Knapp elf Prozent der Professoren an der Uni Bonn sind Frauen. Das ist eine ernchternde Tatsache. Fand zumindest die Gleichstellungsbeauftragte der Universitt Bonn, Ursula Mttig, im letzten Monat. Denn diesen elf Prozent Professorinnen stehen 89 Prozent Professoren gegenber. Und Monika Wulf-Mathies meint sogar, da die Uni Bonn in Sachen Gleichberechtigung Niemandsland sei. Schuld daran seien ihrer Meinung nach mnnlich bestimmte Fachkulturen, wie es beim General-Anzeiger heit. Und Frauen htten im Vergleich zu Mnnern sogar die besseren Abschlsse nichts vermag die Untragbarkeit des Bonner Ungleichberechtigungszustandes deutlicher hervorzuheben!

Ganz schlimm sieht es in den Naturwissenschaften aus: hier gebe es immer noch weitaus weniger Frauen als Mnner in hohen akademischen Positionen. Rektor Fohrmann sieht hier die Notwendigkeit, bereits in der Schule gezielt bei Mdchen fr bestimmte Fcher zu werben, die nett als Frauenmangelfcher betitelt werden.
Die Strukturen seien ohnehin verkrustet, und der Prsident der Leibniz-Gemeinschaft, Professor Ernst Th. Rietschel, spricht laut Pressequelle gar von unbewussten Machtkartellen. Auch die Berufungskomissionen seien ja schlichtweg korrumpiert, was die geschlechtergerechte Auswahl angeht.

Klare Sache also: Der akademische Fhrungsmann als solcher klebt auf seinem Posten und mchte am liebsten den Herrenclub bis in alle Ewigkeit behalten. Und wenn das so ist, dann mu er wirklich einmal ein wenig aufgerttelt werden. Denn wenn da eine wirklich fhige Akademikerin tatschlich an kartellverdchtigen Zustnden scheitert, weil sie nun einmal eine Frau ist, dann ist das selbstverstndlich ungerecht.

Aber sind daran wirklich mnnlich bestimmte Fachkulturen schuld, wie Frau Wulf-Mathies meint? Und wenn ja: was ist das berhaupt? Immerhin sieht es laut Rektor in der Germanistik mit all ihren strikten Zitations- und sonstigen Vorschriften, die ja nun doch samt und sonders auf Mnner zurckgehen drften, mit all ihren fachzeitschriftstraditionalistengesteuerten Verffentlichungsmodi frauenmig doch passabel aus.

Der Verdacht drngt sich auf, da es wieder einmal die Naturwissenschaften sind, die hier als besonders mnnlich und damit dezidiert frauenschadend gebrandmarkt werden sollen. Zumindest formal. Zumindest, was die Auswahlkriterien fr den Zugang zu hheren akademischen Weihen angeht. Also her mit der Frauenquote fr die ignoranten Formelsammler! Und berhaput ist eine Frauenquote ja ohnehin das Mittel schlechthin, um das Geschlechterverhltnis in nahezu jeder Sparte auszugleichen...

Aber was htten wir denn davon? Immer mehr Mdchen machen das Abitur. Immer mehr Frauen studieren. Die Abschlsse von Frauen sind besser als die der Mnner. Immer mehr Jungen brechen die Schule ab. Immer mehr Mnner brechen das Studium ab. Also, so mte doch zu folgern sein, ist die akademische Welt in ein paar Jahren ohnehin fest in Frauenhand. Und die Fachkulturen sollten doch sptestens dann nicht mehr mnnlich, sondern weiblich bestimmt sein.


