Sie ist abgegeben und bewertet worden und es ist jetzt alles eine Weile her. Manchmal kommt es mir vor, als wre es gestern gewesen, als sie mir Tag tglich den letzten Nerv und die letzte freie Minute geraubt hat. Von meinem stetig ansteigenden Schokoladenkonsum mchte ich jetzt gar nicht erst anfangen. Schokolade macht wenigstens kurzweilig glcklich, was man von der Magisterarbeit ganz und gar nicht behaupten konnte.

Von Schreibblockaden und anderen Hindernissen

Anfangs sah alles ganz einfach aus: Gliederung anfertigen, Umfragebogen und Material zusammenstellen, Studie durchfhren, die Ergebnisse auswerten und dann alles in einen runden Theoriekontext einbetten fertig! Bis zu dem fertig vergingen allerdings viele qualvolle Monate. Eine Gliederung war schnell erstellt und um so schneller in Absprache mit meinem betreuenden Dozenten gekrzt. Schwierig hingegen gestaltete sich die Suche nach gutem Untersuchungsmaterial und auch der Fragebogen wollte nicht so schnell aus der Feder flieen. Als das alles in trockenen Tchern war, nahm ich die Umfrage in Angriff. Und ab da begann eine lange Zeit des Wartens. Den letzten brauchbaren Fragebogen erhielt ich endlich zwei Monate vor der Abgabe und setzte mich an die Auswertung. Nachdem das Auswertungsprogramm ganze drei Mal den Geist aufgab und meine Ergebnisse einmal in den Tiefen meiner Festplatte vllig verschollen waren, entschied ich mich, die Auswertung mit einem benutzerfreundlichen Programm zu erstellen. Der in der Zwischenzeit mhevoll verfasste Theoriekontext musste zu 20 Prozent weichen, damit auch noch ein Pltzchen fr meine Auswertung blieb. Die Trennung von jedem einzelnen Satz, geschweige denn von vielen Seiten, tat mir in der Seele weh.

Wenn die Abschlussarbeit zum Lebensinhalt wird

Doch es gab auch ein Leben fernab der Magisterarbeit das dachte ich zumindest. Wann gibst du eigentlich endlich ab? Du sitzt doch jetzt schon gefhlte drei Jahre an der Arbeit. Solche Bemerkungen hrte ich oft und sie brachten mich auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil. Die stndigen Rechtfertigungen gaben mir das Gefhl, mein zweiter Vorname wre Magisterarbeit. Es gab Tage, an denen habe ich mich gefragt, ob sich auch noch jemand fr mich interessiert oder nur noch fr meine Schreibblockaden.

Das schwarze Loch nach der scheinbar erlsenden Abgabe beim Prfungsamt

Dann war es endlich so weit, die Arbeit konnte in den Druck gegeben werden. Im Zuge der letzten Formatierung sind natrlich noch einige Desaster passiert. So blieben mir ein bisschen Spannung und Nervenkitzel bis zur letzten Minute erhalten. Aber dann reichte ich sie beim Prfungsamt ein und fiel in das berhmt berchtigte schwarze Loch. Wer dieses ganze Prozedere noch vor sich hat, sollte einen Rat befolgen: Es wre besser, schon whrend des Schreibprozesses eine Liste mit den Dingen anzufertigen, die man gerne machen wrde, wofr jedoch die Zeit fehlt. Diese Liste vermisste ich nach der Abgabe und war mit meiner neu errungenen freien Zeit anfangs vllig berfordert. Nachdem ich mein Zimmer aufgerumt hatte, alles ordentlich abgeheftet war, die letzten Bcher wieder in der Bibliothek standen zugegeben, die Bibliothek befand sich eine Zeit lang bei mir im WG-Zimmer - fragte ich mich: Und was mache ich jetzt?

Irgendwie bekam ich die folgenden Monate dann auch noch rum, bis zu dem erlsenden Anruf des Prfungsamtes: Herzlichen Glckwunsch, sie haben bestanden! Ihre Magisterurkunde knnen Sie in der nchsten Woche abholen. Jetzt wnsche ich Ihnen erst einmal ein schnes Wochenende und feiern sie ordentlich. Das habe ich dann auch getan. Ich kann also allen, die die Abschlussarbeit noch vor sich haben, nur sagen: Es gibt ein Leben nach der Magisterarbeit.

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