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Eigentlich wollte ich nur schnell nach meinen Rückgabefristen schauen, bevor ich zur Bahn stiefle. Aber Firefox meldet mir eine Zeitüberschreitung bei Aufruf der Katalogseite. Und nein, ich habe die Zettel zu meinen vierunddreißig ausgeliehenen Büchern nicht abgeheftet – weil ich mich auf die IT der ULB verlassen habe. ULB Bonn – konservatives IT-Monster Dass die Universität Bonn im prätechnologischen Zeitalter festhängt und ihren konservativen Ruf auch in diesem Bereich treu bleibt, ist eigentlich keiner Meldung wert. Flächendeckendes W-Lan führte man erst vor kurzem ein, noch heute gibt es Institute-Funk. Wer erst vor fünf Jahren das Studium aufnahm, kannte das Bonnet höchstens als Informatiker. Noch vor drei Jahren gab es Kustoden, die auf Grund der Strahlenbelastung dagegen votierten. Richtig ärgerlich wird es aber erst bei Standarddienstleistungen wie der Homepage. Dass die Universität in den letzten Jahren stark nachgebessert hat, was die Präsentation in der digitalen Welt angeht, ist wahr. Aber noch immer verheddert man sich im Dschungel der Baumstruktur der Seite. Querverweise fehlen weiterhin. Von der Seite des Hochschulrechenzentrums wollen wir gar nicht erst reden. Systemwirrwar Neben dem eingekauften Basis.uni-bonn.System betreiben wir ein inkompatibles E-campus Netzwerk. Statt eine funktionierende einheitliche Plattform zu entwickeln, verbleibt man hier in den Abgründen technologischer Urzeit. Für jede Aufgabe wird eine eigenständige Lösung gesucht. Wir bilden zwar haufenweise Informatiker aus, aber deren einzige Aufgabe an der Uni Bonn scheint es zu sein, Lösungswege aus ihrer PCB-Hölle entwickeln zu dürfen. Es entspräche sicherlich auch nicht den Studienanforderungen, sie als Abschlussprojekt ein Extended-uni-bonn-e-campus.System entwickeln zu lassen, auf dem sowohl Kurswahl, Vorlesungsverzeichnis, Materialien als auch Veranstaltungsbewertung übersichtlich präsentiert werden. Einkaufen ist einfacher. Jedenfalls kurzfristig. Der neue Opac – eine Katastrophe Apropos Übersichtlichkeit. Vor kurzem wurde der Opac, der Katalog der ULB, neugestaltet. Er bekam ein Face-lift, wie man so schön sagt. Das hässliche Blau wich einem eleganten Weiß im ansprechenden und modernen Uni-Bonn Layout. Nur war die Einführung des halbgaren und unausgereiften Systems völlig mangelhaft. Vielleicht ist es inzwischen so üblich, halbfertiges zu implementieren und danach jahrelang "feinzujustieren". Sicherlich ist es auch kein Bug, dass heute – wiedermal ohne vorherige Ankündigung – der OPAC von 8–11 uhr nicht zugänglich war . Es war sicherlich ein Feature, dass gerade eingebaut wurde... Als er das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war ich erstaunt. Bei Suchergebnissen tauchten Autor und Signatur erst nach einem Klick auf "weitere Optionen" in der Einzelansicht auf. Man erhielt in der Liste der Suchergebnisse so sinnvolle Informationen über Schlagwörter und ISBN Nummer. Die Signatur und den Standort erhielt man nicht. Auch jetzt ist es noch so, dass der Herausgeber nicht in der Ergebnissübersicht angezeigt wird... Zudem fliege ich immer noch alle drei Minuten raus... Suchen leichtgemacht Zwar kann man – sinnvollerweise – die Suchergebnisse nun einfacher eingrenzen, die Kategorien sind allerdings weiterhin nicht unbedingt logisch und vor allem zu viele. Die wohl beste Neuerung, auch mal mehr als zehn Ergebnisse listen zu lassen, verschwand bei einer der Nachbesserungen auch wieder. Sich durch 200 Ergebnisse (schlechte Verschlagwortung macht es notwendig) durchklicken zu müssen, erfordert bei Studenten die notwendige Leidenschaft für ihr Fach. Und barrierefreie, übersichtliche Seiten haben heute anscheinend Schriftgröße 7. Ein Zeichen von Betreuung - Serverwartungen zu jeder Tageszeit