Es war eines dieser Seminare, bei denen ich froh war, nach dem Fett getrnkten Mensa-Essen meine Augen aufhalten zu knnen. Pltzlich hre ich den Seminarleiter einen Satz sprechen, der mir sofort jegliche Mdigkeit aus den Knochen vertrieb: "Und dann mssen Sie bis Mitte Mai ihre Bachelor-Thesis schreiben, damit Sie das Studium in Regelstudienzeit abschlieen."

Panik macht sich breit

"April bis Mitte Mai? Das sind doch gerade mal sechs Wochen. Und ich habe mir noch nicht einmal ein Thema berlegt. Oh mein Gott!" Und schon war es passiert. Mit diesen Kommentaren meines Sitznachbarn schwappte dessen Panik auf mein Gemt ber. Der Schwei lief mir ber die Stirn, als ich mich 30 Minuten spter hochkonzentriert vor dem Regal mit den Diplomarbeiten meiner Fakultt wieder fand.

Ein groes Problem wurde mir hier bewusst. Ich war im Studiengang "Bachelor of Arts Soziale Arbeit" eingeschrieben, war mir aber schon darber klar, mit dem anschlieenden Masterstudiengang einen anderen Weg, nmlich jenen in die empirische Sozialforschung, einzuschlagen. Daher war mein Interesse an den typisch sozialarbeiterischen Themen einer Diplom- bzw. Bachelorarbeit uerst reduziert.

Fr mich bestand zum Glck die Mglichkeit, meinen Professor, der mir schon seit dem ersten Semester, im Rahmen meine Anstellung als studentische Hilfskraft, immer wieder gute Ratschlge erteilt hat, um Rat zu fragen. Die Antwort war ernchternd: "Nein, das Thema mssen Sie sich schon selbst berlegen, aber keine Sorge, ich werde Sie auf nichts Sozialarbeiterisches festnageln. Auf jeden Fall erhalten Sie von mir mal die Planungsfragen fr ein Expos zum Thema Ihrer Bachelor-Thesis. Das schreiben Sie mal, denn Sie wissen ja: Eine gute Gliederung ist der Weg zum Erfolg!"

Panik wird verdrngt

Das war mir klar, jedoch wusste ich nicht, was ich gliedern sollte. Ich beschloss diese Frage mit meinen beiden besten Freunden zu besprechen. Anna und Jim Beam haben immer ein offenes Ohr fr mich. Dumm nur, dass das Ambiente des Klner Undergrounds nicht wirklich zu einem wissenschaftlichen Diskurs einldt. Da ist es schon viel interessanter eine neue aufstrebende Jugend-Subkultur zu beobachten. Wieso schauen Emos eigentlich immer so traurig? Das war die Forschungsfrage dieses Abends.

Nachdem diese in aller Ausfhrlichkeit tiefenscharf beleuchtet wurde, ging bereits die Sonne auf und sogar die Forschungsgegenstnde selbst waren nicht mehr im Underground. So gingen Anna und ich - Jim verloren wir an einen Glascontainer - durch das im Schlaf versunkene Kln-Ehrenfeld.

Panik wird vergessen

Warum ist schwierig zu sagen, aber ich vermute, dass es die ersten Sonnenstrahlen dieses Tages waren, die mich Morgens um halb acht zu grundlegenden Diskussionen animierten. So hrte ich mich fragen: Was hat Dich eigentlich zur Soziologie gebracht, Anna?
Anna schien in hnlicher Stimmung zu sein wie ich und antwortete in ausfhrlichen Stzen, dass es das Schnste ist, aus den Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft heraus, das Verhalten der Menschen zu erforschen.

Kann ich gut verstehen." antwortete ich. "Mich interessiert aktuell vor allem eins: Wieso reden die Leute auf der Strae kaum miteinander, haben aber im studiVZ alle ein total gestyltes Profil, wo sie sich stndig Nachrichten schicken?". Anna antworte: Ja, das ist eine interessante sozialwissenschaftliche Forschungsfrage."

Und Zack, da war es geboren. Mein Thema fr die Bachelor-Thesis kndigte sich vor meinem inneren Auge mit den Worten "Selbstdarstellung im virtuellen Netzwerkraum" an. Es ist wie so oft im Leben, man erhlt das was man mchte, wenn man nicht danach sucht. Also lasst den Kopf nicht hngen, wenn ihr kein Thema findet. Denn vielleicht findet das Thema euch.

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