Sascha Keller grndete als Student vor acht Jahren seine eigene Stadtfhrungsfirma. Damals war ihm bewusst, dass er dafr ein neues Ideenkonzept ausarbeiten muss: "In Kln gibt es zahlreiche Firmen, die Stadtfhrungen anbieten. Da muss man sich etwas Besonderes einfallen lassen, um sich von anderen Anbietern zu unterscheiden", uert sich der Geschftsfhrer im Interview mit campus-web. "So habe ich beschlossen, mich auf ungewhnliche Fhrungen, wie zum Beispiel die Gruselfhrung, zu spezialisieren. Wir setzen auf lebendige Geschichten - diese sind wesentlich spannender als reine Daten und Fakten." Doch erst einmal hie es dafr zu recherchieren. Sascha Keller las regionale Literatur, traf sich mit verschiedenen Historikern und engagierte kompetente Stadtfhrer: "Die Weiterbildung der Stadtfhrer ist besonders wichtig, daher buchen wir zweimal jhrlich einen Schauspielworkshop bei einer erfahrenen Theaterschauspielerin aus Kln. Ohne die Untersttzung meiner Freunde und vor allem von meiner Freundin Katrin Schfer, htte ich das nicht auf die Beine stellen knnen." Vor sechs Jahren fand schlielich die erste Gruselfhrung in Kln statt.

Von Hexen, Geistern und dem Teufel

Das helle Licht des Vollmonds malt unheimliche Schatten auf den einsamen Vorplatz des historischen Rathauses in Kln. Es herrschen eisige Temperaturen, der Wind pfeift durch die schmalen Gassen. Pltzlich trifft eine als Hexe verkleidete junge Frau mit einer roten Kerze in der Hand auf dem Vorplatz ein. Sie fhrt die Teilnehmer unmittelbar ins mittelalterliche Kln um 1627 zurck, indem sie auf die Front des historischen Rathauses verweist. Diese zeigt eine Figur, die fr die Klner Stadtgeschichte eine entscheidende Rolle gespielt hat. Es ist Katharina von Henot, welche aus einer reichen Klner Patrizierfamilie stammte. Sie wurde der Hexerei fr schuldig befunden und hingerichtet, obwohl sie die peinliche Befragung dreimal berstand. Diese Tatsache htte normalerweise ihren Freispruch bedeutet, er wurde jedoch nicht eingelst. Ihr Prozess war der wohl bekannteste und gab den Ansto zu einer regelrechten Welle von Hexenprozessen in Kln. Vom historischen Rathaus aus geht es nun weiter ber den alten Markt, auf dem im Mittelalter ffentliche Hinrichtungen zur Abschreckung der Brger stattfanden. Auch im damaligen Kaufmannsviertel, in das die Teilnehmer nun weitergefhrt werden, fanden im mittelalterlichen Kln zahlreiche Ereignisse statt.

Am Rhein angekommen, berichtet die Stadtfhrerin von der "Weckschnapp Sage". Im sogenannten "Weckschnapp Gefngnis" hielten Wachen Brot von einer hher gelegenen Stelle in die Verliese der Gefangenen. Von Hunger getrieben, schnappten diese danach. Daraufhin ffnete sich jedoch eine Falltr, die durch einen von Messern bestckten Schacht in den Rhein fhrte. Ein sehr magerer Strfling soll den Sturz durch den Schacht berlebt und die Geschichte berliefert haben.
Auch bei der ungewhnlichen Gruselfhrung darf das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt nicht fehlen: Der Klner Dom. Er wird als eine der letzten Stationen der Gruselfhrung angesteuert und erzhlt von Meister Gerhards Wette mit dem Teufel. Zum Abschluss gibt es passend zum Thema essbare weie Gummimuse und ein Rezept fr einen roten, aus verschiedenen Beeren gemixten blutigen Gruselcocktail. Fazit von campus-web: Eine gelungene Stadtfhrung der etwas anderen Art eine Teilnahme lohnt sich!

Ein vielfltiges Angebot

Neben der Gruselfhrung bietet die Stadtfhrungsfirma von Sascha Keller noch Vieles mehr an. Bestimmte Specials sind die Single- oder die besonders schaurige Halloween-Gruselfhrung. Wer es nicht ganz so gespenstisch mag, kann sich zum Beispiel auch durch das belgische Viertel fhren lassen, das eng mit Mode und Musik verbunden ist. Die Firma zhlt inzwischen zwlf Mitarbeiter. Neben mehreren Stadtfhrern arbeiten auch eine Buchhalterin, ein Homepagebetreuer, eine Webdesignerin und eine Pressereferentin fr den Geschftsfhrer. Sascha Keller blickt positiv in die Zukunft: "Ich plane die Firma knftig weiter auszubauen und neue, individuelle Fhrungen anzubieten. Der Schwerpunkt wird weiterhin auf Erlebnisfhrungen liegen, bei denen die Gste unterhalten werden und Spa haben. Studenten erhalten im brigen noch bis zum 31. Mrz 2015 auf jede Fhrung zehn Prozent Rabatt."


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