Jeder sieht sie, doch keiner wei, was eigentlich genau gemacht wird. Bei so vielen Baustellen kann man schon mal den berblick verlieren.
Die Ausgangssituation gestaltet sich laut einer Informationsschrift des Kanzlers vom Mrz 2009 so: 24.000 m Fremdanmietungen in 35 verschiedenen Gebuden, 40.000 m Flchenmehrbedarf und 340 Mio. anstehende Instandsetzungskosten.
Da scheint dringend Handlungsbedarf zu bestehen. Obwohl die Anzahl der Studenten an der Uni Kln seit den Jahren 2000/2001 um fast 20.000 gesunken ist, soll nun also eine Deckung des Flchenmehrbedarfs und ein Abbau des Sanierungsbedarfs erfolgen.

Welche Umbauten und Neubauten sind geplant?

Die derzeit rund 44.500 Studenten der Universitt zu Kln knnen sich auf einiges gefasst machen. Es erwarten sie erhebliche Behinderungen. Neben der Sanierung des Hauptgebudes und des Philosophikums und einer Sanierung und Erweiterung der Universitts- und Stadtbibliothek sollen auch die Altinstitute (Rechenzentrum und Philosophische Fakultt), die physikalischen Institute und die Gebude der Humanwissenschaftlichen Fakultt modernisiert werden.

Zeitplan und Kosten

Das veranschlagte Investitionsvolumen fr den Abbau des Sanierungsbedarfs liegt bei rund 200 Mio. Euro.
Darunter fallen: eine Teilsanierung des Hauptgebudes (bis Juni 2011, 14,8 Mio. ) und des Philosophikums (bis August 2012, 34 Mio. ), eine Modernisierung des Rechenzentrums (bis Mrz 2011, 12 Mio. ), die Sanierung der Physikalischen Institute (Mrz 2011 bis Dezember 2016, 64 Mio. ) und die Modernisierung des IBW-Gebudes (bis Juni 2012, 12,2 Mio. ).
Die USB soll erweitert und saniert werden (Sanierung Foyer und Verwaltung: bis Dezember 2011, 7 Mio. ; Modernisierung des Bestandsgebudes mit Erweiterung: ab Mitte 2011, Kosten offen).

Fr die Deckung des Flchenmehrbedarfs sind zahlreiche Neubauten geplant, fr die rund 300 Mio. veranschlagt wurden.
Hierrunter fallen unter anderem der im Oktober 2009 fertiggestellte Neubau des Zentrums fr Biowissenschaften (99 Mio. ), der Chemischen Institute (ab Mitte 2011 bis Mitte 2015, 190 Mio. ), der bereits abgeschlossene Neubau des Seminargebudes zwischen Philosophikum und Hrsaalgebude (9,2 Mio. ), einer Kindertagessttte und eines Studierenden und Servicecenters auf der Flche des krzlich abgerissenen Parkdecks. Die Fertigstellung ist fr Oktober 2012 angesetzt und die Kosten belaufen sich auf 39 Mio. .
Auerdem 40,8 Mio. fr weitere Um- und Neubauten.

Diese Kostenaufstellung zeigt jedoch, dass die 500 Mio. wohl eher eine wohlwollende Schtzung waren.

Das Studierenden Service Center

Neben dem Hauptgebude entsteht ein neues zentral gelegenes Gebude. Hier werden in Zukunft die zentrale Studienberatung, das Studierendensekretariat und das Akademische Auslandsamt untergebracht. Des Weiteren Einrichtungen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen sowie der Rechtswissenschaftlichen Fakultt, Konferenzrume (u.a. fr Videokonferenzen), ein Cateringbereich fr Empfnge und auerdem ein ominser Multifunktionsbereich.
Da stellt sich aber schnell die Frage, ob dieser Schnickschnack fr 39 Mio. Euro der Mehrzahl der Studenten zugute kommt oder doch eher als Prestigeobjekt dient? Denn wie oft nimmt der gemeine Student an Videokonferenzen teil und wird dazu mit tollen Mens versorgt?

Finanzierung:

Informationen ber die Finanzierung findet man leider nicht so einfach. Auf eine Anfrage diesbezglich ber die eigens fr Informationen ber die Baustellen eingerichtete Emailadresse kam leider auch nach ber einwchigem Warten keine Antwort.

Fazit: Luxus fr Naturwissenschaftler und Empfnge, fehlende Steckdosen im Philosophikum

Die Modernisierungen und Sanierungen der Universittsgebude sind lngst berfllig. Die Uni befindet sich in einem katastrophalen Zustand. An einigen Stellen regnet es durch die Decke und fr eine so groe Uni mit so vielen Studenten sind die Bestnde der Bibliotheken uerst mager.
Eine moderne Universitt ist wirklich toll und auch wichtig. Trotzdem sollten erst einmal ein paar Tausend fr konkrete und einfach zu behebende Mngel locker gemacht werden, bevor Unsummen in Gebude investiert werden. Diese werden wahrscheinlich durch unsere Studiengebhren mitfinanziert, viele der jetzigen Studenten werden diese aber in ihrem Studium nicht mehr benutzen knnen. Viele werden bis zur Fertigstellung aller geplanter Baustellen die Uni bereits verlassen haben.
Vielleicht sollte die Universitt erst einmal 5.000 von den 500 Mio. dafr verwenden, in allen Gebuden neue Arbeits- und Sitzgelegenheiten zu schaffen.
Den Studenten steht eine lcherlich geringe Anzahl von Arbeitspltzen zur Verfgung. Wie oft rennt man Ewigkeiten durch die Stockwerke des Philosophikums, um irgendwo einen Sitzplatz zu erhaschen oder sich im Zweifelsfall doch an einen bereits besetzten Tisch zu quetschen. Fr die derzeit ber 14.000 Studenten der Philosophischen Fakultt sind das einfach viel zu wenig.
Auerdem gibt es im Philosophikum genau drei Kopierer auerhalb der institutseigenen Bibliotheken, von denen nicht selten ein oder zwei wegen Papierstaus oder anderer Krankheiten ausfallen.
Auch wenn man seinen Laptop aufladen will hat man schlechte Karten. Es gibt in den Gebuden kaum Steckdosen, an den Arbeitspltzen gar keine.
Da bleibt am Schluss nur zu hoffen, dass die Gelder wirklich fr eine bessere Lernsitutation eingesetzt werden.

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