Mit PCB kontaminiert:
Der Neubau AVZ III
   
 

Fachschaft Informatik
   
Bereits 2004 wurde eine erhöhte PCB-Belastung in den Neubau-Räumlichkeiten der Römerstraße 164 festgestellt. Oberflächenmaßnahmen dämmten diese vorerst ein, betrafen primär jedoch nur Aufenthaltsorte von Mitarbeitern und Dozenten. Seit im vergangenen Jahr auf Veranlassung der Unfallkasse auch die Hörsäle entsprechenden Messungen unterzogen wurden, steht der Neubau des Informatikinstituts nahezu leer. Platzprobleme und Zugzwang brachten auf Dauer untragbare Lösungen auf den Plan. Ein Umzug auf den neuen Campus in Poppelsdorf scheint nach etlichen Verschiebungen der Baumaßnahmen immer unwahrscheinlicher zu werden. Astrid Brezina, Marie Christ und Sebastian Muszynski erzählen im Gespräch von der unbefriedigenden Kommunikation zwischen Verantwortlichen und Betroffenen. Sie sind Vertreter der Informatikfachschaft, die im vergangenen Monat einen offenen Brief an die Universitätsverwaltung richtete:

CW: Was ist in Euren Augen das derzeitig grundlegendste Problem hinsichtlich der PCB-Belastung im Altbau des Informatik-Instituts?

Sebastian Muszynski: Uns geht es mittlerweile schon fast nicht mehr um die PCB-Belastung. Eigentlich beschäftigt uns viel mehr, dass diese PCB-Belastung seit Jahren vorherrscht und der durch sie ausgelöste Prozess zu langsam vonstatten geht. Man kennt das von Schulen: Da wird PCB entdeckt, es wird eine Gegenmaßnahme getroffen. Schüler kommen schnell mal in einen Container. Später ist so ein Gebäude saniert und die Sache ist gegessen.
Wir haben ein Gebäude, das PCB-verseucht ist. Das ist seit 2004 klar. Seitdem wurde alles Mögliche versprochen. Alle paar Monate, bzw. alle Jahre konnten wir aus der Presse erfahren, dass wir wieder woanders hinziehen sollen. Was uns an der ganzen Sache missfällt, ist im Großen und Ganzen, dass keine Informationspolitik seitens der Universitätsleitung stattfindet. Das heißt, dass das Institut lediglich Bitten an die Verwaltung richten kann, die in der Regel weder diskutiert noch besprochen werden.

Astrid Brezina: Scheinbar ist es der Verwaltung egal, wie hier Lehre und Forschung von statten gehen. Es wurde jetzt zwar von dem Umzug in das Landesbehördenhaus an der B9 gesprochen, aber das betrifft nur die Mitarbeiter und Professoren, da die Hörsäle weiterhin hier bleiben.

CW: Obgleich sie PCB-belastet sind?

S.M.: Man muss unterscheiden: Es gibt den Neubau - das ist der belastete Teil - und es gibt hier, wo wir jetzt sitzen, den Altbau. Hier finden auch zurzeit die Vorlesungen statt, da die Hörsäle im Neubau nicht mehr benutzt werden dürfen. Da man mehr oder minder nicht genügend Fläche findet, wo man sowohl Studenten als auch Dozenten unterbringen könnte, soll die Forschung jetzt ins Landesbehördenhaus. Die Lehre bleibt weiterhin hier. Gegen diese Lösung hat sich das Institut von vornherein ausgesprochen. So ein Zerreißen von Forschung und Studium verbessert die Lehre auf keinen Fall und gestaltet den ganzen Betrieb nicht flüssiger. Es gab viele Vorschläge. Stattdessen wurde uns präsentiert: Hier, wir haben ein Gebäude in sechs Kilometer Entfernung, 25min Fahrtzeit.

A.B.: Die ist für die Dozenten und Mitarbeiter verlorene Arbeitszeit. Wenn die vormittags und dann nachmittags eine Vorlesung haben, bleiben sie ja nicht hier. Sie haben hier kein Büro, keine Sekretärin, keine Möglichkeit vernünftig zu arbeiten. Das bedeutet sehr teure Pendelzeit, auf unbestimmte Zeit. Im Moment heißt es, der Einzug in den Neubau am Campus Poppelsdorf sei für 2014 geplant. Letzten Dezember haben wir noch die Ansage bekommen, dass wir am 1. April 2013 einziehen können. Klar ist: Labore müssen da sein, wo auch die Studenten sind. Dozenten nehmen natürlich ihre Labore mit. Das heißt, es pendeln nicht nur die Dozenten, sondern ebenfalls die Studenten. Im Endeffekt deutet das auf eine studienverlängernde Maßnahme hin. In einem Bachelorstudiengang mit sechs Semestern, der mit Lehrstoff vollgepumpt ist, wäre die Pendelei bis zur B9 - und das mindestens bis 2014 - eine Zumutung.

