Der 21. November war fr viele Studenten der Uni Bonn ein Schock. An diesem Tag wurde die geplante Streichung des Moduls Volkskunde/Kulturanthropologie bekannt. Dieses Modul sollte mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden. Am Mittwoch, dem 24. November, sollte in der Fakulttsratssitzung die endgltige Entscheidung fallen. Aus diesem Anlass fanden sich viele der betroffenen Studenten bei der Sitzung ein.

Die Stimmung der Wartenden ist angespannt. Kleine Gruppen diskutieren angeregt. "Ich habe mich gerade zur Bachelorarbeit angemeldet. Ich wei nicht ob ich sie berhaupt schreiben kann", klagt eine Studentin. Die Entscheidung hat fr die Studenten weitreichende Folgen. Volkskunde/Kulturanthropologie kann in NRW nur in Bonn und Mnster studiert werden.
Auch Erstsemester bangen um ihr Studium. "Ich bin extra nach Bonn gekommen, um Kulturanthropologie zu studieren. Jetzt habe ich gerade eine Wohnung gefunden. Wenn ich vorher von der geplanten Streichung gewusst htte, wre ich nicht gekommen", bemerkt Nina.
Dieser Studiengang verlor in dem Bologna-Prozess seine Eigenstndigkeit. Seither ist er ein Profil des Studiengangs Germanistik/Allg. Literaturwissenschaft.

Lehrstuhl seit 2000 unbesetzt

Die Entscheidung hat finanzielle Grnde. Zwei Millionen Euro sollen eingespart werden. Aus diesem Grund ist die Aufhebung der Professur in Bonn geplant. Der Lehrstuhl ist seit 2000 unbesetzt. Trotz vieler Bewerbungen und mehrerer Ausschreibungen war keine Einstellung mglich. Zum einen gebe es nur wenige Volkskundler. Und die wenigen entscheiden sich fr andere Universitten. 2008 htte sie besetzt werden knnen. Doch eine Mitbewerberin aus dem Jahr 2006 klagte die Stelle ein. Schlielich sei sie Volkskundlerin, der neue Bewerber nicht.
Das Verfahren luft noch.

Seit der Klage will die Universitt diese Stelle nicht mehr besetzen. Aus diesem Grund stellt der Dekan zwei Antrge: Einstellen des Verfahrens und Schlieung der Module. "Derzeitige Studierende knnen ihr Studium mit einer Toleranzzeit beenden", versichert er in der Fachschaftssitzung.

Eine Streichung des Profils htte noch weitere Folgen. Auch viele Museen fragen gezielt nach Studenten der Volkskunde/Kulturphilosophie. Dies lsst sich mit der groen Tradition begrnden, welche dieses Fach in Bonn hat. Auch die Fachschaft Gekovoska weist auf die Tradition des Faches hin. Sie betont, dass viele Studenten speziell fr dieses Fach nach Bonn kommen. Wrden sie fehlen, knnte die Uni weniger Gelder verzeichnen. Aus diesem Grund bittet sie darum, die Entscheidung zu berdenken.

Ebenfalls betonte sie den Bedarf an weiteren Modulen fr dieses Profil. So hat dieses Modul im Augenblick keine Einfhrungsseminare. Dass sich trotzdem viele dafr einschreiben, spricht fr die Bedeutung der Volkskunde. Die Fachschaft stellte den Antrag auf Vertagung der Entscheidung. Der wurde einstimmig angenommen. Damit steht nun die Aufgabe an, eine neue Heimat fr die Volkskunde zu finden. Die Germanistik mchte sich nicht mehr kmmern. Der Ausgang der Diskussion ist demnach ungewiss. Die nchste Sitzung des Fakulttsrats findet am 19. Januar 2011 statt. Bis zu diesem Tag knnen die Studenten darauf hoffen, einen neuen Professor zu bekommen.

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