campus-web: Sie befinden sich in einer schwierigen Situation: Ab Herbst sind Sie neue Direktorin des Theaters der Keller. Wie lange Sie dieses Amt ausben werden knnen, steht aber bislang noch in den Sternen, nachdem sich der Kulturausschuss der Stadt dafr ausgesprochen hat, Frdermittel ab 2011 zu streichen und das Theater der Keller somit kurz vor der Schlieung steht.

PiaMaria Gehle: Das ist das Fatale. Bis Dezember flieen die Mittel, ab Januar nicht mehr. Wenn uns die stdtischen Frdermittel gestrichen werden, steht das Theater vor dem Aus. Denn die Stadt ist auch als Geldgeber fr andere Geldgeber relevant. Wenn von der Stadt nichts kommt, brechen andere Finanzmittel weg, und das wre fr ein kleines Haus wie das unsere nicht tragbar. Der Entschuldungsplan beispielsweise, den wir mit der Stadtsparkasse Kln Bonn ausgehandelt haben, sieht vor, uns den Groteil unserer Schulden zu erlassen - allerdings nur, wenn die Stadt uns weiter frdert. Es geht also um mehr als um die jhrliche Frdersumme von 171.000 .

Also ist die Schlieung unumgnglich?

Wenn wir gemeinsam mit der Stadt keine Lsung finden, muss das Theater schlieen. Das wird ein Loch in die Klner Kulturszene reien. Darber mssen sich die Politiker im Klaren sein. Nicht nur unser Haus ist ja von der Schlieung bedroht: Auch das Artheater kmpft ums berleben; das Theater am Sachsenring musste bereits schlieen. Selbst stdtische Huser wie das Schauspiel in Wuppertal sollen aus Kostengrnden dicht gemacht werden. Seit der Wirtschaftskrise scheint ein bundesweites Theatersterben vorprogrammiert zu sein. In ein paar Jahren werden wir so in Deutschland eine brachliegende Kulturlandschaft haben. Das muss verhindert werden. Jedes Theater, das schlieen muss, bedeutet eine Katastrophe. Die Vielfalt aus ffentlichen Bhnen und freien Theatern muss unbedingt erhalten bleiben.
Das Theater der Keller jedenfalls macht bis Herbst in jedem Fall weiter. Wir werden weiter kmpfen.

Wie sieht dieser Kampf konkret aus?

Im Moment kmpfen wir auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig. Wir fhren Gesprche mit den Entscheidungstrgern, haben eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen und fhren mit Hilfe der Schler des Theaters der Keller Flashmob-Aktionen im ffentlichen Raum durch.
Glcklicherweise erhalten wir von wichtigen Stellen Zuspruch: Der Deutsche Bhnenverein untersttzt uns. Karin Beier, die Intendantin des Klner Schauspiels, hat sich in einem offenen Brief fr die Erhaltung des Theaters stark gemacht; auch Jrgen Flimm, der Leiter der Ruhrtriennale, steht hinter uns.

Der Theaterbeirat hat betont, dass seine Empfehlung, das Theater der Keller aus der Konzeptionsfrderung zu streichen, nichts mit dessen finanzieller Situation zu tun habe. Vielmehr habe Ihr Konzept fr die kommenden vier Jahre nicht berzeugen knnen.

Dieses Konzept ist aber nicht meines. Die Frderung wurde zu einem Zeitpunkt beantragt, als das Theater der Keller keine knstlerische Leitung hatte.

Das heit, da wird jetzt ein Konzept bewertet, das gar nicht mehr aktuell ist? Das ist doch eine absurde Situation, oder?

Ja, das Ganze ist absurd. Die Konzeptionsfrderung, die ja auf vier Jahre angelegt ist, ist sicherlich eine gute Sache. Es wre allerdings schn, wenn die Stadt bei diesem ganzen Antragsverfahren etwas flexibler wre. Gerade wenn es um eine der Klner Traditionsbhnen geht. Die regulre Frist zur Einreichung des Antrags ist verstrichen; wir haben aber inzwischen ein ganz neues Konzept fr die kommenden vier Jahre und nach dem wrden wir auch gern beurteilt werden.

Wie sieht denn Ihr Konzept fr die kommenden vier Jahre aus?

Mein Ziel ist es, dem knstlerischen Nachwuchs Raum zu geben. Aus eigener Erfahrung wei ich, wie schwer es ist, als junger Regisseur oder Schauspieler Fu zu fassen. Ich habe vor einigen Jahren das Nachwuchstheater-Festival Kaltstart in Hamburg organisiert und deshalb Kontakt zu vielen talentierten Nachwuchsknstlern. Konkret heit das: Auf dem Spielplan werden berwiegend junge, moderne Autoren stehen. Bei Regie und Spiel wird die Generation 30 plus strker zum Zuge kommen. Das soll allerdings nicht heien, dass 50-Jhrige im Theater der Keller in Zukunft keine Chance mehr haben.

Zu guter Letzt, Frau Gehle: Was wnschen Sie sich fr die Zukunft?

(lacht) Dass ich auch im Januar noch Theater machen darf natrlich! Dass ich die Chance, die mir als Theaterfrau - die ich durch und durch bin - gegeben wurde, nutzen kann, um spannendes, aussagekrftiges Theater zu machen!


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