Und was bedeutet das dann? Da es in der Germanistik in Zukunft egal ist, ob eine Anwrterin in ihrem wissenschaftlichen Oevre von Verfasser oder Autor spricht, solange sie gendergerecht VerfasserIn und AutorIn schreibt? Doch wohl nicht. Denn strikte Vorschriften und penible Regelungen sind hier anscheinend dann einmal nicht mnnlich und damit im Sinne der militanten Emanzipationsdoktrin wahlweise schlecht, unmenschlich oder menschenverachtend. Ansonsten gbe es hier ja nicht so viele Frauen, die sich mit all den Regelungen und Gepflogenheiten ja anscheinend ganz gut arrangieren knnen und auch durchaus erfolgreich hohe Positionen belegen.

Mnnlich bestimmte Fachkulturen meint also anscheinend wirklich mnnliches Platzhirschgebahren in Direktorenkreisen und Dekanatszimmern vorwiegend naturwissenschaftlicher Institute. Und da soll es also dann eine Frauenquote richten. Fakt ist aber nun einmal, da sich freiwillig weniger Mdchen als Jungen fr eine Karriere in den Naturwissenschaften entscheiden. Was bewirkt da also eine Frauenquote? Wir rechnen nach und kommen ganz mathematisch-naturwissenschaftlich zu dem Ergebnis: eine Benachteiligung fr Mnner.

Aber Halt! Doch nur dann, wenn auch weiterhin viele Jungen gut in Mathe, Physik, Chemie oder Biologie sind, das Abitur auch wirklich machen, und auch weiterhin viele Mnner das Studium dieser Fcher erfolgreich abschlieen, und zwar besser als ihre Kommilitoninnen. Also nur dann, wenn Jungenfcher weiterhin Jungenfcher bleiben, und Mdchen dort weiterhin die Ausnahme bilden. Denn nur dann gibt es gengend Mnner in diesen Fchern, die eine Frauenquote rechtfertigen knnten.

Also: Eine Frauenquote fr den Zugang zur akademischen Fhrungsriege in den naturwissenschaftlichen Fchern hat nur dann einen Sinn, wenn der gegenwrtige Trend zum Leistungsmdchen nicht die Jungenfcher berhrt. Aber genau das Gegenteil soll ja erklrtermaen durch Girls' Day und hnliche Manahmen erreicht werden: Mdchen, ran ans Reagenzglas Jungs, raus aus euren Lieblingsfchern!

Und vollkommen trunken von all diesen berlegungen schlufolgern wir dann mal gewagt: Zumindest in den Naturwissenschaften ist eine Frauenquote gut fr nichts, auer eben fr die Quote. Und bei Lichte betrachtet knnte sie sogar schaden, weil sie die ohnehin schon latent jungenfeindliche Schulpolitik konsolidieren hilft...

Vielleicht irren wir uns aber in unseren berlegungen hier auch. Vielleicht ist die akedemische Welt in Bonner ja wirklich hochgradig frauenfeindlich. Vielleicht scheitern ja wirklich Jahr fr Jahr Dutzende von fhigen Akademikerinnen an eindeutig tendenzisen Auswahlverfahren, und zwar fcherbergreifend.

Wenn ja: dann ist das ungerecht und ein Rffel ntig.
Wenn aber wieder einmal nur hysterisches Gendergequake hinter allem steht: dann sollten statt Girls' Day, Girls' and Boys' Day oder sonstigen Mdchenfrderungs-und-Jungen-alibimig-doch-nicht-so-ganz-Benachteiligungsaktionen mal ganz andere Fragen errtert werden. Zum Beispiel sollte man doch bitte einmal darber debattieren, wie ungerecht es bei bei der Ausbildungsplatzvergabe zur Hebamme zugeht... Oder ob es denn in unserer aufgeklrten Gesellschaft wirklich noch zeitgem ist, da Frauen bei der Arbeitsvermittlung aber auch wirklich nur hchst selten einen Job im Straenbau angeboten bekommen... Und vor allem: ob es gerecht ist, da bei Auslandseinstzen der Bundeswehr hauptschlich Mnner sterben...

Bitte, solche Fragen drfen doch wohl erlaubt sein! Wir haben schlielich Gleichberechtigung.

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