Dies war die inhaltliche Kritik. Hinzu kommt die bereits erwähnte schlechte Erreichbarkeit des neuen Katalogs. Heutzutage, wo jede drittklassige Warez-Seite (Server, der (il-)legales "Zeug" anbietet) über einen Ersatzserver verfügt, scheint sich die bescheidene Uni Bonn mit einem einziger Server zu begnügen. Besonders gut ausgestattet ist der nicht. Spürbar wird dies bei der Suchgeschwindigkeit, die auch mit einem schnellen Internetzugang romantisch-hasserfüllte Erinnerungen an ein 56k Modem weckt. Gelegentlich dauert es Minuten, bis sich die Suchergebnisse aufgebaut haben. Fehlt eigentlich nur noch das gequetschte Klingeln aus der Vor-ISDN Zeit. Bitte als Feature hinzufügen, um über die Wartezeit hinwegzutrösten! Hinzu kommen die ständigen, angekündigten und unangekündigten Serverwartungen: an und hinter der Oberfläche wird stets fleißig geschraubt. Zum Teil wird so jede Suche stundenlang blockiert. Wer schnell schauen möchte, ob er ein Buch heute abgeben muss, bevor er zur Uni fährt, hat morgens meist Pech. Gelegentlich gibt es das ganze Wochenende keine andere Meldung als "Opac-Timeout". Man könnte ja auch erst die Implementierungen an einem Server testen und den anderen weiterlaufen lassen – ach ja, es gibt ja nur einen Server. Während jede gute Institution Serverwartungen von Mitternacht bis sechs Uhr morgens vornimmt, geht dies an der Uni nur tagsüber. Nein, im übrigen muss man nicht danebenstehen, wenn man einen Server updatet. Wer gut ist (und als IT-Mann einer Universitäts- und Landesbücherei sollte man gut sein), könnte das auch via Batch machen, also tagsüber vorbereiten, nachts ablaufen lassen. Oder zumindest einen Server nach dem anderen aktualisieren. Aber: nur ein Server... Surfen an den Internet PCs Der Opac geht jetzt wieder. Meine Wut könnte rasch verrauchen, ich bin nicht nachtragend. Aber ich stehe gerade an einem der fünf Internet-PCs der ULB, die ebenfalls einen totale Verschlimmbesserung darstellen. Das zuvor installierte kostenlose Knoppix-Linux war zwar technisch veraltet, aber innerhalb einer Minute hochgefahren. Aber es musste weichen. Bei den neuen Geräten setzt die ULB auf Windows XP, das zudem mit einer dubiosen "Selbstheilung" eines Drittanbieters ausgerüstet ist. Die Folge ist eine Bootzeit von entspannten vier Minuten dreißig. Als Student hat man ja alle Zeit der Welt... Wiedermal zeigt sich die Unflexibilität der ULB. Eigentlich ein Paradebeispiel für den IT Bereich der Uni. Statt neben einem aktuellen Knoppix ein Windows zu installieren, wird nun das XP jedesmal für jeden Nutzer als Abbild geladen und dann gestartet. Statt sich einfach abmelden zu dürfen, wird dieser Vorgang jedesmal wiederholt. "So soll sichergestellt werden, dass jeder Nutzer ein frisches System bekommt". Wenn er vier Minuten warten möchte, um eine Email nachzuschauen... Frisches System, Pustekuchen. Dafür muss man eigentlich nicht neu starten. 98% der Studenten haben keine Ahnung, wie man ein Windows absichtlich kaputtmachen kann. Sie wollen einfach nur schnell Mails checken, SPON lesen oder Facebook ihre Daten schenken. Von den 2%, die wissen, wie man Windows XP ohne Adminrechte dennoch vernichten kann, haben 98% kein Interesse daran. Mit dem Rest muss man halt Leben. Man könnte ja auch nur das Abbild laden, wenn das System nicht mehr geht, und ansonsten auf einen spröden Logout setzen. So hätte eine Vernichtung des Betriebssystems keine Folgen, ein Neustart würde alles wiederherstellen; und der Nutzerwechsel selbst dauert nur 20 Sekunden statt vier Minuten dreißig. Aber dazu müsste man ja erst denken und danach etwas einführen. Stattdessen geht man lieber den anderen Weg. It's not a Bug, it's a feature – and we're working on it. But you know, never touch a running System.
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