Die WiSos mussten als Versuchskaninchen ran.
   
Zu Semesteranfang stehen viele Bachelor AbsolventenInnen im Fach BWL mit mehr als leeren Taschen da. Sie haben im Bewerbungsverfahren keinen Masterplatz erhalten und knnen ihr Studium nun vorerst nicht an der Uni Kln fortsetzten. Doch nicht nur die extreme Selektion an der Schwelle zum Master, sondern vor allem die Informationspolitik und das aktuelle Verhalten der Fakulttsleitung erzrnen viele Studierende.

Sorgenkind WiSo

Im Fokus steht dabei die WiSo-Fakultt, an der sich in diesem Sommer die ersten Studierenden mit Bachelorabschluss in BWL um einen Masterplatz beworben haben. Hier kamen ber 1700 hauseigene und externe Bewerber auf nur 215 Studienpltze im Master Business Administration. Folge war, dass selbst BA-Absolventen mit Endnoten zwischen 1,9 und 2,3 bei der Vergabe leer ausgingen und ihr Studium zum Wintersemester in Kln nicht fortsetzen konnten.

Doch es ist nicht allein das Unverstndnis ber dieses eklatante Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage bei der Masterplatzvergabe, das viele StudentInnen wtend macht. Vielmehr sind es die Aussagen der Fakulttsvertreter, die ihre Studierenden whrend der letzten drei Jahre in falscher Sicherheit wgen lieen. So hat man die eigenen BA-StudentInnen immer wieder Glauben gemacht, sie wrden bei der hausinternen Masterplatzvergabe eine Bevorzugung vor externen Bewerbern erfahren. Auerdem hie es wiederholt, BA-Endnoten von 2,4 wrden fr einen Masterplatz voll-kommen ausreichen.

Die Unileitung sieht bei sich keine Schuld

Der Prodekan der WiSo-Fakultt, Prof. Dr. Werner Mellis, weist indessen jede Kritik von sich. Ihm seien vielmehr von Seiten der Politik die Hnde gebunden, die den Masterstudiengang nur noch fr die Allerbesten ffnen wolle. Faktisch lsst aber das Hochschulfreiheitsgesetz der Uni etwa in Bezug auf die Anzahl der angebotenen Masterpltze oder der konkreten Gestaltung des Auswahlverfahrens weitaus grere Spielrume.

Auch in der Universittszeitung vom 5. Oktober spielt man die Probleme bei der Masterplatzvergabe herunter. Angesichts der hohen Bewerberzahl auf nur wenige Studienpltze rhmt man sich hier vielmehr des begehrte[n] Master aus Kln. Die Situation bei der Bewerbung zum Master Business Administration sei dabei ein auerordentlicher Extremfall, der ber die problemlose Vergabe von Masterpltzen in den brigen Studiengngen der WiSo- und anderen Fakultten hinwegtusche.

Dstere Aussichten?

Auch wenn sich die Situation bei der Masterplatzvergabe an den brigen Fakultten bislang als entspannt erweist, ist aber auch hier in den kommenden Jahren mit hnlichen Problemen zu rechnen. Sind hier momentan nur wenige Bewerbungen auf Masterpltzte zu verzeichnen, so wird sich dies etwa an der Philosophischen Fakultt schnell ndern knnen, wenn sich in Zukunft eine wachsende Anzahl an Bachelorabsolventen in den groen Fchern wie Germanistik, Anglistik oder Geschichte um einen Masterplatz bewerben wird.

Fr die Versuchskaninchen an der WiSo-Fakultt kam der Master-Schock dagegen vollkommen unvorbereitet. In ihrer Verzweiflung haben sich viele abgelehnte Bewerber nicht nur an Fakultt und Fachschaften, sondern auch an Politik, Presse und Rechtsanwlte gewandt.

Bis die Mhlen der Vernderung hier allerdings in Gang kommen, bleibt den enttuschten Studierenden nichts anderes brig, als auf das nchste Auswahlverfahren zum Wintersemester 2011/12 zu hoffen, das bis zu diesem Zeitpunkt laut Uni-Pressesprecher Patrick Honecker einer berarbeitung unterzogen werden soll. Viele andere ziehen dagegen einen Wechsel an einen andere Hochschule oder gar den vorzeitigen und schwierigen Einstieg ins Berufsleben in Betracht.

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