gekostet hat. Man kommt natrlich auch ber die 2, je nachdem was man whlt. Wir haben daher bei den Beilagen eine kleine Staffelung drin. Die Standardbeilagen kosten 0,60 und Beilagen, wie z.B. Pommes, die in der Herstellung und im Einkauf teurer sind, kosten 0,70. Man hat also Entscheidungsfreiheit fr den Geschmack und fr den Preis.

Frau von der Mark: Einen Vorteil wrde ich gerne noch hinzufgen. Wir bekommen hufig Mails von Leuten mit Allergien, das hat in letzter Zeit sprbar zugenommen. Jetzt ist keiner daran gebunden, dass er z.B. den Reis nehmen muss, sondern er kann sich sagen: ich nehme nur zwei Gemsebeilagen, das ist fr mich vllig in Ordnung. Das ist fr die Allergiker eine groe Erleichterung.



Immer wieder hrt man von einem geplanten Umbau der Nassemensa- wird dieser definitiv stattfinden und wenn ja wann?

Frau Grnberg:Die Historie des Umbaus hngt damit zusammen, dass es in der 2. Etage immer noch die Karusselausgabe gibt, die nicht mehr zeitgem ist. Der andere Grund fr einen Umbau, ist der, dass wir hier ein sehr altes historisches Gebude haben. Wir haben z.B. keinen Fahrstuhl fr die Gste und viele andere Dinge mehr. Aber wenn man umbaut, sollte das eine Manahme fr das ganze Haus sein. Derzeit gibt es nur Plne, die diskutiert werden, aber man braucht dafr natrlich eine ganze Menge Geld. Bonn konzentriert sich erst mal auf die Renovierung der Wohnheime. Wir haben uns entschieden momentan noch nicht umzubauen, bis wir das auch finanziell ermglichen knnen. Deswegen geschieht der nicht diese Jahr und auch nicht nchstes Jahr. Wir werden als Studentenwerk die Studenten natrlich informieren, damit nicht so viele Gerchte herumgeistern mssen. Momentan muss niemand Sorge haben, dass es hier groartige Schlieungen gibt. Die Mensa-Rmer-Castell wird aber geschlossen, das steht fest. Das heit Ende Juli geht da der letzte Teller ber den Tresen.



Wann der Umbau letztendlich stattfinden wird, steht also noch in den Sternen?

Frau Grnberg: Ja- dieses Jahr nicht, nchstes Jahr nicht. Also keine Sorge. Und wenn da ein Umbau wre, dann sind wir trotzdem unserem Auftrag verpflichtet. Wenn wir einen Umbau planen, planen wir gleichzeitig auch eine bergangslsung. In anderen Studentenwerken hat man dann Zelte aufgebaut- kreative Lsungen, damit die Gste weiterhin Essen bekommen



Zur Zeit wird veganes Essen angeboten- kommt es bis jetzt gut an und besteht die Mglichkeit, dass diese Angebot bestehen bleibt?

Frau von der Mark: Ja- querbeet ist ein Azubiprojekt. Ein Mal im Jahr gibt es ein Projekt, in dem die Azubis alle gemeinsam eine Aufgabe erfllen mssen. Dieses Jahr ist es ein veganes Gastronomiekonzept. Die Azubis sind durch Bjrn Moschinski, der sich auch The Vegan Had Chef nennt, geschult worden. Der macht jetzt auch demnchst ein Restaurant auf. Es ist groartig, wenn man sieht, wie die unterschiedlichen Berufe zusammen kommen- vom Testen, den Rezepturen, ber den Wareneinkauf bis zu den ganzen organisatorischen Ablufen, die im Brobereich liegen, lernen sie beide Denkweisen zu sehen und praktisch umzusetzen. Das Ergebnis ist querbeet. Das ist erst mal im Rahmen dieses Azubi-Projektes fr einen Monat begrenzt. Es luft aber super an, das zeigen die Zahlen. Frau Grnberg hat schon gesagt: Wenn das weiter so positiv luft, dann knnen wir das im Wintersemester genau so oder sehr hnlich fortsetzen, aber dann natrlich ohne die Azubis.

Frau Grnberg: Also was aus querbeet geworden ist, ist wirklich eine ganz tolle Sache. Unser Vegan-Koch Herr Moschinski hat den Ansatz bekannte Rezepturen aus dem alltglichen Leben umzuwandeln. Statt Fleisch werden Sojaprodukte verwendet. Das macht es zugnglicher. Aus dieser kleinen Idee hat sich jetzt der Knaller entwickelt. Ich sage ganz offen: Eigentlich knnen wir Ende Mai nicht zu machen und mssen es wenigstens bis Ende des Semesters oder den Semesterferien laufen lassen. Aber man muss das ja auch logistisch machen, sie brauchen die Leute dazu. Fr mich als Abteilungsleiterin steht schon fest, dass wir das oben machen sollten, weil das Ernhrungsverhalten sich verndert hat. Die Leute sind bewusster geworden, das sprt man an der Nachfrage. Da komm ich wieder auf die Komponentenwahl. Wenn ich ernhrungsbewusst bin, kann ich das herauspicken, was fr mich gut ist, was mir schmeckt und was ich mchte. Fleisch ist schlielich ein veredeltes Nahrungsmittel- aber lassen wir das, ich habe Ernhrungswissenschaften studiert und tauche manchmal in die Theorie ab.



Wenn wir schon mal dabei sind: Stammt das Fleisch in der Mensa eigentlich aus artgerechter Tierhaltung?

Frau Grnberg:Wir hatten mal eine ganze Zeit lang artgerechtes Fleisch. Dann gab es eine Kostenexplosion, da haben wir das zurcknehmen mssen. Das ist natrlich Qualittsfleisch, aber derzeit nicht artgerecht. Wir sind ja auch Partner von Sustainable Bonn. Unsere Pasta ist bio, aber das steht nicht berall dran, weil wir dann einen Zertifizierungsdurchlauf machen mssen. Das Zertifikat bekommen wir jetzt fr die Mensa Sankt Augustin und fr den Venusberg. Jeder Betrieb muss einzeln durch diese Mhle und das ist richtig viel Papier bzw. Aufwand. Aber trotzdem sind die Nudeln bio. Ich darf das blo nicht dranschreiben. Zu dem artgerechten Fleisch: Das mit der artgerechten Tierhaltung werden wir auf jeden Fall ins Angebot wieder reinnehmen, aber wir knnen diese Hauptkomponente aus artgerechter Tierhaltung nicht fr 0,90 anbieten. Und auch so werden wir 0,90 wahrscheinlich nicht halten knnen. Das ist jetzt um alles einzufhren und dann muss man weiter sehen, wie das mit den Preisen ist. Aber bei der Preisgestaltung werden auch die Gremien angehrt. Es wird also auch besprochen mit Studierenden und mit dem Asta.




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