CW: Ihr habt erwähnt, dass Euch insbesondere die mäßige Kommunikation zwischen Institut und Verantwortlichen stört. Ist diese auch der Grund für den offenen Brief? Was erwartet ihr für Reaktionen?

S.M.: Richtig. Frau Kornmesser (Vizekanzlern der Universitätsverwaltung, Dezernentin Facility Management) reagierte darauf mit einer Einladung zu einem Gespräch. So hatte sie natürlich auch in der Presse die Möglichkeit auf dieses Entgegenkommen hinzuweisen. Wir hoffen allerdings, dass darin nicht ihre größte Motivation bestand. Wir werden jetzt am Freitag dieser Einladung nachkommen und uns überraschen lassen was das Ganze tatsächlich bringt.

Traurig war Folgendes: In unserem Brief hatten wir unter Anderem geschildert, dass wir zukünftig nicht mehr über die Presse informiert werden wollen. Von Frau Kornmesser erhielten wir eine Email mit dem ungefähren Wortlaut „Wie Sie ja sicher schon durch die Presse erfahren haben, habe ich Sie eingeladen“. Das war so ein ganz, ganz trauriges Musterbeispiel, wie die Kommunikation hier abläuft und wir hoffen, dass sich das irgendwie in Bewegung bringen lässt. Aber die meisten, vor allem Angestellte und Arbeitende hier im Institut, sind einfach nur verzweifelt.

A.B.: Wir haben für Freitag schon viel Vorarbeit geleistet. So können wir das Gespräch mit wirklich realistischen und konstruktiven Forderungen und Anregungen angehen.

CW: Ihr habt also bereits konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet?

S.M.: Wenn man wirklich Energie in das Projekt investiert und wirklich geradlinig arbeitet, dann könnte man wirklich anschauliche Lösungen für alle Beteiligten finden.
A.B.: Sogar schöne!

M.C.: Es geht uns nicht nur um die Lösung, sondern vor allem auch darum, dass die Kommunikation funktioniert. Statt um drei Ecken zu erfahren was passiert, sollte man sich mit allen Beteiligten, allen Betroffenen an einen Tisch setzen. Es sollten einfach alle Parteien den gleichen Wissensstand haben.

CW: Woran, glaubt ihr, ist diese Idee bislang gescheitert? Gibt es irgendwelche Rechtfertigungsversuche?

M.C.: Eine Rechtfertigung haben wir in dem Sinne nicht eingefordert.

S.M.: Die konnte man im Grunde auch gar nicht einfordern. Bislang haben wir nur gehört, dass es einen geschäftsführenden Direktor gäbe, zu dem man gehen und um Informationen bitten müsse. Faktisch bekommt man hier jedoch auch eher nur ein Schulterzucken, vielleicht ein „Ich habe gehört, dass…“. Direkte Informationen sind einfach unzugänglich.

CW: Wie reagieren die Studenten auf die gesamte Situation?

S.M.: Hier klopfen nicht dauernd Studenten an und sagen, dass es ihnen schlecht geht. Aber es gibt wellenartig immer wieder Reaktionen aus der Studierendenschaft. Als ich angefangen habe zu studieren, wurde mir in der ersten Woche direkt gesagt „ach, merk Dir gar nicht erst die Raumnummern, wir sind hier sowieso nicht mehr lange drin.“. Auf diese Weise wird hier fast jeder Ersti vertröstet. Mittlerweile vielleicht auch nicht mehr, weil man den Mut ein wenig verloren hat.

M.C.: Man konnte sich als Student im Grunde nur der Lehre verweigern oder sich damit abfinden mit dem PCB zu leben. Viele haben versucht möglichst viel von zuhause aus zu machen.

CW: Wurde der offene Brief als eine positive Maßnahme unter den Studierenden wahrgenommen?

S.M. Ja, es gab sehr positive Reaktionen. Wir waren auf dieser Sitzung (28.04.2010: „Uni Campus Poppelsdorf – Bericht über den aktuellen Planungsstand“) im Stadthaus vertreten mit, ich glaube, etwa 100 Studenten. Wir haben natürlich auch Mitarbeiter angeschrieben und über diesen Termin informiert, von denen auch viele anwesend waren. Wir haben es wirklich geschafft dort präsent zu sein. Teilweise waren selbst Dozenten der Mathematik, die ebenfalls gelegentlich hier Vorlesungen halten, zugegen. Allein die rege Teilnahme ist ja schon Zeichen für das Schockierende am PCB-Messungsverfahren in unserem Fall. Generell wurden die Messungen schon seit 2006 vorgenommen. Räume, in den Studierende sich aufhalten, sind jedoch völlig außer Acht gelassen worden.

S.M.: Die Bezirksregierung hat ein Amt für Arbeitsschutz, und der Arbeitsschutz gilt nur für Angestellte. Der Student wurde einfach so hingenommen und niemand hat rechten Ansporn gezeigt für ihn irgendetwas zu tun. Kostet ja schließlich alles Geld. Irgendwann wurde dann klar, dass die Unfallkasse NRW die entsprechende Verantwortlichkeit trägt. Die hat dann unmittelbar Druck gemacht. Und so hatten wir plötzlich, ab…

A.B.: …Juli 2009…

S.M.: …auch Messungen in den Hörsälen.

A.B.: Der Grenzwert für dauerhaften Aufenthalt liegt bei etwa 300 ng/m³. In einem der weniger belasteten Hörsäle lag der Wert bei etwa 1200 ng/m³.

M.C.: Andere liegen sogar bei etwa 2500 ng/m³.

CW: Wurden nach diesen Messungen weiterhin Vorlesungen in den Hörsälen gehalten?

A.B.: Ja, kurzfristig. Im restlichen Gebäude wurden damals schnell die Fugen abgeklebt und Luftwäscher aufgestellt. Hörsäle wurden ja erst seit 2009 berücksichtigt. Da wurden dann schnell ähnliche Pläne zur Oberflächenbekämpfung gemacht. Die Unfallkasse hat jedoch direkt ein Veto eingelegt. So wurde die Lehre endgültig aus dem Neubau genommen. Was drüben jedoch immer noch verwendet wird, sind die Computerräume, in denen Übungen stattfinden. Die sind jedoch ebenfalls belastet. Am 30. Juli sollen nun endlich Container hier draußen aufgestellt werden, die sie ersetzen sollen.

CW: Inwieweit sind durch den Wegfall des Neubaus Platzprobleme entstanden?

M.C.: Vorher hatten wir vier Hörsäle, jetzt haben wir nur noch zwei…

A.B.: Sechs hatten wir vorher, drüben vier recht große und eben die zwei hier im Altbau
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M.C.: Das größte Problem sind, glaube ich, die Übungsräume. Die alte Bibliothek wurde immerhin schon umgebaut.

A.B.: Das haben wir allerdings schon früher, mit Hilfe des Instituts und dem damaligen geschäftsführenden Rektor gemacht. Die alte, quasi leer stehende Bibliothek haben wir in Eigenregie umgeplant, Baumaßnahmen eingeleitet und daraus dann sieben kleinere Seminarräume geschaffen.

S.M.: Die Platznot ist auf jeden Fall da. Es gibt sogar eine Abteilung, die zerrissen ist. Sie sitzt zur Hälfte hier und zur Hälfte im BIT, einem Ausleger der Uni Bonn.

CW: Zum Abschluss: Was erwartet ihr von dem Gespräch mit Frau Kornmesser und was erhofft ihr euch für die Zukunft?

M.C.: In erster Linie: Konkrete Aussagen. Bis jetzt ist immer alles recht schwammig formuliert und nicht ordentlich kommuniziert worden. Wir möchten einfach mal ein, zwei klare und nachvollziehbare Aussagen bekommen.

A.B.: Wir hoffen, dass Frau Kornmesser wirklich ernsthaft mit uns reden möchte und nicht nur aus politischen Gründen. Außerdem wollen wir nicht wieder das zu hören kriegen, was wir schon seit zig Jahren hören.

S.M.: Es soll in der Tat ein Dialog entstehen. Alle Beteiligten sollten sich ab und zu an einem Tisch zusammenfinden, um den Fortschritt und aktuelle Planungen transparent zu machen. So könnten Informationen problemlos auch an die Studenten kommuniziert werden

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